Leben auf wenigen Quadratmetern

Stehen auf den Dächern Berlins bald solche Mini-Häuser?

Immer weniger Wohnraum bringt Architekten und andere kreative Köpfe auf neue Ideen: Inspiriert von der tinyhouse-Bewegung aus den USA plant man nun, kleine Häuser auf den Dächern Berlins zu bauen. Auf nur 6,4 Quadratmetern soll bald zentrales Wohnen für wenig Geld möglich werden.

Ihre Idee: Neuen Wohnraum schaffen auf den Dächern der Städte, in der Wohnungen seit Jahren knapper werden. Und ein Trend zum Minimalismus, zum Wohnen mit wenig Platz, wie ihn in den USA die tinyhouse-Bewegung lebt.

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Tatsächlich rückt auch Deutschland in den Großstädten seit einiger Zeit zusammen. Zwar gönnten sich die Menschen bundesweit zuletzt mehr Wohnraum, inzwischen mehr als 45 Quadratmeter pro Kopf. Doch in Städten wie Köln und Frankfurt, wo die Immobilienmärkte heiß gelaufen sind, beginnt sich das nach Erkenntnissen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung langsam umzudrehen.

Leben auf 6,4 Quadratmetern

In Berlin treibt eine Gruppe das Leben auf engem Raum auf die Spitze. Ihr Mini-Apartment „tiny100“ ist nur 6,4 Quadratmeter groß. Trotzdem passen Bett, Küche, Dusche und Sofa rein. Verschachtelt, gestapelt, doch möglich. „Wir haben ausgelotet, auf welchem Raum man noch leben kann“, sagt Industriedesigner Raphael Behr. Sitzt man am Schreibtisch, baumeln die Füße in die Küchenzeile.

Die jungen Berliner Architekten Simon Becker und Andreas Rauch entwickeln das Projekt „cabine spacy“

Foto: ©2016 Stefan Haehnel

Irgendwann, wenn eine Immobilie gefunden ist, will die Gruppe um den Architekten Van Bo Le-Mentzel mehrere dieser Mini-Wohnungen für 100 Euro im Monat vermieten, an Leute, die sich wohnen sonst oft nicht leisten können. In einem Gemeinschaftsraum sollen die Mieter zusammenkommen mit wohlhabenderen Bewohnern größerer Wohnungen im gleichen Haus.

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So entstand die Idee von „cabin spacey“: Kleine Wohncontainer mit Weitblick ganz oben.

50.000 Wohnungen auf den Dächern Berlins

Tatsächlich sind die Dachflächen deutscher Großstädte eine riesige, wenig genutzte Ressource. 50.000 Wohnungen könnten allein auf Berlins Dächern entstehen, schätzte der damals zuständige Senator Andreas Geisel im vergangenen Jahr. Bundesweit, so ergab eine Untersuchung der Uni Darmstadt, bieten Hausdächer Platz für mehr als 1,5 Millionen Wohnungen - und zwar dort, wo diese schon heute knapp und teuer sind: in Großstädten, Ballungsräumen und Unistädten.

Im Versorgungsmodul sind Bad, Küche und Schlafbereich untergebracht

Foto: PR Simon Becker/Andreas Rauch

Auf viele dieser Dächer kann man aus statischen Gründen kein komplettes Geschoss aufsetzen. Die „cabin“ von Becker und Rauch ist kleiner und leichter. „Sie passt auf Dächer, die man sonst nicht bebauen kann“, erklärt Rauch. Schlafen, Kochen, Duschen, Leben auf knapp 25 Quadratmetern. Ein einziger, minimalistischer Raum mit vielen Funktionen, Stau- und Schachtelmöglichkeiten, ganz aus Holz.

Erstes Mini-Haus in Kreuzberg?

Das fertige Mini-Haus wird mit dem Kran aufs Dach gesetzt, darunter ein Gerüst zur Lastverteilung. Theoretisch könnte das winzige Zuhause mit dem Besitzer einfach umziehen, vom Dach in Berlin aufs Dach in München. Doch geeignete Dächer mit Fluchtwegen, Anschlüssen und Genehmigung sind schwer zu finden. Das erste haben Becker und Rauch jetzt so gut wie sicher. Im Sommer könnte ihr Mini-Haus auf dem Dach einer Wohnungsbaugesellschaft in Kreuzberg stehen.

So soll der Innenraum der kleinen Kabinen aussehen

Foto: PR Simon Becker/Andreas Rauch

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Und wer könnte einziehen in so ein Raumwunder? Leute, die oft Stadt und Job wechseln, sagt Becker. Studenten, Künstler, Expats, Projektmanager, digitale Nomaden. Leute, denen nicht nur das Rationale, sondern auch der Coolness-Faktor wichtig ist. Ordentlich müsse man schon sein, wenn man auf so wenig Raum leben wolle, räumt Behr ein. Ihm selbst würden Werkstatt oder Lagerraum fehlen. „Ich hab einfach zu viel Zeug.“

Und wer weiß, vielleicht werden die Mini-Häuser auch als besonders hippe Unterkunft an Berlin-Besucher vermietet. Gute Urlaubs-Fotos aus der Hauptstadt würde man von da oben auf jeden Fall mitbringen.

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