Jordaniens legendäre Felsenstadt

9 Dinge, die nicht jeder über Petra weiß

Sie ist die berühmteste Sehenswürdigkeit Jordaniens: Petra, die legendäre Felsenstadt, UNESCO-Weltkulturerbe, Schauplatz von Filmen wie „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Doch die weltbekannte Touristenattraktion birgt immer noch Geheimnisse im Wüstensand ...

Von Maike Grunwald

Petra ist der herrlichste Ort der Welt“ – und jede Beschreibung sei sinnlos, da sie der Wirklichkeit nicht gerecht sein könnte: So schwärmte T. E. Lawrence alias „Lawrence von Arabien“ von Jordaniens unglaublicher Felsenstadt.

Schon der erste Eindruck ist schlichtweg überwältigend. Der Besucher wandert zuerst durch eine enge, gewundene, mehr als einen Kilometer lange Schlucht, den so genannten „Sik“ oder „Schacht“. Fast 100 Meter hohe Felswände ragen auf beiden Seiten auf. An der engsten Stelle ist die Schlucht nur zwei Meter breit.

Und dann, plötzlich, steht man vor ihr: der gewaltigen Fassade des „Schatzhauses“, Al Khazneh. Rund 40 Meter ragt das hohe, mit Säulen geschmückte Wunder auf. Fast jeder hat das weltberühmte Gebäude, das auch in Filmen wie „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ beeindruckt, schon einmal auf Bildern gesehen. Und doch birgt Jordaniens weltberühmtes Unesco-Welterbe etliche Mysterien. TRAVELBOOK hat einige wenig bekannte Fakten, Skurrilitäten und ungelöste Rätsel für Sie ausgewählt.

Das Wunder der Felsenstadt offenbart sich Besuchern am Ende des „Sik“, einer engen, langen Schlucht

Foto: Getty Images

Totenstadt war „Wall Street of Arabia"

Die Nabatäer, ein arabisches Volk aus vor-islamischer Zeit, schlugen die Hauptstadt ihres Reiches vor mehr als 2000 Jahren aus den roten Sandsteinfelsen. In den prächtig verzierten Höhlen wurden die Verstorbenen bestattet. Petra war eine Nekropolis, eine Totenstadt, deren Grabstätten bis heute erhalten sind – aber auch eine blühende Handelsmetropole.

„Die 'Wall Steet' des Alten Arabien“: diesen Spitznamen gibt es für Petra ebenfalls. Fast drei Jahrhunderte lang, bis etwa 100 nach Christus, beherrschten die Nabatäer die Stadt, günstig gelegen am Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen, darunter die legendäre „Weihrauchstraße“. Durch ein ausgeklügeltes Wasser-Management mit Leitungen, die das Wasser der umliegenden Quellen nach Petra führten, wurde die Felsenstadt zu einer Oase mitten in der Wüste. Ihren Reichtum erreichte sie durch durch den Handel mit kostbaren Gewürzen, Weihrauch und anderen Handelswaren, auf die auch Zölle erhoben wurden.

Da die Nabatäer fast keine Schriftzeugnisse hinterließen, die Aufschlüsse über ihr Alltagsleben oder Petras Geschichte geben, lässt sie sich nur indirekt über biblische, griechische und römische Quellen zusammenreimen – und vieles wird immer im Dunkeln bleiben.

Touristen können das weite Areal auf dem Rücken von Kamelen erkunden

Foto: Getty Images

Von einem Schweizer Pseudo-Scheich entdeckt

Als Touristenattraktion ist Petra skurrilerweise recht jung: Erst in den 1920er Jahren begann man mit archäologischen Ausgrabungen und dann erst mit der Erschließung als Touristenattraktion. Der Hintergrund: Petra galt 1.200 Jahre lang als verschollen. Erst 1812 wurde es für Europa wiederentdeckt – von einem Schweizer, der sich als Araber verkleidet hatte und behauptete, ein Scheich zu sein.

