Hilldegarden in Hamburg

Auf einem Bunkerdach! Deutschlands coolster Stadtgarten

In Hamburg gibt es ungewöhnliche Pläne für die Umnutzung eines alten Bunkers mitten in der Innenstadt: Der ehemalige Flakturm, wie der Betonklotz aus dem Zweiten Weltkrieg auch heißt, soll auf seinem Dach einen mehrstöckigen Stadtgarten bekommen, von dem alle was haben. Und das ist nicht alles.

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

Massig, grau und überhaupt ziemlich unansehnlich: Der alte Bunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld nahe der Reeperbahn ist bislang wahrlich kein schöner Anblick. Die Hamburger haben sich längst an ihn gewöhnt, aber was bleibt ihnen auch anderes übrig? Verschwinden wird der ehemalige Flakturm wohl nicht so schnell, schließlich steht das geschichtsträchtige Gebäude, in dem sich zu Kriegszeiten bis zu 30.000 Menschen gleichzeitig drängten, unter Denkmalschutz. Ihn einfach wegzusprengen wäre ohnehin keine Option: Zu viele Schäden würden durch die Sprengung in den angrenzenden Wohnbezirken entstehen. Immerhin hat sich im Inneren des Bunkers in den vergangenen Jahrzehnten schon einiges getan: Verschiedene Medienfirmen haben sich hier angesiedelt, außerdem gibt es in den oberen Stockwerken zwei Musik-Clubs.

Bislang kein schöner Anblick: der Hamburger Bunker im Stadtteil St. Pauli

Foto: Getty Images

Nun könnte der Bunker auf seine späten Jahre auch äußerlich noch zu einem echten Hingucker werden: Wenn alles nach Plan läuft, soll in den nächsten Jahren auf dem Dach des des 75 Meter mal 75 Meter breiten Betonbaus ein öffentlicher Park entstehen, der sich über mehrere Ebenen erstreckt. Auf diese ungewöhnliche Idee sind einige Anwohnern von St. Pauli Anfang des vergangenen Jahres gekommen. Von ihren Wohnungen aus blickten sie täglich auf den Bunker und überlegten, wie man ihn äußerlich ein wenig verschönern könnte.

Auch im Winter grün

Zusammen mit zwei Architekten habe man schließlich ein erstes Konzept für den sogenannten „Hilldegarden“ entworfen, berichtet Koordinatorin Charlotte Dieckmann auf Nachfrage von TRAVELBOOK. „Unsere Vision einer völlig neuen Stadtnatur hat den aktuellen Gebäude-Eigentümer, den Erbpächter Prof. Thomas Matzen, überzeugt.“ Das Konzept sieht vor, die bisher brachliegende Dachfläche des Bunkers in eine mehr als 8000 Quadratmeter große, öffentliche Grün- und Gemeinschaftsfläche umzuwandeln. Dadurch soll sich der aktuell etwa 40 Meter hohe Bunker auf 59 Meter erhöhen. Über eine umlaufende Rampe soll das Dach für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Eine begrünte Rampe soll auf das Dach führen

Foto: Hilldegarden

Welche Pflanzen im Dachpark zu finden sein werden, steht noch nicht fest. In großen Teilen basiere das Begrünungskonzept auf der Verwendung von immergrüner Vegetation, sodass auch im Winter viel grün zu sehen sein werde, teilen die Projektplaner auf ihrer Website mit. Ein Teil der Flächen soll in den Sommermonaten in Eigeninitiative als Stadtgarten von Anwohnern bewirtschaftet werden. Auch ein Café ist auf dem Dach geplant.

Künstlerwohnungen unterm Dach

Im Inneren des Dachaufbaus sollen laut jetzigem Planungsstand auf fünf Ebenen Flächen von etwa 9500 Quadratmetern entstehen. Darin soll ein „Kultursaal“ für verschiedene Veranstaltungen eingerichtet werden, zudem Proberäume, Ateliers sowie Gästehäuser und Wohnungen für Künstler. Auch ein Museum, das sich mit der Geschichte des Bunkers auseinandersetzt, ist geplant. Umbauten des bestehenden Bunkergebäudes sind dagegen nicht vorgesehen.

Etwa 25 bis 30 Millionen haben die Planer für den Dachaufbau einschließlich der öffentlichen Flächen veranschlagt. Steuergelder sollen dafür nicht eingesetzt werden, die Kosten werden vollständig privat finanziert. Der Erbpächter Thomas Matzen investiert 25 Millionen Euro in das Projekt, auch der Unterhalt des Parks wird vollständig durch Matzen getragen. Ein Teil soll zudem über die im Innern des begrünten Dachaufbaus liegenden Mietflächen refinanziert werden.

Im Inneren des mehrstöckigen Dachaufbaus sollen unter anderem Künstlerwohnungen und Ateliers entstehen

Foto: Hilldegarden

Zum Konzept der Planungsgruppe um Tobias Boeing gehört es auch, die Anwohner frühzeitig an der Gestaltung des Bunkers zu beteiligen. Dazu steht vor dem Bunker ein Planungscontainer bereit, in dem sich die Bürger informieren und in verschiedenen Aktionsgruppen organisieren können. „Die Art und Weise der Planung ist, denke ich, eine Herausforderung für alle Beteiligten, aber genau dieser intensive Austausch zwischen Anwohnern, Fachplanern und der Stadt bringt Qualitäten mit sich, die dieses Projekt so besonders machen“, sagt Hilldegarden-Koordinatorin Charlotte Dieckmann.

Zwar gibt es auch einige Gegner des begrünten Dachaufbaus, die etwa vor einer steigenden Verkehrsbelastung rund um den Bunker und erhöhtem Suizidaufkommen warnen, insgesamt aber stehen die meisten dem Projekt positiv gegenüber. Die Initiatoren haben am 10. Juli den Baugenehmigungsantrag beim Bezirksamt Hamburg-Mitte eingereicht und hoffen, dass ihre Pläne schon bald Realität werden. „Wenn alles gut geht, starten die Bauarbeiten Anfang 2016“, sagt Dieckmann. Nach einer vorgesehenen Bauzeit von 15 Monaten könnte schon 2017 die Eröffnung sein.

Die Projektguppe Hilldegarden bietet regelmäßig Führungen auf das Bunkerdach sowie Informationsveranstaltungen rund um den geplanten „Hilldegarden“ an. Weitere Informationen finden Sie hier.

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