Comedian Tommy Krappweis verrät:

So mystisch ist München

Dass München auch seine mystischen Ecken hat, also unheimliche Orte, um die sich Legenden, Sagen und Spukgeschichten ranken, weiß der geborene Münchner Tommy Krappweis. Denn der Bernd-Das-Brot-Erfinder hat sich für seine Fantasy-Trilogie MARA UND DER FEUERBRINGER über Jahre in Mythen und Sagen vertieft. Den ersten Teil hat er jetzt verfilmt und so wütet im Kino nun der Lindwurm aus der Nibelungensage in der Münchner Residenz. TRAVELBOOK verrät der Regisseur exklusiv die sagenhaftesten Orte Münchens.

Von Tommy Krappweis

Es gibt mehrere Münchens: Das Oktoberfest-ich-schieß-mich-weg-München, München als sogenannte „Hauptstadt der Bewegung“ in Nazideutschland inklusive Gegenbewegung durch die Geschwister Scholl, das architektonische München mit dem fantastischen Olympiastadion, vielen klassizistischen Baudenkmälern und wunderschönen Barockkirchen – und dann gibt es da noch das mystische, das sagenhafte München. Und um das geht’s jetzt.

1. Der Teufelstritt

Los geht’s mit der bekanntesten Sage, dem „Teufelstritt“: Wer in die Frauenkirche vom Hauptportal aus eintritt, wird nicht umhin kommen, einen Fußabdruck im Boden zu bemerken. Diesen soll einer Sage nach der Teufel hinterlassen haben, als er erkennen musste, dass er vom Baumeister des Doms reingelegt worden war: Entgegen der Abmachung hatte dieser sehr wohl Fenster ins Gotteshaus eingebaut – sie waren nur damals exakt an diesem Punkt für den Teufel nicht sichtbar.

So sieht er aus, der Fußabdruck des Teufels

Foto: getty

2. Der Wurm am Rathaus

Am westlichen Eck des Neuen Rathauses (das nur wegen des neogotischen Stils älter wirkt) findet man am Eingang zur Weinstraße das sogenannte „Wurmeck“. Da schlängelt sich doch glatt ein drachenartiger Lindwurm die Fassade hoch und in ein Relief hinein. Er brachte einer alten Sage nach anno 1630 die Pest nach München und kostete über 7000 Münchner das Leben. Erst der Schuss aus einer Kanone soll ihn exakt an dieser Stelle zur Strecke gebracht haben.

3. Die Unheilsverkünderin

Wer das Glück hat, zu einem der rauschenden Feste oder Konzerte in die Münchner Residenz eingeladen zu werden, der halte seine Augen offen nach einer unbekannten Frauengestalt in Schwarz. Seit dem 18. Jahrhundert geistert Kurfürstin Maria Anna, die sogenannte „schwarze Wittelsbacherin“, durch die Hallen und Gänge und verkündet durch ihr Erscheinen stets Unheil. Im 19. Jahrhundert starben zum Beispiel mehrere Wittelsbacher, kurz nachdem sie am Rande eines Fests erschienen war. Und als Prinz Adalbert von Bayern 1969 von ihr geträumt haben soll, verunglückte sein Sohn bei einem Flugzeugabsturz.

Residenz München: Hier soll sie durch die Gänge spuken, die „schwarze Wittelsbacherin“

Foto: getty

4. Der tobende Lindwurm

Ebenfalls in der Residenz findet sich der sogenannte „Brunnenhof“ mit dem Wittelsbacherbrunnen. Allegorische Darstellungen der bayerischen Flüsse Donau, Lech, Isar und Inn sitzen zu Füßen des Standbildes Ottos von Wittelsbach. Rund um diesen Brunnen soll einer modernen Sage nach im Jahr 2013 ein Lindwurm getobt haben, als eine junge Seherin namens Mara ihn unabsichtlich aus der Nibelungensage in die Gegenwart geholt und danach wieder verschwinden gelassen habe. Die Geschichte wurde mit dem Titel „Mara und der Feuerbringer“ verfilmt. Da die schriftlichen Aufzeichnungen der Sage aber den Lindwurm auf der Münchner Ludwigsbrücke verorten, ist damit zu rechnen, dass eine der beiden Darstellungen nicht der Wahrheit entspricht. (Zu des Rätsels Lösung siehe den Kasten rechts „Die Sache mit dem Brunnenhof“)

Der Lindwurm aus „Mara und der Feuerbringer“ im Brunnenhof, wo er ja eigentlich nichts zu suchen hat

Foto: PR

5. Der Eingemauerte

Wer in den Abendstunden unter dem Sendlinger Tor am gleichnamigen Platz steht, sollte wenigstens ein paar Minuten den Blick zum Südturm heben und versuchen, in die Stille zu lauschen. Hört er ein Wehklagen, so dürfte das der „eingemauerte Patrizier“ sein, den man als Strafe dafür, dass er mit Räubern gemeinsame Sache gemacht und diese des Nachts in die Stadt gelassen hatte, bei lebendigem Leib in den Turm einmauerte.

