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Kos-Airport - Chaos mit Schweizer Gründlichkeit |
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Die griechische Ferieninsel Kos ist ein beliebtes Ferienziel im östlichen Mittelmeer. Verlässliches Wetter, ausgedehnte Sandstrände und eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur garantieren einen erholsamen Urlaub - wäre da nicht die An- und Abreise mit dem Flugzeug. Der Flughafen von Kos ist schon etwas in die Jahre gekommen und für das Flugaufkommen - vor allem am Großkampftag Mittwoch - definitiv zu klein ausgelegt. Über die Jahre ließen die Urlauber das griechische Chaos am Airport geduldig über sich ergehen. Nach einer Woche Rund-Um-Pflege im Club gehörte der etwas hektische und improvisierte Einsatz der einheimischen Servicekräfte am Flughafen irgendwie dazu. Es klappte oder wurde klappend gemacht.
Damit sollte dieses Jahr Schluss sein. Das Schweizer Unternehmen "Swissport", die weltgrösste Servicegesellschaft für Fluggesellschaften und Flughäfen übernahm die Abwicklung des Flughafens Kos. Mit Schweizer Ordnungssinn und Gründlichkeit sollte dem griechischen Chaos den Garaus gemacht werden. Neue Mitarbeiter wurden rekrutiert und geschult. Neue Ablaufpläne wurden erstellt und ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept auf internationalem Niveau etabliert. Schließlich kann niemand ausschließen, dass sich auch Terroristen den verdienten Club-Urlaub gönnen...
Nun - der Erfolg der alpenländischen Bemühungen blieb bislang aus. Das Chaos ist noch gründlicher geworden. Der Airport entwickelt sich gerade bei den Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern zum Horrorszenario. Enge Slot-Vergabe, ständige Verspätungen und vor allem völlig genervte und frustrierte Passagiere.
Nachfolgend ein paar Beispiele, die sich vielleicht unterhaltsam lesen, aber für die Betroffenen alles andere als amüsant waren:
Mittwoch. Die TUIfly-Boeing ist pünktlich um 10.55 Uhr Ortszeit gelandet, hat die vorgesehene Parkposition eingenommen und die Triebwerke heruntergefahren. An Bord kramen die Passagiere bereits ihr Handgepäck aus den Ablagen und sind zum Ausstieg bereit. Nach einer Weile räuspert sich der Kapitän etwas verlegen durch die Lautsprechen: Leider stünden momentan keine Gangways für die Maschine bereit. Man müsse sich noch etwas gedulden. Nach einer Viertelstunde wurde dann die erste Treppe herangefahren und nach wenigen Minuten folgte die zweite. Aber die Türen bleiben verschlossen und der schon etwas ungehaltenere Kapitän gab nun bekannt, dass man noch einen Moment auf die Flughafenbusse warten müsse. Zur Beruhigung gab es Happy-Tui-Fly-Musik und Bonbons. Die Busse kamen um 11.25 Uhr. Die Stimmung entspannte sich und nach wenigen Minuten Busfahrt wurden die Passagiere vor dem Flughafengebäude ausgeladen. Aber die Türen zur Ankunftshalle waren wegen Überfüllung der selbigen geschlossen. Nach ein paar Minuten unfreiwilligem Sonnenbadens wurden sie schließlich wieder geöffnet und ließen die Wartenden zu den drei noch ruhenden Gepäckbändern. Auf den Leuchttafeln darüber blinkten schon die Namen der entsprechenden Abflugorte: HANOVER, HAMBURG, MANCHESTER. Weitere Busse karrten Passagiere heran, die sich teilweise mit verschrammten Trolleys vor den entsprechenden Bändern versammelten. Ziemlich gleichzeitig setzten sich die schwarzen Gummilappen der quietschenden Gepäckbänder in Bewegung. Erste Koffer mit farbigen Bändchen wurden heruntergezogen und deren glückliche Besitzer machten sich auf und davon in die verdienten Ferien. Nach etlichen Minuten versiegte der Kofferfluss und auf den Bändern zog anscheinend herrenloses Gepäck Ehrenrunden. Draußen kündigten Motorenlärm und die rumpelnden Geräusche der beladenen Anhänger die nächste Kofferflut an. Und tatsächlich, neue Gepäckstücke ergossen sich über die Bänder. Doch die wollte anscheinend niemand haben. Ungläubig nestelten die Wartenden an den Kofferlabels. "Das ist nicht Hamburg!" Unruhe macht sich breit und plötzlich bricht das Chaos aus. Die Halle gerät in Bewegung, in ein heilloses Durcheinander. Menschen mit und ohne Koffer und losem Handgepäck rennen sich über den Haufen. Mütter schreien, Kinder plärren. Jemand stürzt über einen heranpreschenden Trolley.
Eine Szene wie aus dem Film "Die Ferien des Monsieur Hulot" von Jacques Tati - nur nicht auf einem Bahnsteig, sondern in einem Flughafen. Was war passiert? Die Mitarbeiter des Baggage-Claim-Service sind mit der Schweizer Gründlichkeit nicht recht klar gekommen und brachten vielleicht deshalb die ausgeklügelten Ablaufpläne durcheinander. Wer hat das Chaos erfunden?
ws |