Verrückte Pläne!

Gibt es in Stockholm bald nur noch Insekten zu essen?

Ein schwedisches Architektenbüro will die Ernährungsgewohnheiten der schwedischen Hauptstädter revolutionieren. Der Plan: In Stockholm sollen riesige Insektenfarmen bald die gesamte Proteinversorgung der Stadt gewährleisten. Zehn dieser sogenannten „Buzzbuildings“ würden ausreichen.

Wer Grillen mit Essen in Verbindung bringt, denkt vermutlich an Feuerstellen und saftige Steaks, an üppige Fleischberge und oft nicht minder üppige Grillmaster. Grillen im zoologischen Sinn bringt man hierzulande allenfalls mit Essen in Verbindung, wenn sich die Bewohner des Dschungelcamps wieder etwas Ekliges einverleiben sollen und über undefinierbares Krabbeltier stutzen.

Anders in Stockholm. Hier soll die Grille bald sämtliches Grill- und anderes Fleisch ersetzen – und den gesamten Proteinbedarf der Stadt decken. So will es zumindest das Team um Stadtplanerin und Architektin Rahel Belatchew, die sich mit der Idee von der „Insektenstadt“ schon jetzt der Ernährungskrise der Zukunft stellt. Im Jahr 2050 nämlich, so rechnete sie jüngst der Zeitschrift „Spiegel“ vor, würden neun Milliarden Menschen auf der Welt leben – und diese könne man nicht mehr wie jetzt vorwiegend mit Fleisch ernähren.

Wie die Insektenstadt Stockholm konkret aussehen soll, ist auch schon klar. Die Architekten haben bereits einen Entwurf für die Insekten-Farmen vorgelegt und sich dafür von Außenskeletten von Insekten und Krebstieren inspirieren lassen. Weniger mikroskopaffine Bürger erinnern die gläsernen Bauten wohl eher an moderne Stadien wie die Allianz Arena in München oder einen überdimensionierten Donut – größenmäßig liegen sie irgendwo dazwischen und haben auf jeder Verkehrsinsel Platz.

Sieht ein bisschen aus wie ein gestrandetes Ufo: Entwurf einer Insektenfarm

Foto: Belatchew Arkitekter AB

Zehn dieser sogenannten „Buzzbuildings“ („buzz“ heißt summen oder schwirren), deren Entwurf im letzten Jahr schon mit dem renommierten Preis „Schwedens bestes Design“ ausgezeichnet wurde, könnten sich über die ganze Stadt verteilen und den Eiweißbedarf der fast 1 Million Menschen decken, die im Jahr 2018 in Stockholm laut Prognosen leben werden. Auch dürften die Insektenfarmen die Geräuschkulisse Stockholms bereichern. Dafür sorgen nicht zuletzt auch die Bienenvölker, die im geschützten Innenhof der Glasringe eine neue Heimat finden und somit vor dem Aussterben gerettet werden sollen.

Mögliche Standorte der Insektenfarmen in Stockholm

Foto: Belatchew Arkitekter AB

Transparenz ist den Entwicklern übrigens nicht nur aus ästhetischen Gründen wichtig. Die Insektenfarmen sollen offen für alle sein und auch die letzten Skeptiker überzeugen: Besucher können den Grillen nicht nur beim Aufwachsen zusehen und im angeschlossenen Restaurant leckere „Grillteller“ ordern, sondern in einer Ausstellung auch erfahren, warum man besser Insekten isst als Schwein oder Rind.

So brauchen diese zum Beispiel sehr viel weniger Futter. Sind für die Produktion von einem Kilo Steak 10 Kilo Futter und reichlich Wasser notwendig, könne man mit der gleichen Futtermenge neunmal so viel Kilo essbarer Insekten produzieren. Die Kaltblütler setzen nämlich einen viel größeren Teil der Nahrung in Körpermasse um. Aber nicht nur Ressourcen, auch die Umwelt würde geschont, geben Grillen doch bis auf ihr Gezirpe wenig sonst an die Außenwelt ab – im Gegensatz zu flatulierenden Rindern und Schweinen.

Was man aus 10 Kilo Futter so herausbekommt

Foto: Belatchew Arkitekter AB

Außerdem sei der Geschmack der Grille gar nicht mal so übel – nämlich kross und nussig, wie eine Mischung aus Shrimps und Mandeln. In einigen Ländern gelten Grillen als Delikatesse. Auf dem Speiseplan stehen Insekten in fast 100 Ländern, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in einem Bericht von 2013 betont. Vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika ernährt man sich gern kleinteilig. Doch auch in Amerika und Europa kommt man langsam auf den Geschmack: In den USA werden bereits Kekse und Energieriegel aus Grillenmehl gemacht. Und im Noma in Kopenhagen, einem der besten Restaurants der Welt, stehen gar Ameisen auf dem Menü.

Der etwas andere Grillteller: In vielen Ländern kommen die Insekten ganz selbstverständlich auf den Tisch

Foto: getty

Doch werden die Schweden tatsächlich bald ihre Ernährung auf Insekten umstellen? Grillen statt Kötbullar, Larven statt Elch? Oder sind derartige Visionen nur Grillen im Kopf überambitionierter Stadtplaner? Noch müssen die Stockholmer überzeugt werden. Die Stadtplaner indes sind zuversichtlich. Zwei Milliarden Menschen auf dieser Erde essen bereits Insekten. Da sollte es doch möglich sein, ein paar hunderttausend Schweden zu überzeugen.

Klarer Sieger im Vergleich der Nährwerte ist die Grille

Foto: Belatchew Arkitekter AB

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