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Die große Diskussion um den kleinen Piks

Soll ich mein Kind vor reisen noch impfen lassen?

Impfungen lösen angeblich Autismus aus, enthalten Giftstoffe, sind sogar lebensbedrohlich. Verschwörungstheorien gegen Kinder-Impfungen sind weit verbreitet. Gerade jetzt vor der Winterreisezeit diskutieren Familien, ob der kleine Piks wirklich eine große Gefahr sein kann. Ärzte klären jetzt auf!

Deutschland ist das Land der Impf-Skeptiker! 10,5 Prozent aller Deutschen zweifeln laut einer Studie (EBioMedicine) noch immer an der Sicherheit von Impfungen. Ein gefährlicher Irrglaube – vor allem, wenn es um den Schutz von Kindern geht.

100.000 Kinder sterben jährlich an Masern

„Weltweit sterben jährlich noch immer ca. 100.000 Kinder an den Folgen von Masern. Leider sind viele sogenannte Kinderkrankheiten nicht so harmlos, wie es der Name vermuten lässt“, sagt Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen.

Und Dr. Susanne Bleich, Ärztin bei der DAK-Gesundheit, ergänzt: „Impfungen sind die wirksamsten medizinischen Maßnahmen, um Babys und Kindern Krankheiten zu ersparen. Dabei ist es wichtig, sich an den vorgegebenen Impfplan zu halten.“

Gerade jetzt vor der Winterreisezeit diskutieren viele Eltern: Lass' ich mein Kind jetzt noch impfen oder nicht?

Gegen 13 Krankheiten sollten Eltern ihre Babys in den ersten Lebensjahren impfen lassen

Foto: DAK

Ärzte raten: Lassen Sie Ihr Kind vor Reisen impfen

„In vielen Ländern ist das Risiko von Infektionskrankheiten grundsätzlich höher. Beim Reisen selbst hat man zudem viel mehr Kontakt mit unterschiedlichen Leuten, an Flughäfen oder Bahnhöfen. Deswegen ist es so wichtig, dass man sich mit Impfungen schützt“, sagt Dr. Johannes Schäfer, Leiter des Fachbereichs Tropenmedizin an der Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus in Tübingen.

Standardimpfungen spielen dabei eine wichtige Rolle, erklärt Prof. Dr. med. Gerd Burchard vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg: „Die Kinderimpfungen sind für Deutschland wichtig, für Reisen insbesondere in Entwicklungsländer aber noch viel wichtiger. Dort kommen Kinderkrankheiten häufiger vor. Diphtherie zum Beispiel gibt es bei uns kaum noch, in tropischen Ländern ist damit aber noch in Einzelfällen zu rechnen.“ Auch gegen Hepatitis A und Tollwut sollten Eltern laut Experten ihre Kinder impfen lassen.

Gegen was Sie Ihr Kind wann impfen lassen sollten:

Hier gibt es den Impfkalender zum Download!

Mindestens sechs Wochen vor Reisebeginn impfen

Wichtig ist es, sich rechtzeitig vor Reisebeginn bei einem erfahrenen Tropen- oder Reisemediziner zu informieren. „Wenn wir sechs Wochen vorher mit den Reiseschutzimpfungen beginnen, kommen wir gut hin“, sagt Dr. Schäfer.

Auch ein Gespräch mit der Krankenkasse lohnt sich. Es gibt zwar keinen Anspruch auf Schutzimpfungen für private Auslandsreisen, viele Kassen übernehmen aber einen Anteil an Kosten!

Kleine Babys brauchen im Ausland großen Schutz

Foto: DAK

Sie wollen noch mehr über Impfungen wissen? Top-Ärzte erklären die sieben größten Mythen rund um die Kinder-Impfung!

Mythos 1: Impfungen belasten das Immunsystem der Kinder

Dr. med. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Münster: „Es ist richtig, dass das Immunsystem auf eine Impfung reagiert. Nur so kann es einen wirksamen Schutz gegen Infektionserreger aufbauen. Wenn man bedenkt, dass sich das Immunsystem von Kindern tagtäglich mit unzähligen Erregern aus der Umgebung auseinandersetzen muss, so ist eine zusätzliche Belastung durch eine Impfung zu vernachlässigen.“

Ärzte raten, Kinder sechs Wochen vor Reisebeginn impfen zu lassen

Foto: Fotolia

Mythos 2: Ein Kind bekommt bei der Geburt genug Abwehrstoffe von seiner Mutter übertragen, BRAUcht Also keine Impfungen

Dr. Schaumburg: „Es ist richtig, dass ein Neugeborenes einen sogenannten Nestschutz durch die Mutter bekommt. Er beruht auf Antikörpern, die das Kind vor der Geburt oder beim Stillen aufnimmt. Dieser Schutz ist jedoch nicht ausreichend, da im Verlauf des ersten Lebensjahres die Antikörper der Mutter im Säugling soweit abfallen, dass eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.“

Mythos 3: Impfungen lösen bei Kindern Autismus aus

Dr. Schaumburg: „Es ist mittlerweile widerlegt, dass eine Impfung gegen „Masern-Mumps-Röteln“ Autismus auslösen kann. Diese falsche Behauptung stammt aus dem Jahr 1998, als eine Verbindung zwischen einer Impfung und geistigen Entwicklungsstörungen gezogen wurde. Die fragliche Studie wurde im Übrigen 2010 aufgrund von methodischen Fehlern und unethischen Untersuchungen an Kindern zurückgezogen. In der Zwischenzeit konnten zahlreiche Studien belegen, dass Impfungen keinen Autismus auslösen.“

Mythos 4: Eine natürliche Infektion ist gesünder als jede Impfung

Dr. Plentz: „Gegen harmlose Erkrankungen wird nicht geimpft. Impfungen gibt es nur gegen Infektionskrankheiten, die schwere Komplikationen bis hin zum Tod nach sich ziehen können und die nicht oder nicht sicher therapiert werden können.“

Die Hib-Impfung – zur Vorbeugung von Hals-Nasen-Ohren-Entzündungen – wird für alle Kleinkinder empfohlen

Foto: Fotolia

Mythos 5: Impfungen enthalten giftiges Quecksilber

Dr. Schaumburg: „Für die Verbesserung der Haltbarkeit wurde früher in der Tat Thiomersal, eine organische Quecksilberverbindung verwendet. Dies ist jedoch heute nicht mehr der Fall. Einzeldosen der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind thiomersal-frei.“

Mythos 6: Impfungen selbst machen krank, lösen die Krankheit aus, gegen die geimpft wird

Dr. Schaumburg: „Es ist unbestritten, dass Impfungen auch Nebenwirkungen haben können. Über diese Nebenwirkungen wird vor einer Impfung aufgeklärt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schmerzen an der Impfstelle, Fieber, Kopfschmerzen oder ein kleiner Bluterguss. Nach einer Masernimpfung kann es zu sogenannten 'Impfmasern' in 5 bis 15 Prozent der Fälle kommen – ein leichter Hautausschlag, der nicht ansteckend ist und von alleine wieder verschwindet.“

Mythos 7: Die Wirksamkeit von Impfungen ist generell nicht bewiesen

Dr. Plentz: „Ohne Wirksamkeitsnachweis erhält kein Impfstoff eine Zulassung durch die zuständigen Behörden. Der Rückgang vieler impfpräventabler Erkrankungen in geimpften Populationen ist ein weiterer Beweis für die Wirksamkeit.“

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