Anzeige

Bloggerin Inna in Washington, D.C., Maryland & Virginia

Mein wilder Road-Trip ins Herz von Amerika

Cool Capital: Washington, D.C. ist die Wiege Amerikas und ein Top-Reiseziel. Reise-Bloggerin Inna Hemme (30) hat Hauptstadt und Umland erobert. Ihr Fazit? Weltklasse Museen, die nicht einen Penny kosten, leckeres Sea-Food und eine traumhafte Umgebung mit Stränden und viel Wander-Action.

Manchmal müssen fünf Tage für grenzenlose Freiheit reichen – so stelle ich mir meinen Roadtrip durch die USA vor. Die Hauptstadt und zwei Bundesstaaaten will ich in weniger als einer Woche sehen – das Programm ist sportlich, aber ich bin gut organisiert.

Am Washington Dulles International Airport mache ich mich schnurstracks auf den Weg zum Schalter der Autovermietung, bloß keine Zeit verlieren. Mein Plan: Zuerst nach Washington D.C. , Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Nach zwei Tagen weiter nach Maryland und Virginia. Als ich dem Mann am Schalter von diesem ambitionierten Vorhaben erzähle, drückt er mir den Schlüssel in die Hand und feuert mich an: „Fahr los!“

Die Prachtallee der berühmten Museen

Die National Mall in Washington ist ein absoluter Besuchermagnet bei in- und ausländischen Touristen.

Foto: Washington.org

Vom Flughafen ins Stadtzentrum brauche ich nur knapp 40 Minuten, die Sonne scheint, es liegt noch hier und da etwas Schnee auf der Straße. Als ich in der Ferne den weltberühmten weißen Marmorturm des Washington Monuments sehe, werde ich hibbelig: Bald geht es richtig los! Und die erste Sehenswürdigkeit ist schon aus dem Auto abgehakt.

Für den ersten Teil meines Turbo-Besichtigungsprogramms – die National Mall – muss ich den Wagen aber stehen lassen, hier ist man schneller zu Fuß. Bei dieser Mall geht es nicht um Shopping mit glühender Kreditkarte. Die Washington Mall ist der 4,8 Kilometer lange und 500 Meter breite Boulevard zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial. An dieser Prachtallee reiht sich links und rechts ein Museum an das andere, ich bräuchte Wochen, um sie alle zu sehen. Allein elf der insgesamt 17 Smithonian-Museen befinden sich hier. Sie wurden zur „Vermehrung und Verbreitung von Wissen“ vom 1829 verstorbenen englischen Wissenschaftler James Smithson gegründet. Kurz: Ihm haben wir es zu verdanken, dass in D.C. heute fast alle Museen gratis sind. Bei den sonst so hohen US-Eintrittspreisen ist das eine besonders nette Überraschung.

Wer ist hier der Boss im Kapitol? Ich pose vor dem Sitz des US-Kongresses.

Foto: Brand USA

Geschichte lebt: Raumschiffe und Bürgerrechte

Die Auswahl fällt schwer, aber die Zeit läuft. Nummer eins auf der Liste: Das National Air and Space Museum zählt du den zehn meistbesuchten Museen der ganzen Welt. Als ich unter historischen Raumsonden (die weltweit größte Sammlung) stehe, weiß ich auch warum. Einfach wow! Highlight? Das Kommandomodul des Apollo-Raumschiffes, das die USA 1966 zum Mond schickten. Angesichts der Geschichte der Raumfahrt und der Unendlichkeit des Alls, komme ich mir plötzlich ganz klein vor und atme erstmal richtig durch. Was interessiert den Weltraum mein Zeitplan?

Das National Air and Space Museum ist nur eines von zahlreichen spannenden Museen in Washington DC.

Foto: Brand USA

Also finde ich mich damit ab, dass heute nur noch Zeit für ein weiteres Museum ist: Das National Museum of African American History and Culture wurde erst 2016 eröffnet. Es zeigt die Geschichte des afroamerikanischen Amerikas von der Sklaverei im 16. Jahrhundert über die Rassentrennung nach dem Civil War und die Bürgerbewegung der 60er Jahre bis zur Wahl des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama. Und zwar so anschaulich, dass man ständig Gänsehaut bekommt.

