Coole Unterkünfte boomen

Trend! Hipster-Hotels statt Spießer-Herberge

Grand Hotels finden viele zu spießig und teuer, Low-Cost-Ketten zu langweilig – und deswegen setzen Hoteliers zunehmend auf coole Lifestyle-Hotels, die individuell sind und das Gefühl geben, in der Szene der Metropole gelandet zu sein.

Wenn Christoph Hoffmann die Vision hinter seinen 25hours-Hotels beschreibt, dann könnte man fast meinen, die Hotel-Branche stehe kurz vor einer kleinen Revolution: „Wir wollen die guten Tugenden der alten Hotellerie neu definieren“, sagt er.

Tatsächlich hat sich einiges getan in den vergangenen Jahren, denn in Zeiten von Budget-Hotels, Couchsurfing und immer mehr Ferienwohnungen haben Reisende ein große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Der Trend geht zu individuellen Unterkünften.

„Viele gehen in ein Hotel, und es reicht ihnen nicht, dass sie dort ein Bett haben“, hat Hoffmann beobachtet. Das Motto sei eher: „Sage mir, wo du schläfst, und ich sage dir, wer du bist.“ Damit wird auch das Hotel zunehmend zum Ausdruck der Identität oder zumindest des guten Geschmacks. Und vor allem wollen Lifestyle-Hotels einen Ort schaffen, wo Gäste und Einheimische zusammenkommen, bestenfalls: einen hippen Hotspot.

„Wir wollen keine standardisierten Häuser, wir wollen jedes Mal eine Welt neu erfinden“, erklärt Hoffmann das Prinzip der 25hours-Hotels. Sieben gibt es mittlerweile: in Wien, Zürich, Frankfurt, Hamburg und Berlin. Und alle sollen so individuell sein wie die Stadt, in der sie stehen.

Die 25hours-Hotels sind ein Beispiel für den neuen Fokus auf Lifestyle bei Unterkünften

Foto: 25hours Hotels/Stephan Lemke

Das 25hours-Haus in Wien zum Beispiel hat einen ausgebauten Dachboden mit Bar und Terrasse. In Hamburg steht eins der Häuser mitten in der Hafencity. In Berlin gibt es im Hotel die Monkey Bar mit Blick auf den Zoo.

Ansprechen soll das szenebewusste Menschen. „Der Prototyp unter unseren Gästen ist der hedonistische Kreativarbeiter“, erklärt Hoffmann. „Er arbeitet tagsüber per Laptop in der Lobby, abends will er in eine angesagte Bar.“

Messen will sich die Kette „mit den lokalen Playern“, erklärt Christoph Hoffmann. In München sind das zum Beispiel das Louis und das Cortiina der Gastro-Größe Rudolf Kull und seines Kollegen Albert Weinzierl. Hotels mit Persönlichkeit – und eben stadtbekannt. Auch die Ace Hotels und die Häuser von Mama Shelter oder CitizenM zum Beispiel setzen auf Individualität und lokale Bezüge.

Es könnte auch das eigene Zimmer sein: Die Hotels von Mama Shelter – hier in Marseille – setzen auf Individualität

Foto: Mama Shelter Marseille

Der inflationär bemühte Begriff Boutique-Hotel als Klammer ist wenig sinnvoll. „Da versteht jeder was anderes drunter“, sagt Tobias Warnecke, Referent im Bereich Marktforschung beim Hotelverband Deutschland (IHA). Er weiß, dass es keine eindeutigen Abgrenzungen zwischen Hotels gibt. Die 25Hours-Häuser ordnet er am ehesten der Kategorie Themenhotel zu, das passende Schlagwort dazu lautet Lifestyle, laut Warnecke erkennbar am schicken Design und der interessanten Architektur.

Charakteristisch für betont individuelle Hotels ist die große Lobby mit Wohnzimmer-Atmosphäre. „Ein Ort, wo es leicht ist, ins Gespräch zu kommen, weg von diesen großen Hotelhallen“, sagt der Experte. „Die Vernetzung mit der Umgebung spielt eine große Rolle. Es ist durchaus gewünscht, dass man sich die lokale Bevölkerung mit ins Boot holt.“

Der Fokus auf Lifestyle im weitesten Sinn ist natürlich keine brandneue Idee. Sie prägt auch die großen Ketten schon länger. Ibis hat mit „Ibis Styles“ eine eigene Designmarke, Marriott die „Edition“-Häuser und Hilton die „Curio“-Reihe. Ein großer Impuls ging auch von der Budget-Kette Motel One aus.

Mit Blick auf den Hamburger Michel wohnt es sich in einem Motel One in der Hansestadt

Foto: Motel One

Dass der Hotelmarkt vielfältiger und damit interessanter wird, wissen auch die Reiseveranstalter. „Nichts ist schlimmer als langweilige Hotellerie. Jeder versucht sich gerade zu positionieren“, sagt Frank Götze, der bei Dertour den Bereich Kurzreisen leitet. Auch er sieht einen Trend zu mehr Lokalkolorit: „Regionale Bezüge werden heute stärker umgesetzt.“ Stichwort Gastronomie: „Früher ist man ungerne ins Hotelrestaurant gegangen. Heute gibt es schöne Bars und Restaurants, wo Touristen und Einheimische zusammenkommen.“

Schaut man sich den gesamten Markt an, so sind die Lifestyle-Hotels aber noch eine Nische. Letztlich sei es nämlich doch die Kettenhotellerie gewesen, die Städtereisen so attraktiv gemacht hätte, erklärt Götze. Am Ende gilt oft noch: Preis schlägt Style.

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