Unterwegs im schleswig-holsteinischen Wattenmeer

Deutschlands größter Nationalpark feiert 30. Geburtstag

Auf den ersten Blick öde, auf den zweiten Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen. Das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer ist ein besonderer Lebensraum. Vor 30 Jahren wurde der schleswig-holsteinische Teil zum Nationalpark erklärt. Ein Grund zum Feiern – barfuß und in Shorts.

Die nackten Füße versinken im Schlick. Der Blick ist in die Ferne gerichtet, irgendwo schreit ein Vogel. Wenige hundert Meter vom Deich entfernt stehen Menschen frühmorgens im Watt vor Dagebüll. Sie wollen zum 30-jährigen Bestehen des schleswig-holsteinischen Nationalparks Wattenmeer eine Wanderung machen – natürlich im Watt.

Gehört beim Wattwandern dazu: der Schlick an den Füßen

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Die etwa 30 Leute wollen von Dagebüll zur Hallig Langeneß. Von dort geht es mit der Fähre nach Amrum, von hier zu Fuß weiter nach Föhr und mit dem Schiff zurück nach Dagebüll. Insgesamt rund 16 Stunden sind sie unterwegs, das Tempo bestimmen die Gezeiten. Nur wenige Male im Jahr ist diese Runde überhaupt zu bewältigen.

Zwischen Dagebüll und der Hallig Langeneß im Watt: Mit einer Fläche von gut 4410 Quadratkilometern ist das schleswig-holsteinische Wattenmeer der größte deutsche Nationalpark

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Die am besten bewerteten Hotels: auf Amrum | auf Föhr

„Ein Lebensraum auf den zweiten Blick“

Mit einer Fläche von rund 4410 Quadratkilometern ist das schleswig-holsteinische Wattenmeer der größte Nationalpark Deutschlands. Auf den ersten Blick fragt man sich mitunter: warum eigentlich? Bis zum Horizont erstreckt sich das Wattenmeer wie eine schier endlose, graue Schlickwüste. Leben? Eher Mangelware. Aber der Schein trügt. „Es ist ein Lebensraum auf den zweiten Blick“, sagt Martin Stock von der Nationalparkverwaltung.

Auf den ersten Blick scheint das Wattenmeer ohne Leben zu sein, doch nicht nur Kinder entdecken bei genauerem Hinsehen viele kleine Tiere, darunter Wattwürmer

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Das Wattenmeer ist eine der fruchtbarsten Regionen der Erde. Millionen von Zugvögeln rasten dort auf ihrem Weg von den arktischen Brutgebieten in die Winterquartiere in Westafrika. Hier im Watt dienen Milliarden Wattwürmer, Muscheln und Algen als Nahrungsquelle. „Wattenschutz fing mit Vogelschutz an“, sagt Hans-Ulrich Rösner vom WWF. Seehunde, Kegelrobben und andere Tiere bilden Populationen auch in anderen Regionen, aber Vogelarten wie etwa der Knutt seien auf der Durchreise „mit ihrer ganzen Weltpopulation im Watt“. Ein Grund, warum der sensible Naturraum geschützt ist.

Das Wattenmeer ist Lebensraum für viele Tierarten – auch Seehunde fühlen sich hier wohl

Foto: dpa picture alliance

Am 22. Juli 1985 verabschiedete der Landtag von Schleswig-Holstein das Nationalparkgesetz. Das Wattenmeer sollte der dritte Nationalpark Deutschlands werden. Im Jahr 1999 wurde das Gebiet nochmals erweitert.

Ein Stelzenhaus bei Sankt Peter-Ording

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„Anschleichen, zustechen“, ruft Wattführerin Anne Segebade einem der Wattläufer zu. Vorsichtig bewegt sich der Mann, bewaffnet mit einer Forke und dem Rest der Gruppe im Schlepptau, auf eines der unzähligen Sandhäufchen auf dem Wattboden zu. Er ist auf Wattwurmfang. Die Häufchen sind Ausscheidungen. Nach einigen Versuchen liegt ein riesiger Wurm in der Hand Segebades.

Auch für Hunde ist eine Wattwanderung ein Erlebnis

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Die Flut ist vorbei. Zeit, Amrum zu verlassen. Die Dämmerung setzt ein, Föhr ist nah, doch ein sehr tiefer Priel direkt an der Insel kann nicht gequert werden. Die Gruppe muss ihn umwandern. Doch irgendwann ist Föhr erreicht. Die Sonne geht unter, der Himmel über der Nachbarinsel Sylt leuchtet im Abendrot. Und der Wattenboden verschwindet langsam wieder unter dem Wasser. Bis zur nächsten Ebbe.

Schleswig-Holsteins Wattenmeer

Der 1985 gegründete Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist Europas größter Nationalpark. Die „Küsten-Wildnis“ zwischen der dänischen Grenze und der Elbmündung ist fast doppelt so groß wie das Saarland und gehört seit 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer. In den 30 Jahren seines Bestehens hat sich der Nationalpark zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die einmaligen Naturerlebnisse locken jedes Jahr mehr als zwei Millionen Urlauber und 16 Millionen Tagesgäste an.


Für 17 Prozent der Übernachtungsgäste spielt der Nationalpark einer Untersuchung zufolge eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei der Reisezielentscheidung. Freizeitforscher der Universität Würzburg berechneten 2014 für den Nationalpark eine regionale touristische Wertschöpfung von jährlich 89 Millionen Euro. Der Nationalpark schafft und sichert danach rein rechnerisch rund 4700 Arbeitsplätze.


Das Wattenmeer ist die Kinderstube vieler Nordseefische und das vogelreichste Gebiet Mitteleuropas. Für Zugvögel hat es eine existenzielle Bedeutung. Sie legen hier auf ihrem Zug zwischen Brut- und Wintergebiet regelmäßig einen längeren Zwischenstopp ein. In der Region leben 3200 Tierarten – 250 davon kommen nur dort vor.

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