Wünsdorf bei Berlin

Die „verbotene Stadt“ mitten in Brandenburg

Einst lebten Zehntausende Menschen im brandenburgischen Wünsdorf, inzwischen sind es noch etwas mehr als 6000. Das liegt auch daran, dass der Ort jahrzehntelang als „verbotene Stadt“ galt. Heute sind aus dieser Zeit noch zahlreiche Bunker und Ruinen übrig.

Unweit von Berlin, mitten in Brandenburg, liegt das unscheinbare Wünsdorf. Auf den ersten Blick ahnt man kaum, warum dieser Ort einst als „verbotene Stadt“ bekannt war. Doch Wünsdorf diente jahrzehntelang als wichtiger Militärstützpunkt: im Ersten Weltkrieg, während des Nationalsozialismus und danach für die Sowjetarmee. Heute zeugen einige, zum Teil zerfallene und verlassene Gebäude von der Vergangenheit. 

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Lager für bis zu 30.000 Kriegsgefangene

Den ersten militärischen Kontakt hatte Wünsdorf im Jahr 1872, als der größte Schieß- und Versuchsplatz Preußens in dem bescheidenen Ortsteil der Stadt Zossen erbaut wurde. 1910 kamen Truppenübungsplätze für das damalige Deutsche Kaiserreich hinzu und wurden 1914 um eine Militärsportschule erweitert. Während des Ersten Weltkriegs wurde in Wünsdorf zudem das „Halbmondlager“ gebaut, ein Lager für vorwiegend muslimische Kriegsgefangene, in dem zeitweise bis zu 30.000 Menschen lebten. Für diese Gefangene wurde am 13. Juli 1915 eine Moschee eingeweiht – es war die erste in Deutschland. Sie sollte dabei helfen, die Muslime davon zu überzeugen, für Deutschland zu kämpfen.

Noch immer findet man Zeugnisse aus der Zeit, als in Wünsdorf Sowjets stationiert waren

Foto: Flickr / Kai 'Oswald' Seidler / CC BY 2.0

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Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, übernahmen sie die Bauten Wünsdorfs und erweiterten den Ort um Bunker und andere Militärgebäude. Das Hauptquartier des Oberkommandos des Deutschen Heeres und die Nachrichtentechnik des Deutschen Reiches wurden in den zwei Bunkern „Zeppelin“ und „Maybach“ untergebracht, wie es auf der offiziellen Seite Wünsdorfs heißt. Unter anderem war hier auch Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg stationiert.

Als das nationalsozialistische Deutschland 1945 besiegt war, wurde Wünsdorf zum Standort des Oberkommandos der Sowjet-Streitkräfte Deutschlands. 35.000 Sowjets waren in Wünsdorf stationiert, und sie verwandelten den Ort zu einer in sich funktionierenden Stadt um: Neu erbaute Geschäfte, Theater, Brotfabriken, Schulen und ein Krankenhaus ermöglichten ein selbstständiges sowjetisches Städtchen in Brandenburg. Selbst eine Eisenbahnlinie direkt nach Moskau wurde gebaut, wie „Der Spiegel“ berichtet. Erst 1994, als die Russen abzogen, kamen wieder mehr Deutsche in die Stadt. Doch lange nicht so viele, wie hier einst lebten.

Verlassene Orte faszinieren viele Menschen, weil die Zeit stehen geblieben zu sein scheint

Foto: Flickr / Kai 'Oswald' Seidler / CC BY 2.0

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Die „verbotene Stadt“ Wünsdorf

Den Beinamen „verbotene Stadt“ erhielt Wünsdorf, weil den meisten Deutschen der Zugang zu dem Ort bis zum Abzug der Russen 1994 verwehrt blieb. Die 600 Hektar große Militärstadt wurde ummauert und streng bewacht. Neben den Russen hatten lediglich circa 1000 DDR-Bürger, die dort arbeiteten und über einen speziellen Ausweis verfügten, Zugang.

Die verschiedenen Gebäudetypen zeigen die Militär-Epochen Wünsdorfs wider

Foto: Flickr / Kai 'Oswald' Seidler / CC BY 2.0

Wünsdorf heute

Inzwischen ist Wünsdorf ein kleiner Ort mit etwas mehr als 6000 Einwohnern. Bei Touristen ist der heutige Ortsteil von Zossen vor allem wegen der Gebäude des Zeitgeschehens beliebt. Neben den Bauten des Kaiserreichs stehen Bunker aus der NS-Zeit in einer kleinen russisch geprägten Stadt.

Die kleine Stadt ist mit Ruinen überseht. Hier ein altes Hotel am Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt. Bild: Wikimedia Commons/A.Savin/CC BY-SA 3.0

Durch seine idyllische Lage neben dem kleinen und großen Wünsdorfer See inmitten der Natur Brandenburgs zieht Wünsdorf aber nicht nur historisch interessierte Menschen, sondern auch Erholungssuchende aus der Umgebung und Berlin an. Der Ort ist zudem seit 1998  „Bücherstadt“: Hier finden sich geballt zahlreiche Antiquariate mit unzähligen Büchern aus unterschiedlicher Zeit.

Für Fotografie-Begeisterte werden Touren, wie zum Beispiel von go2know, durch die aus Sicherheitsgründen abgesperrten Gebiete angeboten. Abgesperrt, da noch immer Munition und andere Militärobjekte in den Ruinen und unterirdischen Bunkeranlagen ruhen könnten.

Etwa 20 Hochbunker verteilen sich über den Ort. Bild: Wikimedia Commons/A.Savin/CC BY-SA 3.0

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Kasernen sollen Wohnungen werden

Einige alte Militärgebäude und Grundstücke stehen inzwischen zum Verkauf, die Kasernen sollen zu Wohnungen umgebaut werden und auch Hauptstädter anziehen; Wünsdorf ist nur etwa 45 bis 60 Autominuten von Berlin entfernt.

Nicht nur könnte noch immer Munition in den Gemäuern liegen, auch sind einige Gebäude einsturzgefährdet, weshalb der Zugang nur innerhalb von organisierten Touren erlaubt ist

Foto:  Flickr / Kai 'Oswald' Seidler / CC BY 2.0

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