Der Baseler Jean Louis Burckhardt entdeckte Petra versehentlich auf seiner Suche nach dem „Land des Goldes jenseits von Timbuktu“, heißt es in einem Artikel von „abc News“. Seinem damaligen Guide sei er verdächtig vorgekommen, „wie ein Zauberer auf Schatzsuche“: Offenbar überzeugte er nicht in seiner Verkleidung als „Scheich Ibrahim“, wie er sich nannte, obwohl er Arabisch gelernt hatte, zum Islam konvertiert war und einen Turban trug.

löcher im Schatzhaus

An der prächtigen Fassade des berühmten Schatzhauses Al Khazneh sind mehrere Einschusslöcher zu sehen. Schuld daran ist wohl ein Gerücht, das dem Gebäude auch seinen glamourösen Namen gab: Hinter dem Felsen befände sich angeblich pures Gold – eine verlockende Vorstellung für Glücksritter, die mit Schusswaffen mehr herausfinden wollten.

In Wirklichkeit handelt es sich aber um das Mausoleum einer der königlichen Familien der Nabatäer. Bei Ausgrabungen fand man eine Grabkammer mit menschlichen Skeletten und Töpferwaren.

Das „Schatzhaus“ gehört zu den berühmtesten Grabstätten der Totenstadt

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Rätsel um den NameN

„Petra“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Fels“ oder „Stein“ – so steht es in den Reiseführern. Jedoch ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, wie die Nabatäer die Hauptstadt ihres Reiches wirklich selbst genannt haben. Nach Aufzeichnungen des Flavius Josephus lautete ihr Name „Reqem“ oder „Rekem“, deutsch „die Rote“ oder „die Bunte“, vielleicht eine Anspielung auf die Farbe des Sandsteins. In aramäischen Quellen bezeichnet der Name aber den Ort Kadesch und es gibt Vermutungen, dass Flavius Josephus hier zwei Orte verwechselt haben könnte.

Eine steinerne Inschrift mit dem Namen „Rekem“, die sich gegenüber der Schlucht befunden haben soll, wurde beim Bau einer modernen Brücke mit Tonnen von Zement bedeckt und kann daher nicht mehr untersucht werden.

Das Alte Testament erwähnt einen Ort namens „Sela“ (deutsch: „Felsen“ oder „Stein“), der mit der Nabatäermetropole identisch sein könnte. Dies ist jedoch umstritten. Auch bei anderen oft zitierten Quellen, in denen das griechische Wort „Petra“ vorkommt, ist der Bezug nicht immer klar.

Entstand hier Moses' Wunder-Quelle?

In Petra begegnet der Reisende gut gelaunten Pilgern, Nonnen und Bibel-Touristen aus ganz verschiedenen Ländern. Gerne erzählen sie von den Legenden, die sich um die ganze Gegend ranken: Das „Moses-Tal“, so die Übersetzung von Wadi Musa, ist so benannt, weil Moses und die Israeliten bei ihrem Auszug aus Ägypten hierher gekommen sein sollen. Die „Moses-Quelle“ vor den Toren von Petra gilt als die Stelle, an der Moses auf einen Felsen schlug, aus dem dann Wasser sprudelte (4. Mose 20:10).

Moses' Bruder und Prophet Aaron soll in Petra begraben worden sein, und zwar an jenem Berg, der heute als „Jabal Harun“ („Berg Aaron“) bekannt ist. Auf dem Gipfel wurde ihm zu Ehren eine byzantinische Kirche und später ein islamischer Schrein gebaut, der heute Pilger aus aller Welt anlockt.

Außerdem ist Petra nach der Überlieferung eine wichtige Raststätte der heiligen drei Könige, die zu Jesus' Geburt mit Weihrauch, Gold und Myrrhe nach Bethlehem reisten. Der in der Bibel genannte König Aretas (2. Korinther 11:32) gilt als der einstige Herrscher von Petra.

Einst war Petra eine reiche, blühende Handesstadt

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Warum ging Petra unter?