Historische Aufnahme vom Sendlinger Tor

Foto: getty

6. Die Seelen der Unschuldigen

Vor dem Kaufhaus Hirmer in der Fußgängerzone markieren dunkle Steine die Stelle, wo einst das Westtor Münchens – der „Schöne Turm“ – stand. Direkt daneben soll einmal ein Goldschmied gewohnt haben, den man für den Diebstahl eines Schmuckstücks zum Tode verurteilt hatte. Unter dem Schönen Turm soll er gerufen haben: „Eines Tages wirst Du die Wahrheit verkünden!“ Bald darauf entdeckte man an dem Turm ein Dohlennest und darin lag das gesuchte Schmuckstück, das der Vogel vermutlich durch ein Fenster von der Werkbank geklaut hatte. Noch heute sollen hier die Seelen derer umgehen, die unschuldig verurteilt wurden.

7. Das personifizierte Böse

Die Michaelskirche in der Kaufingerstraße ist nicht nur die sogenannte „Grablege“ des Hauses Wittelsbach und beherbergt in der Fürstengruft eine stattliche Menge verstorbener Adeliger wie zum Beispiel den berühmten „Märchenkönig“ Ludwig II. Ein düsteres Schauspiel bietet auch der Erzengel Michael direkt an der Fassage, der das personifizierte Böse mit seiner Lanze niedersticht. Wer der Richtung seiner Lanze in den Boden hinein folgt, stößt einer Sage nach auf einen Schatz. Spontane Grabungen in der Fußgängerzone sind allerdings zu jeder Tages- und Nachtzeit untersagt.

An der Michaelskirche: Der Erzengel erlegt das Böse

Foto: wikipedia/Janiwan/CC BY-SA 3.0

8. Die Stube des Folterers

Wer auf dem Marienplatz etwa beim Fischbrunnen vor dem Alten Rathaus steht und nach links entlang der Fassade blickt, wird ein unscheinbares, vergittertes Fenster erkennen. Dies war die Stube des Folterers, der unter dem Alten Rathaus sein grausiges Handwerk verrichtete. Allerdings sei auch erwähnt, dass selbiger nicht nur Geständnisse erquälte oder Henkersarbeiten verrichtete. Man suchte diese ansonsten wenig geachtete Person auch auf, wenn ein Bruch der Einrenkung bedurfte oder andere Verletzungen begutachtet werden sollten: Hier kam nicht nur dem  Folterer sondern auch den Bürgern dessen einzigartiges anatomisches Wissen zugute.

Der Film Mara und der Feuerbringer von Tommy Krappweis kommt am 2. April in die Kinos und wartet mit einer hochkarätigen Besetzung auf: Neben Lilian Prent in der Hauptrolle spielen etwa Jan Josef Liefers, Esther Schweins, Christoph Maria Herbst, Eva Habermann und Heino Ferch. Schauen Sie hier den Trailer:


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Über Tommy Krappweis

Tommy Krappweis

Tommy Krappweis wurde 1972 in München geboren. Mit 14 Jahren sang er in Bayerns jüngster Rock’n’Roll-Formation und sprach in diversen Kinderhörspielen. Zwei Jahre später hatte er seine erste Fernsehrolle in der Serie „Forsthaus Falkenau“. Es folgte eine Rolle in „SOKO 5113“, wo er zum ersten Mal auch Bodystunts vor der Kamera ausführte.


Nach der Realschule besuchte er die Münchner Fachoberschule für Gestaltung, stellte eigene Comics aus und machte Straßenmusik in der Münchner Fußgängerzone. Nach dem Abschluss arbeitete er in der Westernstadt No Name City in Poing bei München. Er begleitete den durch Deutschland tingelnden Western-Zirkus Red Grizzly Saloon, schrieb und choreographierte die Stuntshows und arbeitete im Hansa-Park als Buster-Keaton-Double und Stuntman.

1994 moderierte er sieben Monate lang das SuperRTL-Magazin „Disney TV“ und arbeitete dafür auch in Walt Disney World Florida, kehrte aber später als Slapstick-Comedian und Stuntman zum Red Grizzly Saloon zurück.

Im Herbst 1995 stieß Tommy Krappweis zum Ensemble der höchst erfolgreichen Comedy-Reihe „RTL Samstag Nacht“ und etablierte dort unter anderem mit Mirco Nontschew die neue Rubrik „Far out“. Dabei nahm er immer öfter auch den Platz hinter der Kamera ein, um die Beiträge zu schreiben, zu drehen und zu schneiden.

Gemeinsam mit Norman Cöster erfand Tommy Krappweis die KiKA-Kultfigur „Bernd das Brot“ und erhielt dafür 2004 den Grimme-Preis. Er war als Autor und Regisseur maßgeblich beteiligt an der „ProSieben Märchenstunde“ und mehreren „Funny Movies“.

