Wo man um die Ecke Wildtiere beobachten kann

7 Safari-Hotspots in Deutschland

An den Seen der Prignitz elegante Kraniche beobachten, in Thüringens verwunschenen Wäldern Wildkatzen erleben, auf Wolfs-Exkursionen die Lausitz erkunden: Aufregende Safari-Erlebnisse gibt es nicht nur in Afrika, sondern auch gleich in Ihrer Nähe. TRAVELBOOK präsentiert sieben deutsche Safari-Hotspots von der Nordsee bis zu den Alpen.

Von Maike Grunwald
1. Nordseeinsel Juist: Bootsfahrt zu den Babyrobben

Die längste der ostfriesischen Nordseeinseln gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und ist ein wahres Naturparadies. Juist ist komplett autofrei, selbst die Müllabfuhr ist ganz romantisch mit dem Pferdewagen unterwegs. Für Hunde besteht überall Leinenpflicht, um Zugvögel und andere Tiere vor Stress zu schützen.

Das Wattenmeer und der Süßwassersee auf der Insel sind ideale Rast- und Brutgebiete für seltene Vögel, und an den weiten Stränden fühlen sich nicht nur Urlauber, sondern auch Robben und viele weitere Tiere wohl. Zurecht nennen die Juister ihre Insel  „Töwerland“, das heißt „Zauberland“ auf Plattdeutsch.

Süße Robbe mit Mama: Um die scheuen Tiere nicht zu erschrecken, bewundert man sie am besten vom Boot aus per Fernglas

Foto: dpa picture alliance

Tier-Tipps: Im Sommer sieht man mit etwas Glück kleine Robben am Strand. Dann heißt es: unbedingt Abstand halten und aus der Ferne bewundern, damit sie nicht flüchten. Ihre Mütter sind nur beim Fischen, sie kümmern sich schon. Ein Highlight für Erwachsene und Kinder sind Bootstouren zu den Seehundbänken vor der Insel. Kegelrobben bringen dort im Winter ihre Jungen zur Welt.

Ganz aus der Nähe zu sehen sind die Rehe auf der Insel und bunte Fasane, die kaum Scheu zeigen. Am Strand tippeln Möwen, Austernfischer und Sanderlinge umher. Muscheln und mehr zeigt „Wattflüsterer“ Heino Behring bei seinen wunderbaren Wattwanderungen. Im Nationalpark-Haus und bei den öffentlichen  Natur-Touren erfährt man mehr über die Tierwelt.

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Ursprüngliche Prignitz: Hotspot für Kraniche und Störche

Zwischen Hamburg und Berlin liegt die alte Landschaft der Prignitz, eine vergleichsweise fast menschenleere Gegend von besonderer Schönheit. Zwar gibt es im Städtchen Wittenberge mit der liebevoll renovierten „Alten Ölmühle“ und dem früheren Singer-Nähmaschinenwerk auch altmodische Industrie-Romantik zu bewundern, doch ist die dünn besiedelte ländliche Region vor allem von idyllischen Fachwerk-Dörflein und unberührter Natur geprägt.

Während der Teilung Deutschlands waren die Elbauen beiderseits nicht zugänglich, und so hat sich hier an der Elbe und ihren Nebenflüssen eine ursprüngliche Flusslandschaft bewahrt, in der seltene Tiere und Pflanzen bis heute überlebt haben. Heute gehört die Landschaft zum Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe.

Kraniche sind ohnehin beeindruckend –  in großen Gruppen sind die majestätischen Riesenvögel ein unvergesslicher Anblick

Foto: dpa picture alliance

Tier-Tipps: An der Elbe und ihren vielen Nebenflüssen sowie den reichlich vorhandenen Seen kann man Biber, Otter und vor allem viele seltene Vögel wie die beeindruckenden See- und Fischadler sowie Kibitze, Schwarzstörche und schillernde Eisvögel erspähen. Kanu-, Boots-, Rad- und Wandertouren zur Tierbeobachtung bietet das Biosphärenreservats-Besucherzentrum auf Burg Lenzen an.