Absolut sehenswert: das National Museum of African American History and Culture.

Foto: Washington.org

Politische Denkmäler mit Fun Facts

Etwas streng und verstaubt habe ich mir den US-Regierungssitz vorgestellt. Washington zeigt mir aber von Anfang an, wieviel Spaß in so einer glattpolierten Stadt stecken kann. Selbst jede politische Sehenswürdigkeit ist voller Fun Facts. Das Lincoln Memorial ist wie ein Tempel umschlossen von 36 Säulen.

Ein bedeutender Ort amerikanischer Geschichte: das Lincoln Memorial.

Foto: Brand USA

Denn zu Abraham Lincolns Amtszeit (1861 – 1865) bestanden die USA nur aus 36 Staaten. Die 5,80 Meter hohe Statue von Lincoln aus weißem Marmor wurde aus 28 Teilen zusammengesetzt. Hier sprach Martin Luther King einen der berühmtesten Sätze der Geschichte: „I have a dream.“ Zur Rede des Bürgerrechtlers waren 1963 rund 250.000 Menschen hierher gekommen. Was wohl der große Martin Luther King dazu gesagt hätte, dass 45 Jahre später ein Afroamerikaner als Präsident ins Weiße Haus einzieht?

Hello, Mr. President! Imposante Kulisse – das White House!

Foto: Brand USA

Nach Barack Obamas Amtsantritt wurde dort der Basketballplatz ausgebaut, Swimmingpool, Tennisplatz, Kinosaal und Bowlingbahn waren schon von vorherigen Präsidenten drin. Ein weiteres Washingtoner Wahrzeichen ist die Kuppel des Kapitols (Sitz des Kongresses), weltweit ein Symbol für die amerikanische Demokratie. Was kaum einer weiß: Das Kapitol ist der Ursprung von dem aus D.C. in seine Quadranten aufgeteilt ist. Washington, D.C. war die erste am Reißbrett geplante Hauptstadt der Welt. Dieser Umstand freut vor allem weniger talentierte Autofahrer wie mich. Alles ist schön breit und geradlinig, keine verwinkelten Gassen. Nur an einem Ort in Washington ist es anders: Georgetown.

Bäckereien und Blues in Georgetown

Das Geld, das ich an der National Mall gespart habe, ist im Trendviertel Georgetown schnell wieder ausgegeben. Mit bunten Häusern und den besten Nachtclubs der Stadt ist Georgetown 40 Jahre älter als Washington, D.C. selbst. Deshalb sieht es wie eine richtige Altstadt aus.

Im quirligen Georgetown laden hippe Restaurants und coole Boutiquen zum Geldausgeben ein.

Foto: Brand USA

Drei Tipps hat mir der Mann an der Autovermietung noch aufgeschrieben (so viel Zeit musste sein): Die M Street und die Wisconsin Avenue sind perfekt zum Shoppen, K Street zum Essen und Trinken.

Nach dem Museumsmarathon brauche ich erstmal schnelle Energie: Ich nasche mich in den beiden berühmten Bäckereien „Georgetown Cupcake“ und „Baked & Wired“ zum Zuckerschock. Obwohl ich eigentlich kein Jazz-Fan bin, zieht mich die Atmosphäre dann ins „Blues Alley“ in der Wisconsin Avenue. Ich würde wetten, dass ich an jedem beliebigen Abend in diesen Club kommen könnte und eine ebenso fantastische Live-Band zu hören bekäme wie heute. Ganz beschwingt lande ich irgendwann in der Martin's Tavern um die Ecke. Hier soll John F. Kennedy (damals noch Senator für Massachusetts) seiner Jackie im Juni 1953 den Heiratsantrag gemacht haben.

Dem Charme von Georgetowns Shoppingstraße kann sich kaum jemand entziehen. Auch ich kaufe hier ordentlich ein.

