Die Biennale in Istanbul

Entdecken Sie die Kunst am Bosporus

Manchmal ist die Kunst ihrer Zeit weit voraus. Als man im letzten Winter das Thema für die Biennale 2013 formulierte, ahnte niemand, dass dieses schon im Sommer auf die Straße gebracht werden sollte – von den Demonstranten, die lautstark gegen den Umbau des Gezi-Parks demonstrierten. „Wem gehört die Stadt?“ fragt die Biennale nun, die damit nie aktueller war.

Cornelia Tomerius Von Cornelia Tomerius

Derwische mit Gasmaske tanzen in der Menge, ein Mann steht stundenlang stumm auf einem Platz, ein paar Leute malen Treppenstufen in Regenbogenfarben an – keine Performances waren das, keine Kunst-Happenings, sondern: Protestaktionen. Selten haben Demonstrationen solche starken Bilder produziert. Bilder, gegen die ein Kunstwerk kaum ankommen kann.

Und genau das ist das Problem der Istanbuler Biennale, die im Sommer so überraschend von der Realität eingeholt wurde: Wie soll die Kunst an den Wänden wirken, während es auf der Straße brodelt?

Dennoch sollte jeder die Biennale besuchen, der dieser Tage in Istanbul ist. Denn die Schau macht deutlich, warum die Menschen in Istanbul auf die Straße gehen, welchen Verlust sie fürchten und warum sie keine neuen Shoppingcenter wollen. Und die Biennale schafft das, wofür die Demonstranten wohl noch lange kämpfen müssen: Sie bewahrt Orte vor dem endgültigen Verschwinden – so weit die Mittel der Kunst das vermögen.  

Vom Bulldozer platt gemacht

Sulukule zum Beispiel. Das alte Romaviertel im Istanbuler Stadtteil Fatih war einst berühmt für seine Musiker und Bauchtänzerinnen. Doch Sulukule gibt es nicht mehr, die Häuser wurden zwangsgeräumt und vom Bulldozer platt gemacht. Jetzt stehen hier schicke Townhouses – für Menschen, die sich die leisten können, die früheren Einwohner von Sulukule sind das nicht.

An dem verschwundenen Roma-Viertel zeigte sich zum ersten Mal die Brutalität, mit der die Regierenden ihren Stadtumbau forcieren – und hier formierte sich auch zum ersten Mal der Protest der Bevölkerung. Kein Wunder also, wenn Sulukule Thema gleich mehrerer Werke und Veranstaltungen ist. Das Video „Wonderland“ des türkischen Künstlers Halil Altindere gehört dazu – und ist eine der stärksten Arbeiten dieser Biennale.

Ein zweiter Bosporus

Etwas vor dem Verschwinden zu retten, war auch das Anliegen von Serkan Taycan. Er ist die Strecke des künftigen Istanbul-Kanals abgelaufen – einer Art „zweiten Bosporus“, der Schwarzes Meer und Mittelmeer verbinden soll und schon jetzt ein Symbol ist für den Größenwahn des Präsidenten. Zum 100. Geburtstag der Republik im Jahr 2023 soll der fertig sein, und mit ihm übrigens auch gleich noch zwei neue Millionenstädte. Von jedem der insgesamt 69 Kilometer des Kanals hat der türkische Künstler nun ein Bild gemacht – und  somit eine Landschaft vor dem Verschwinden dokumentiert.

Verschwinden dürfte wohl bald auch die Ausstellungshalle der Biennale Istanbul selbst. Antrepo no.3, das alte zur Kunsthalle umfunktionierte Hafengebäude, soll abgerissen werden und, so heißt es, einem Luxushotel Platz machen. Die Abrissbirne schwebt schon jetzt wie ein Damoklesschwert unheilvoll vor der Halle. Aber nein, die Birne – sie ist nur ein grüner Gummiball und: Kunst.

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Infos Istanbul-Biennale

Allgemein: 1987 fand die erste Biennale in Istanbul statt und hat sich seitdem – neben den Kunstschauen in Venedig, São Paulo und Sydney – zu einer der wichtigsten weltweit entwickelt.

Die Kunst:
88 Künstler und Gruppierungen aus der ganzen Welt präsentierten ihre Arbeiten über Veränderungsprozesse in Städten. Titel der Ausstellung: Mom, am I barbarian?

Ausstellungsorte: Antrepo no.3 im Hafen, SALT der Garanti Bank auf der Istiklal Caddesi, ARTER des Hauptsponsors Vehbi Koç auf der Istiklal Caddesi, die ehemalige griechische Grundschule in Galata und das unabhängige Kunstzentrum 5533 in Unkapan.

Geöffnet: bis zum 20. Oktober. Der Eintritt ist erstmals frei, womit die Biennale – ganz im Sinne der Ausstellung, die den öffentlichen Raum als politisches Forum thematisiert – selbst zum öffentlichen Raum erklärt wird.

Mehr Infos: Auf der offiziellen Webseite der Biennale Istanbul

Reise-Tipps Istanbul

Anreise: Flug nach Istanbul, etwa mit Turkish Airlines oder Lufthansa nach Atatürk Airport. Vom Flughafen fahren Busse der Gesellschaft Havas bis zum Taksim-Platz.

Beste Reisezeit:
Mai, Juni und September, Oktober. Im Hochsommer kann es sehr heiß und schwül werden, im Winter sehr kalt und wechselhaft.

Hotel-Tipp:
Das Grand Hotel de Londres mit seinen opulenten Kronleuchtern, Goldsesseln und Skulpturen aus osmanischer Zeit atmet Geschichte, DZ ab 70 Euro

Restaurant-Tipp: Das Straßenlokal „Ciya“ von Musa Dağdeviren im Fischmarkt von Kadıköy (Güneşlibahçe Sokak 43) ist eine Institution und weltbekannt. Hier gibt es traditionelle anatolische Küche. Ausgewählt wird vom Buffet oder einfach direkt aus dem Topf, der auf dem Herd brodelt. Es kostet kaum etwas.

Pauschal-Angebot:
3 Tage im Boutique-Hotel Arena, DZ/F inkl. Flug ab München mit Turkish Airlines 400 Euro p. P. (über L'tur, Stand 30.9.)

Termine und Events: Das englischsprachige Stadtmagazin „Time out Istanbul“ informiert über aktuelle Events und Veranstaltungen und ist am Kiosk erhältlich.

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