In den Elbauen grasen Wildferde, die hier zur natürlichen Landschaftspflege frei umherstreifen. Spektakulär sind die Ansammlungen Zehntausender eleganter Kraniche, die sich alljährlich besonders im Herbst auf ihrem Zug gen Süden in den Linumer Teichgebieten versammeln – Europas größter Kranich-Rastplatz. Das Naturschutz-Zentrum Storchenschmiede Linum bietet dann spannende Kranich-Exkursionen an. Auch das storchenreichste Dorf Deutschlands liegt in der Prignitz: Im Storchendorf Rühstädt ziehen jeden Frühling und Sommer mehr als 40 Weißstorch-Paare ihre Jungen groß.

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Romantisches Havelland: Im Reich der raren Großtrappen

„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand...“ Theodor Fontane machte die zauberhafte Landschaft am blauen Band der Havel mit vielen Gedichten und Reiseberichten berühmt. Bis heute ist die ländliche Region in Brandenburg für ihre Schönheit bekannt. An der Havel und ihren Feuchtgebieten, aber auch auf den Streuobstwiesen bieten sich viele Möglichkeiten, seltene Tiere zu beobachten.

Beeindruckende Tanzleistungen: Im Frühling kann man im Havelland die weltweit fast ausgerotteten  Großtrappen bei der Balz beobachten – hier gibt es hoffentlich bald Nachwuchs

Foto: dpa picture alliance

Tier-Tipps: Biber, Otter, Seeadler, Gänse, Kraniche und Störche – all diese schönen und zum Teil seltenen Tieren kann man im Havelland sehen. Im NABU-Naturparkzentrum Milow erfährt man mehr und kann Touren durch den „Naturpark Westhavelland“ buchen, zum Beispiel auf dem Boot „Havelnixe“. Dazu gibt es im Havelland noch ein ganz besonders einzigartiges Safari-Highlight: die Großtrappe, die zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Erde gehört und im Frühling spektakuläre Balztänze aufführt.

Der früher verbreitete Vogel ist inzwischen in den meisten Ländern weltweit ausgerottet, doch im Havelland gibt es sie noch. Der Förderverein Großtrappenschutz bietet Exkursionen im Frühling zur Beobachtung der Balz und im Winter zur Sichtung auf ihren Lieblingsfeldern an – Fernglas und Teleobjektiv nicht vergessen, dann gelingen auch von den Beobachtungstürmen schöne Sichtungen und Fotos.

Großtrappen sind weltweit vom Aussterben bedroht, in Deutschland leben immerhin 232 der seltenen Tiere

Foto: dpa picture alliance

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In der Lausitz: Auf den Spuren der Wölfe

„Sumpfige, feuchte Wiesen“: So ungefähr lautet die Bedeutung des niedersorbischen Wortes, die der Lausitz ihren Namen gab. Tatsächlich ist die Region, die den Süden Brandenburgs, den Osten des Freistaates Sachsen sowie Teile der polnischen Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus umfasst, für Naturfans ein wundervoller Ort.

Auf Fährtensuche: Bei Wolfs-Exkursionen in der Lausitz stehen die Chancen gut, zumindest Spuren der Wildtiere zu sehen

Foto: dpa picture alliance

Tier-Tipps: Auch wenn sich die Landschaft stolz „Wolfsregion Lausitz“ nennt, ist es auch hier nicht einfach, einen frei lebenden Wolf wirklich zu Gesicht zu bekommen. Dennoch sind die Exkursionen mit dem Wolfsexperten, wie sie etwa am Treffpunkt „Forsthaus am Erlichthof“ auch in Zusammenarbeit mit dem NABU-Schutzprojekt „Willkommen Wolf“ angeboten werden, ein spannendes Erlebnis. Wer tatsächlich mal einen Wolf entdecken sollte: Keine Angst, wenn er nicht sofort davonläuft. Wie alle Wildtiere ist er darauf angewiesen, Energie zu sparen und wird den Menschen vielleicht lieber aus sicherer Entfernung vorsichtig im Auge behalten – eine gute Gelegenheit, ihn zurückzubeobachten.

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Keine Sorge, Wölfe wollen nur im Märchen Menschen fressen (oder sich mit ihnen unterhalten). Lieber beobachten sie Zweibeiner aus sicherer Entfernung.