Die Römer eroberten die reiche Handelsstadt im Jahr 106 endgültig und beherrschten sie bis rund 330 nach Christus, nach ihnen die Byzantiner. Bis heute zeugen die Reste römischer Tempel und byzantinischer Kirchen von den wechselnden Herrschern.

Warum aber ging die einst so blühende Handelsstadt schließlich unter? Experten haben zwei Erklärungen hierfür. Erstens verlor Petra möglicherweise zu sehr an Bedeutung, als sich die antiken Handelsstraßen im Laufe der Zeit verschoben, während sich Basra und Palmyra zu neuen Handelszentren entwickelten. Zweitens wurde Petra im siebten Jahrhundert von einem besonders schweren Erdbeben heimgesucht. Vielleicht zwang die damit einhergehende Zerstörung die Bewohner endgültig, Petra zu verlassen.

Leben heute noch Menschen in den Höhlen?

Zu Petras Blütezeiten residierten die Bewohner in Steinhäusern mit mehreren Stockwerken und sogar einer Art Bad – heute sind von den Wohnhäusern nur noch einzelne Ruinen übrig, während die in den Stein gemeißelten Gräber der Nabatäer bestens erhalten sind.

Doch lebten in den Höhlen von Petra lange Zeit noch Beduinen: Bis in die 1980er Jahre waren sie Winterquartier der so genannten „Bedoul“, die im Sommer in Zelten lebten. Als Petra als archäologischer Schatz entdeckt und 1985 zum Unesco-Welterbe erklärt wurde, wurden die Beduinen in ein für sie gebautes Dorf umgesiedelt, um die wertvollen Ruinen zu schützen. Ob die Umquartierung zwangsweise oder auf Wunsch der Beduinen selbst erfolgte, wird bis heute diskutiert, schreibt unter anderem das Nachrichtenportal Al-Monitor. Außerdem heißt es, dass einzelne Familien wieder in die Höhlen zurückgezogen seien, da das für sie erbaute Dorf mittlerweile überfüllt sei.

Petra hat eine kleine Schwester

Rund acht Kilometer von Wadi Musa entfernt liegt El-Barida, auch bekannt als „Little Petra“ oder „Klein-Petra“, die „kleine Schwester“ der weltberühmten Felsenstadt. Als Karawanenrastplatz war sie einst eine Art Vorort von Petra.

Blick auf Little Petra

Foto: Getty Images

Klein-Petra, ebenfalls mit einer Art „Siq“ und zahlreichen Felsenreliefs, ähnelt ihrer berühmten „großen Schwester“ und ist unbedingt sehenswert. Was nur wenige wissen: Klein-Petra hat eine rare Besonderheit – ein erhaltenes Deckenfresko aus dem 1. Jahrhundert mit Blumen, Vögeln und Weinreben.

Geheimnisse, im Wüstensand verborgen

Petra birgt noch viele weitere Geheimnisse „Das so genannte Kolumbarium zum Beispiel, ein Kastenbau, gibt Historikern bis heute Rätsel auf, ebenso die Schlangen-Bildnisse auf dem Weg zum Aaron-Berg“ , sagt Osama Otoum, deutschsprachiger Fremdenführer in Jordanien, zu TRAVELBOOK.

Bis heute ist nur ein kleiner Teil der legendären Felsenstadt sichtbar: Lediglich 20 Prozent des antiken Petra sind bereits ausgegraben, schätzen Experten. Weitere Stätten müssen erst noch freigelegt werden. Zwar gehen Archäologen davon aus, dass die großen Felsfassaden inzwischen alle gefunden wurden – aber wer weiß schon, was der Wüstensand noch verbirgt?

Extra-Tipp: Petra by Night

Wer das spektakuläre UNESCO-Weltkulturerbe auch nachts erleben will, hat an drei Abenden die Woche Gelegenheiten für besondere Augenblicke: Jeweils am Montag-, Mittwoch- und Donnerstagabend ist Petra in Kerzenschein getaucht. Bei dem regelmäßigen Event „Petra by Night“ beleuchten Hunderte von Kerzen den Weg durch die Schlucht und das Schatzhaus.

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