Stadt wehrt sich gegen Cannabis-Tourismus

Barcelona will nicht Europas neues Kifferparadies sein

In Spanien gibt es rund 350 bis 500 Cannabis-Klubs – 300 davon allein in Barcelona. Sie nutzen eine rechtliche Grauzone, wonach Anbau und Konsum von Marihuana für den Eigenbedarf erlaubt sind. Die katalanische Stadt erlebt einen Kiff-Touristen-Boom, wie ihn einst Amsterdam zu verzeichnen hatte. Nun drängt die Politik auf eine klare Gesetzeslage – und versucht, den Cannabis-Tourismus einzudämmen.

Ein „Amsterdam mit Sonnenschein“ oder das „Amsterdam des Südens“: Die Ausbreitung von Cannabis-Klubs hat Barcelona Vergleiche mit der niederländischen Metropole eingebracht. Die Klubs, in denen Marihuana und Haschisch geraucht werden kann, waren in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Nach Schätzungen gibt es in ganz Spanien 350 bis 500 solcher Klubs, davon etwa 300 allein in Barcelona und der umliegenden Region Katalonien. Die Mitgliederzahl der katalanischen Klubs wird auf 165.000 beziffert, ihr Umsatz auf fünf Millionen Euro im Monat. Ihr Aufkommen verdanken die Cannabis-Klubs einer rechtlichen Grauzone: Zwar ist in Spanien der Handel mit weichen Drogen wie Marihuana und Haschisch unter Strafe gestellt, der Anbau für den Eigenbedarf und der Konsum werden aber geduldet.

Ein Mitglied der katalanischen Föderation der Cannabis-Vereine dreht sich einen Joint

Foto: Getty Images

„Kollektiver Eigenbedarf“

Die Klubs, die sich in Barcelona in der Altstadt konzentrieren, sind von außen kaum auszumachen. Sie tragen keine Hinweisschilder und keine Werbung. Im Innern sind einige beinahe luxuriös eingerichtet und erstrecken sich über mehrere Etagen, andere wirken eher spartanisch und beschränken sich auf einen Raum. Sie geben das Marihuana in begrenzten Mengen allein an Mitglieder aus. Es darf nur im Lokal geraucht werden. Die Klubs rechtfertigen sich damit, dass das Cannabis nicht kommerziell vertrieben, sondern für den „kollektiven Eigenbedarf“ angebaut werde und die Produktion daher nicht strafbar sei.

Ein Mitarbeiter stellt einem Klub-Mitglied die verschiedenen Cannabis-Sorten vor

Foto: Getty Images

Einige Vereine warben jedoch im Internet für sich, stellten großzügig Mitgliedsausweise aus und lockten „Cannabis-Touristen“ aus dem Ausland an. Dies schreckte die Stadtverwaltung von Barcelona auf, die um den Ruf der Mittelmeermetropole fürchtete. Um zu verhindern, dass die Stadt das Image eines Kifferparadieses erhält, erließ sie ein Moratorium, wonach für ein Jahr keine neuen Klubs zugelassen werden. 59 Lokale wurden seit dem vorigen Sommer geschlossen.

Maßnahmen zur Unterbindung des Cannabis-Tourismus

Das katalanische Gesundheitsministerium legte im Regionalparlament kürzlich Vorschläge zu einem Regelwerk vor. Danach darf es in der Nähe von Schulen keine Cannabis-Klubs geben, und die Mitglieder müssen wenigstens 18 Jahre alt sein. Marihuana rauchen darf nur, wer seit wenigstens zwei Wochen Mitglied ist. Damit soll der „Cannabis-Tourismus“ unterbunden werden.

„Dies ist ein großer Fortschritt“, sagte Jaume Xaus, Sprecher des Verbandes der Cannabis-Vereinigungen (FAC). „Die Behörden beginnen, unseren Sektor offiziell anzuerkennen.“ Allerdings lässt das Regelwerk vieles im Unklaren. Es sagt nichts über die Herstellung und den Transport des Cannabis aus. Dieser Bereich bleibt danach weiterhin in einer rechtlichen Grauzone. Viele Vereine beklagen, dass sie nicht wissen, welche Regeln sie einhalten müssen. „Die Lage der Cannabis-Klubs bleibt nebulös“, stellte die Zeitung „El Periódico de Catalunya“ fest.

Zum Verkauf: vorgedrehte Joints in einem Cannabis-Klub in Barcelona

Foto: Getty Images

Mehrheit der Spanier ist für eine Legalisierung von Cannabis

Nach einer Umfrage sind 52 Prozent der Spanier dafür, den Verkauf von Cannabis-Produkten zu legalisieren. Die Parlamente Kataloniens und des Baskenlands forderten die Regierungen der Regionen auf, eine gesetzliche Regelung für die Klubs zu schaffen. Die Regionalregierungen wagen sich aber nicht an das heiße Eisen heran – wohl auch, weil die Drogenpolitik in die Zuständigkeit des spanischen Zentralstaats fällt.

Die baskische Küstenmetropole San Sebastián preschte kürzlich vor und erließ als erste spanische Stadt ein Reglement für die Cannabis-Klubs. Allerdings ist fraglich, ob dies Bestand haben wird: Die Nationale Drogenbehörde (PNSD) trug der Staatsanwaltschaft auf, zu prüfen, ob der Stadtrat von San Sebastián seine Befugnisse überschritten hat.

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