Foto: dpa picture alliance

Nationalpark Hainich: Wildkatzen-UrWald in Thüringen

Wilde, wunderschöne Wälder, im Frühling voller Vogelstimmen, im Herbst ein Feuerwerk an leuchtenden Laubfarben – und rund ums Jahr Rückzugsort der seltenen Europäischen Wildkatze: das ist der Nationalpark Hainich. Das Unesco-Weltnaturerbe in Thüringen liegt im Süden des etwa 160 Quadratkilometer großen Hainich, dem größten zusammenhängenden Laubwaldgebiet in ganz Deutschland. Ein Baumwipfelpfad bietet unglaubliche Ausblicke über die Baumriesen, 22 Ranger kümmern sich um Flora und Fauna und bieten auch Wildtier-Exkursionen an.

Mini-Tiger: Wildkatzen sehen Hauskatzen ähnlich, sind aber eine eigene Wildtier-Art

Foto: www.wildkatze.info/Thomas Stephan

Tier-Tipps: Star des Nationalparks ist die Europäische Wildkatze, die hier ihren natürlichen Lebensraum hat: Ein heimisches Wildtier, das schon in der Steinzeit unsere Wälder durchstreifte, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen herbrachten. Inzwischen ist sie leider rar geworden, weshalb der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch das „Rettungsnetz Wildkatze“ gründete.

Die scheuen Nachtjäger verstecken sich tagsüber, doch im Wildkatzendorf Hütscheroda sind sie in der Schauanlage „Wildkatzenlichtung“ live zu sehen – und mit viel Glück auch in freier Flur bei den Wildkatzen-Exkursionen mit den Rangern oder bei einer Tour durch ihr Revier entlang des „Wildkatzenpfades“. Leichter zu entdecken sind andere Waldtiere wie Rehe, Dachse, Wildschweine, Vögel wie Buchfinken und Buntspechte. Außerdem gibt es Baummarder und 15 teils sehr seltene Fledermausarten!

Lesen Sie hier mehr über Wildkatzen im Blog der Autorin Maike Grunwald

Hohenlohe: Biber und mehr in Baden-Württemberg

Noch ein Geheimtipp ist die reizvolle Region Hohenlohe im Nordosten von Baden-Württemberg. Alte Schlösser des namensgebenden Adelsgeschlechts und sanfte, naturverbundene Landwirtschaft zeichnen die als „Genießerregion“ bekannte fränkischsprachige Gegend aus. Auch wegen ihrer reizvollen Natur schätzen Wanderer, Kanufahrer und Radler die Region rings um die Flüsse Jagst, Kocher und Tauber.

Tier-Tipps: Füchse, Wildschweine, Rehe und viele weitere Wildtiere sind in der abwechslungsreichen Landschaft zu sehen. In den Flüssen fühlt sich auch der Biber wohl, Europas größtes Nagetier.

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Possierlicher Biber: Europas größtes Nagetier steht immer noch unter strengem Schutz. In der Morgen- oder Abenddämmerung stehen die Chancen, ihn zu sehen, am besten.

Foto: dpa picture alliance

Burghausen in Bayern: Brutgebiet des Waldrapp

Im oberbayerischen Landkreis Altötting an der Grenze zu Österreich liegt die alte Herzogstadt Burghausen. Die gleichnamige Burg, die sich auf einem Höhenzug über der Altstadt erstreckt, ist mit 1051 Metern Länge die längste Burganlage der Welt ist. Doch auch, was die Tierwelt angeht, hat sie einen Superlativ zu bieten.

Tier-Tipp: Direkt an der Burg gibt es einen einzigen, sehr seltsamen Vogel zu bestaunen: den Waldrapp, einen gänsegroßen Schreitvogel aus der Familie der Ibisse. Früher war er in Europa häufig, aber im 17. Jahrhundert rotteten ihn die Menschen fast aus. Heute steht er als „akut vom Aussterben bedroht“ auf der Roten Liste. In Burghausen wird er nun vom „Team Waldrapp“ wieder angesiedelt.

Kurioser Kopfschmuck: Der Waldrapp war in Deutschland ausgerottet, heute brüten sie wieder in Bayern

Foto: dpa picture alliance

Spektakuläre Anblicke bieten die „menschengeführten Migrationsflüge“ im Herbst, die man mancherorts in den Alpen sehen kann: Da die Jungtiere den Weg in ihr Winterquartier erst lernen müssen, fliegen die Vogelschützer mit einem Leichtfluggerät voran – und die Vögel folgen ihnen. In vielen Landschaften Bayerns werden Tier-Fans fündig: So gibt es auch im Bayrischen Wald wieder Wildkatzen, und hoch in den Alpen tummeln sich süße Murmeltiere.

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