Foto: Washington.org

Wo Bonnie & Clydes Liebesbriefe liegen

Am nächsten Morgen ist noch Zeit für genau ein Museum. Wie unsichtbare Tinte und moderne Wanzen funktionieren, erklärt mir ein ehemaliger Agent im „International Spy Museum“. Für mich absolutes Highlight der über 600 Exponate: die Stücke aus der Bonnie & Clyde Ausstellung. In den Regalen liegen Bonnies Liebesbriefe an Clyde, Waffen und persönliche Gegenstände des berühmtesten Gangster-Pärchens Amerikas. Sogar der Ford, in dem ihr Leben ein Ende nahm, ist da. 167 Schüsse wurden 1934 in Louisiana darauf abgefeuert, übrig blieb zerlöchertes Blech.

Bonny und Clyde hautnah – das National Spy Museum zeigt u.a. die Geschichte des legendären Gangster-Pärchens.

Foto: Brand USA

Auf zu Beach und Blue Crab in Maryland

Zum Glück ist mein Auto in besserer Verfassung und ich starte mittags zum Roadtrip. In nicht mal einer Stunde komme ich von D.C. zum traumhaften Strand von Chesapeake Beach im Bundesstaat Maryland. Der Sandstrand liegt an der Chesapeake Bay, die die größte Flussmündung der USA ist.

Das große Krabbeln: Die Chesapeake Area ist für ihre Blaukrabben berühmt.

Foto: Brand USA

Die Bucht erstreckt sich über eine Fläche von 12.000 Quadratkilometern, mehr als 150 Flüsse und Bäche münden in das Gewässer. Während große Männer mit großen Fischen von ihren Angeltouren an den Strand zurückkehren, probiere ich in einem Restaurant am Ufer die berühmten Maryland Blue Crabs. Butterweiches Krabbenfleisch! Ich wünsche mir, ich hätte mehr Zeit: Nach dem Trubel von D.C. könnte ich mir keinen friedlicheren Rückzugsort vorstellen. Endloses tiefblaues Wasser, bärtige, wettergegerbte Fischer, gutes Essen, Stille. Aber: Ich muss weiter.

Fischerboote und tiefblaues Wasser – ich kann mir kaum einen idyllischeren Ort vorstellen.

Foto: Bob Petersen

Die Magie der blauen Berge

Auf meinem Tagesplan steht die Fahrt zum Shenandoah Nationalpark, eines der Naturwunder von Amerika. Nach dreieinhalb Stunden bin ich endlich dort. Wobei „dort“ in diesem Fall ein weiter Begriff ist. Der Nationalpark umfasst etwa 800 Quadratkilometer der Blue Ridge Mountains in den südlichen Appalachen. Ich schlängele mich durch einen schmalen Korridor von dichtbewachsenen Kämmen und Wäldern, rechts und links plätschern Flüsse und Wasserfälle. Die Blue Ridge Mountains, da machen sie ihrem Namen alle Ehre, schimmern in der Abendsonne unwirklich in allen Blau-Tönen, fast wie Scherenschnitte am Horizont. Ich kann gar nicht mehr aufhören zu fotografieren und zu staunen.

Schöne Aussichten: Der Shenandoah Nationalpark in Virginia.

Foto: Brand USA

Über den Wolken auf dem Skyline Drive

Allerdings muss ich mich erstmal auf die Strecke konzentrieren. Die große Frage war: Welche Straße soll ich nehmen? Der Skyline Drive und der Blue Ridge Parkway sind die zwei berühmtesten. Und natürlich auch die schönsten. Aus Zeitgründen habe ich mich schließlich für den Skyline Drive entschieden – mit seinen 169 Kilometern ist er an einem Tag super zu schaffen. Zum Glück kommt mir hier kaum jemand in die Quere: Die Straße ist für den Güterverkehr gesperrt.

Hier schlägt mein Roadtrip-Herz höher: der Skyline Drive in Virginia.

Foto: Virginia Tourism Corporation

Wohl auch besser so, wenn staunende Touristen extra langsam fahren, um jede einmalige Aussicht zu genießen, ganze 75 „Viewpoints“ sind auf der Strecke markiert.  Mit meinem Kopf in den Wolken plane ich schon meinen nächsten Besuch. Dann werde ich die andere Straße nehmen, den 755 Kilometer langen Blue Ridge Parkway. Im Herbst will ich wiederkommen und durch die bunte Laublandschaft des „Indian Summer“ fahren – und dabei ganz die Zeit vergessen.

Anzeige