Sexfilme in der Berliner Kneipe

Hier stöhnt man jetzt gemeinsam beim Porno-Karaoke!

Normales Karaoke war gestern – in Berlin wird jetzt live vor Publikum zu Porno-Filmen gestöhnt! Ausgerechnet im eher als spießig verschrienen Stadtteil Prenzlauer Berg befindet sich die Kneipe „Zum Starken August“, die mit ihrem ungewöhnlichen Konzept inzwischen an jedem ersten Samstag im Monat die Massen anzieht. TRAVELBOOK hat sich das schlüpfrige Spektakel selbst angesehen und sprach mit den Machern über ihre Idee.

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

Vor der Bar an der Schönhauser Allee hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Drinnen ist die Stimmung aufgeheizt, die Menge grölt, während ganz vorne beim Fenster eine Frau mit zwei Männern auf einer Couch sitzt und stöhnt, was das Zeug hält. Nein, die drei treiben es nicht etwa miteinander – sie verleihen nur den Darstellern des Sexfilms, der gerade über die Leinwand flimmert, ihre Stimmen.

Porno-Karaoke nennt sich das Ganze und zieht einmal im Monat Dutzende Berliner in die Event-Bar „Zum Starken August“ am Prenzlauer Berg. Es funktioniert wie normales Karaoke, nur dass die Teilnehmer eben nicht singen, sondern Porno-Filme synchronisieren. Gezeigt werden nicht irgendwelche x-beliebigen Porno-Streifen, sondern eine ganz spezielle Auswahl: „Wir suchen gezielt nach witzigen und trashigen Filmen, die man so noch nie gesehen hat“, sagt Sebastian Kulka, einer der Betreiber der Kneipe, zu TRAVELBOOK. Ein Praktikant begebe sich vor jeder Karaoke-Show wochenlang in die „Untiefen des WWW“, um die skurrilsten Pornos aller Zeiten aufzutreiben.

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Trash aus den Siebzigern und Achtzigern

Vor allem Filme aus den Siebzigern und Achtzigern werden gezeigt, über die man heute auch so schon lachen würde, und die mit den Kommentaren der Karaoke-Teilnehmer zu echten Lachnummern werden. Sie tragen Titel wie „Durchgescheuerte Saftmösen“, „Die Sperma-Agenten“ oder „Trio Anale“. „Es sind auch richtige Nonsense-Filme dabei, in denen Aliens mitspielen oder eine Frau im Wald von einer Schlingpflanze gegriffen wird“, sagt Kulka lachend.

Spiegel, gemütliche Sofas und Gummipuppen – so sieht es im „Zum Starken August aus“

Foto: Zum Starken August

Natürlich müssen nicht die gesamten Filme synchronisiert werden, sondern nur ausgewählte Szenen von etwa zwei bis drei Minuten. Insgesamt gibt es drei mal drei Durchgänge, und am Ende jedes Durchgangs entscheidet ein „Applausometer“ darüber, wer es am besten gemacht hat. Den Gewinnern winkt unter anderem eine Urkunde mit dem Titel „Bester Porno-Darsteller“ sowie eine gold lackierte Barbie.

Das Publikum an diesem Abend ist durchmischt, der Typ Berliner Hipster überwiegt allerdings deutlich. Kaum ein Kerl, der keinen Vollbart und/oder Hornbrille trägt. Inzwischen zieht es auch einige Touristen in den Starken August, entweder, weil sie bei ihrem Berlin-Trip zufällig an der Bar vorbeilaufen, oder weil sie über soziale Netzwerke davon gehört haben. „Ich hab einen Facebook-Post gesehen, den jemand geteilt hat und war neugierig“, sagt etwa Mark, 24, aus Düsseldorf.

Gebannte Blicke auf das Geschehen. Die Leinwand ist so platziert, dass man von draußen nichts sieht – sonst könnte es womöglich Ärger geben

Foto: Zum August Starken

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Die Hemmungen fallen mit genug Starkbier

Insgesamt kommen laut Geschäftsführer Sebastian Kulka allerdings mehr Frauen als Männer zum Porno-Karaoke. Aber gehört nicht einiges an Mut dazu, wie ein Porno-Darsteller zu stöhnen – und das vor Publikum? „Das starke Bier hilft den Leuten dabei, die Hemmungen fallen zu lassen“, sagt Kulka. Die Kneipe hat sich auch wegen ihrer großen Auswahl an Craft-Bieren einen Namen gemacht, die zum Teil 7 % Vol. oder mehr haben. Eine Kellnerin mit einem Dekolleté, das tief blicken lässt, verteilt zudem giftgrüne Schnäpse vom Tablett, 1,50 Euro das Stück.

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Kulka stammt aus einer alten Berliner Zirkusfamilie und moderiert die Shows selbst. Sein Partner Marcel Jahn alias Mäysle läuft währenddessen kostümiert durch die im Wohnzimmer-Ambiente und mit Gummi-Puppen eingerichtete Kneipe und unterhält die Gäste. „Ich bin bekennender Porno-Fan“, sagt er. Dadurch sei man überhaupt erst auf die Idee zum Porno-Karaoke gekommen. Zunächst hatten sie daran gedacht, normale Szenen aus berühmten Filmen synchronisieren zu lassen. Aber das war ihnen zu langweilig. Provokanter sollte es sein, besonders. Dass das Konzept am Ende funktionieren würde, da waren er und seine drei Partner sich ziemlich schnell sicher.

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Es kommen mehr Frauen als Männer. Bei manchen Szenen muss man aber einfach wegschauen – so absurd sind sie.

Foto: Zum August Starken

Inzwischen ist die seit neun Monaten geöffnete Kneipe oft bis auf den letzten Platz besetzt, nicht nur beim Porno-Karaoke. Auch die Burlesque-Shows kommen gut bei den Leuten an. Nur beim Standort waren sich die insgesamt vier Betreiber anfangs unsicher. „Prenzlauer Berg hat mir schon Sorgen gemacht“, sagt Kulka. Vermutlich wäre es schwieriger geworden, wenn sie nicht an die belebte Schönhauser Allee, sondern in eine der Nebenstraßen gezogen wären. Mittlerweile ist der Starke August auch weit über den Prenzlauer Berg hinaus bekannt. Die Mischung aus gutem Bier, Trash und Sex zieht eben. Und, mindestens genauso wichtig: die unschlagbar freundliche und offene Art der Betreiber.

Zum Starken August, Schönhauser Allee 56, 10437 Berlin. Porno-Karaoke gibt's an jedem ersten Samstag im Monat ab 21 Uhr.

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