Im September 2009 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Mara und der Feuerbringer“, den Auftakt einer Fantasy-Trilogie, die er 2010 und 2011 mit den Bänden „Das Todesmal“ und „Götterdämmerung“ abschloss. Aus vielen Lesungen, die Krappweis bundesweit hielt, entwickelte sich das eigenständige Comedy-Programm „Und Jesus sprach: Macht was mitHasen...“.

2012 verarbeitete er in dem biografischen Buch „Das Vorzelt zur Hölle“ die traumatischen Camping-Urlaube seiner Kindheit. Mit seinem Vater Werner und anderen Verwandten machte er aus den Erinnerungen und alten Super-8-Filmen der Familie auch die Fernsehserie „Das Vorzelt zur Hölle“. Im August 2013 folgte ein weiteres biografisches Buch: „Vier Fäuste für ein blaues Auge“, über die Zeit in der Westernstadt No Name City.

So entstand die Feuerbringer-Trilogie

Tommy Krappweis kam auf Umwegen zur nordisch-germanischen Mythologie. „Siegfried, der Drachentöter, und viele andere Sagen sind uns vertraut, obwohl kaum einer die Nibelungensage in voller Länge gelesen hat. Wir spüren unsere Wurzeln, wenn wir uns mit diesen Figuren und Geschichten befassen“, sagt Tommy Krappweis. „Viele Rituale, die bis heute in unserem Alltag verankert sind, und auch die Namen dreier Wochentage gehen auf die nordisch-germanische Mythologie zurück.“

Dass trotzdem die römischen und griechischen Götterwelten mehr Platz im Schulunterricht und in den Medien einnehmen als die nordisch-germanischen, wundert Krappweis nicht: „Seit die Nationalsozialisten die Germanen für ihre Propaganda missbraucht haben, distanzieren wir uns von diesen faszinierenden Stoffen. Das finde ich traurig, weil Sagen und Mythen doch die kollektive unterbewusste Erinnerung eines Kulturkreises sind.“

Die „Mara und der Feuerbringer“-Trilogie von Tommy Krappweis erschien zwischen 2009 und 2011. Neben der Titelfigur Mara Lorbeer entwickelte der Autor auch ihren Helfer Professor Reinhold Weissinger, einen Experten für nordisch-germanische Mythologie. Nach anfänglichem Zögern berät dieser Mara und begibt sich mit ihr auf eine abenteuerliche Reise durch Zeit und Raum.

Trotz des Fantasy-Genres wollte Krappweis, dass seine Bücher wissenschaftlich fundiert sind. Er nahm Kontakt zu Professor Rudolf Simek auf, Lehrstuhlinhaber für Ältere Germanistik mit Einschluss des Nordischen an der Universität Bonn. Dem gefiel, dass Krappweis die nordisch-germanische Mythologie ernst nahm und zugleich humorvoll damit um ging. „Viele Fantasy-Romane sind bierernst und deshalb schwer verdaulich“, sagt Professor Simek. „Das gilt auch für Der Herr der Ringe, der ja gern als Beispiel schlechthin für Fantasy genannt wird. Ich glaube, Tolkien ist seinerzeit beim Schreiben der Humor ausgegangen.“

Die Romantrilogie „Mara und der Feuerbringer“ fand Band für Band ihren Weg zu einer treuen Leserschaft. „Meine Bücher wurden nie groß beworben, sondern waren das, was man wohl einen Schläfer-Hit nennt“, sagt Tommy Krappweis.

Travel-Tipps von

Sehenswürdigkeiten in München

Die Sache mit dem Brunnenhof

Szene aus „Mara und der Feuerbringer“

Eine der Schlüsselszenen des Romans spielt auf der Ludwigsbrücke (im Bild: Lilian Prent und Jan Josef Liefers). Auch im Film sollte der Lindwurm ursprünglich auf dieser Hauptverkehrsader über der Isar wüten. Die Brücke hätte für den Autoverkehr sogar gesperrt werden können, aber nicht für die Tram, die Radfahrer und die Fußgänger. Krappweis: „Es hätte natürlich albern ausgesehen, wenn die Komparsen und Schauspieler panisch vor dem Lindwurm wegrennen, aber zwischen ihnen gemütlich ein paar Radfahrer unterwegs sind. Die hätten wir auch in der digitalen Nachbearbeitung nur mit einem völlig wahnwitzigen Aufwand retuschieren können.“

Also schrieb Krappweis die Szene um und ließ sie auf einem  Mittelaltermarkt im Brunnenhof der Münchner Residenz spielen. „Dadurch konnte ich sogar einen originellen Twist einbauen, der so passend für Maras Geschichte ist, dass ich mich fast schon ärgere, die Idee nicht gehabt zu haben, als ich den Roman schrieb“, sagt der Autor.

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