Er hat das Zehnfache des täglichen Energiebedarfs

Das ist der kalorienreichste Burger der Welt

Etwa 1840 Kilokalorien, so viel sollte ein Mensch mit einem „bewegungsarmen Lebensstil“ laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) im Schnitt täglich an Energie zu sich nehmen. Auf etwa das Zehnfache an Kalorien kommt ein Burger, der in einem Lokal in Las Vegas serviert wird – mehr als jeder andere Burger weltweit. Je fetter, desto besser, so lautet das Motto des Ladens, der mit fragwürdigen Gerichten – und Methoden – um Kunden wirbt.

Bevor die Fleischscheibe auf den Grill kommt, wird sie noch mal ordentlich in Butter getränkt. Genauso wie der Käse, die Zwiebeln und die Tomaten, die ihr später auf dem Burger Gesellschaft leisten. Man nehme das Ganze nun mal Acht, schmiere noch haufenweise Zwiebel-Käse-Sauce darüber und stapele alles zwischen zwei dicke Brötchenhälften – fertig ist der kalorienreichste Burger der Welt.

Auf sage und schreibe rund 20.000 Kalorien bringt es der sogenannte „Octuple Bypass Burger“, den man im „Heart Attack Grill“ (z. Dt. „Herzinfarkt-Grill“) in Las Vegas bestellen kann. Für den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde als kalorienreichster Burger der Welt reichte indes schon die Variante mit nur vier Fleischscheiben aus: Der „Quadruble Bypass Burger“ bringt es immerhin auch schon auf beachtliche 9982 Kalorien und wiegt 1,4 Kilogramm.Wer es noch heftiger mag, bestellt den Burger mit extra Bacon – beim „Octuple Bypass Burger“ kommen dann 40 (!) Scheiben Speck zwischen die einzelnen Schichten.

Anfangs gab es die „Bypass Burger“ in vier verschiedenen Größen. Inzwischen bekommt man ihn mit bis zu acht Fleischscheiben.

Foto: Getty Images

Nicht nur die Burger im Heart Attack Grill sind kalorienreich. Auf dem Menü stehen unter anderem in purem Schmalz frittierte Pommes und Zwiebelringe, Riesen-Hotdogs, Sahne-Milchshakes, Cola, Schokolade, diverse alkoholische Getränke und filterlose Zigaretten – also alles, was ungesund ist. Wer das für seine ungesunde Kost bekannte Restaurant besucht, bekommt gleich am Eingang einen Krankenhauskittel verpasst. Denn wer hier reinkommt, ist kein Gast, sondern Patient – und die Kellnerinnen sexy Krankenschwestern in entsprechendem Outfit.

Fettleibige essen umsonst

Wer besonders dick ist, bekommt sogar eine Belohnung für sein Übergewicht: Auf einer speziellen Waage können die „Patienten“ sich vor ihrer Bestellung wiegen lassen. Zeigt diese mehr als 350 Pfund (159 Kilo) an, gibt es das Essen im Heart Attack Grill umsonst. Die Getränke werden wahlweise aus einer überdimensionalen Spritze direkt in den Mund verabreicht, aus einem Pillendöschen serviert oder in Form einer Blutkonserve gespendet, die an einem fahrbaren Gestell hängt. Wer sein bestelltes Essen nicht aufisst, bekommt als Strafe von einer der Krankenschwestern den Hintern versohlt. Wem es gelingt, wird als Belohnung im Rollstuhl zu seinem Auto gefahren.

Stammgäste erkrankten oder starben

Der Run auf das ungesunde Restaurant ist immens. Auf den sozialen Netzwerken posieren Besucher stolz vor ihren achtstöckigen Burgern oder schieben sich genüsslich anderes triefendes Essen in den Mund. Aber auch kritische Stimmen und Proteste gegen das Konzept des 2011 eröffneten Heart Attack Grill gab es in der Vergangenheit schon. Vor allem, als im Januar 2011 einer der Botschafter des Burger-Lokals, der erst 29-jährige Blair River, plötzlich starb, war der Aufruhr groß. Der ehemalige Wrestling-Champion von Arizona war Stammkunde im Heart Attack Grill, wog zuletzt 260 Kilogramm. Angeblich starb er an einer Lungenentzündung.

2012 hatten zwei andere Gäste gesundheitliche Probleme, nachdem sie in dem Restaurant gegessen hatten. Und 2013 kam es zu einem weiteren Todesfall eines Stammkunden: John Alleman, ebenfalls Botschafter des Burger-Restaurants, brach an der Bushaltestelle vor seinem Stammlokal zusammen. Der 52-Jährige kam noch in ein Krankenhaus, doch die Ärzte konnten ihn nicht retten. Die Diagnose: Herzattacke. Bei keinem der Fälle konnte man klären, ob ein Zusammenhang zum Essen im Heart Attack Grill bestand. Restaurant-Betreiber Jon Basso sagte allerdings nach der Herzattacke von Stammkunde John Alleman der Las Vegas Sun: „Ich habe ihm gesagt: Wenn du weiter so viel isst, wird es dich umbringen.“ Alleman sei der einzige Mensch in seinem Bekanntenkreis gewesen, der wahrscheinlich öfter im Restaurant gewesen sei als er selbst.

Restaurantbesitzer Jon Basso alias Dr. Jon (r.) mit einem „Patienten“ und einer „Krankenschwester“

Foto: Getty Images

Basso, der sich auch kurz „Dr. Jon“ nennt und selbst fast täglich im weißen Kittel und Stethoskop in seinem Restaurant steht, sagte damals laut der firmeneigenen Website auch, dass solche Tragödien sich zwangsläufig immer wieder ereignen würden – wegen einer Kundschaft, die er die „Avantgarde der Ernährungsrisikoträger“ nennt. Tatsächlich warnt das Restaurant vor der gesundheitsschädlichen Wirkung der angebotenen Speisen und hat diese deshalb nach eigenen Angaben bewusst nach Herzkrankheiten benannt – aber reicht das aus? Die vielen Instagram-Posts stark übergewichtiger Gäste, die sich stolz mit dem Riesen-Burger oder auf der Waage zeigen, sehen eher nach der gegenteiligen Wirkung aus. 

Übrigens ist es im Heart Attack Grill verboten, sich einen der größeren Burger mit mehreren Leuten zu teilen. Weil fast niemand die immensen Mengen an Fleisch, Brot, Käse und Sauce schafft, landet der Rest wohl zwangsläufig im Müll. Was wiederum die Frage aufwirft, ob man wirklich einen 20.000-Kalorien-Burger braucht, von dem die Hälfte entsorgt wird, während in anderen Teilen der Welt Millionen Menschen schon mit den von der FAO empfohlenen knapp 2000 Kalorien am Tag überglücklich wären.

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