Olavsweg in Norwegen

Das ist die skandinavische Alternative zum Jakobsweg

Die Norweger sind nicht unbedingt bekannt dafür, dass sie ständig in die Kirche gehen. An Ostern, zum Beispiel, ziehen sie sich lieber mit einem Krimi in ihre Hütte zurück – was der hiesigen Buchbranche das Genre des „Osterkrimis” und reichlich Gewinn bescherte. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet in Norwegen neuerdings gepilgert wird – und zwar mit wachsendem Enthusiasmus. Eine Ortsbegehung auf dem Olavsweg.

Cornelia Tomerius Von Cornelia Tomerius

Als Ingrid Meslo vor ein paar Jahren im Haupthaus ihres Bauernhofs die ersten Gästezimmer einrichtete, hatte sie an Lachsfischer gedacht, die in den umliegenden Flüssen einen guten Fang machen – und abends eine Schlafstatt brauchen. Mit den Pilgern hatte sie nicht gerechnet.

Kein Wunder. Zwar gibt es den Olavsweg, die nordeuropäische Alternative zum Jakobsweg, seit gut tausend Jahren. Doch nach der Reformation geriet er in Vergessenheit. Bis 1953 war es sogar auf Strafe verboten zu pilgern. Erst seit 1997 wird der alte Pilgerweg von Oslo nach Trondheim langsam wiederentdeckt, gehen immer mehr Menschen auf den alten Pfaden zum Dom nach Trondheim.

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Ingrid Meslo vor einer der Holzhütten, die sie zur Herberge umgebaut hat

Foto: C. Tomerius

Berichte über Wunder in der Nähe von Olavs Grab

Dort liegt der Heilige Olav begraben, der König, der Norwegen einst einte, dann christianisierte und in der Schlacht bei Stiklestad im Jahr 1030 den Tod fand. Zum Heiligen wurde er, als ihm nach seinem Tod Haare und Fingernägel wuchsen und die Haut so rosig schimmerte, als wäre er gerade erst auf die Welt gekommen und nicht bereits vor Monaten von ihr gegangen.

Auch wurden in der Nähe seines Grabes allerhand Wunder beobachtet, konnten Krüppel laufen, Blinde sehen, Taube hören. Das sprach sich herum. Bald machten sich Kranke von überall her auf den Weg nach Trondheim, in der Hoffnung auf Heilung. Wer heute herkommt, sucht hingegen eher sein Seelenheil.

„2004 stand der erste Pilger im Hof, aus England kam er”, erinnert sich Ingrid Meslo, die in den Jahren danach auch die Blockhütten, in denen einst Vorräte lagerten, zur Herberge ausbaute. 2011 machten 200 Pilger auf Meslo Gard Station, im letzten Jahr sogar schon mehr als 300.

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Da fällt der Aufbruch schwer: Kaffee und Kuchen in Ingrids warmer Stube

Foto: C. Tomerius

Reichlich Raum, um nachzudenken

Ob sie alle tatsächlich gleich am nächsten Tag weiterlaufen?, fragt man sich. Oder ob nicht so mancher der Versuchung erliegt, ein paar Tage einfach hierzubleiben. Zu idyllisch ist die Anlage. Zu entgegenkommend die junge Gastgeberin. Und spätestens wenn Ingrid in der geheizten Stube den Kuchen auf den Tisch stellt, den die Tante gebacken hat, und dazu den Apfelsaft serviert, den eine Nachbarin aus eigener Ernte gepresst hat, möchte man glatt vom Weg abkommen.

Doch es geht weiter. Kleine rote Holzscheite weisen den Weg, der durch Wälder führt, vorbei  an Wiesen und Weiden, und ab und an einen Blick gewährt tief ins Tal. Durch kleine Ortschaften geht es und vorbei an Holzhäusern, die mit dem Gras auf dem Dach aussehen, als hätten sie sich einfach aus dem Boden geschoben und die Wiesenmütze niemals abgeschüttelt.

Viel Platz ist zwischen Häusern und Hütten, zwischen Hügeln und Tälern, zwischen Kirchen und Orten – reichlich Raum für all die Fragen, die daheim im Alltag kaum welchen haben.  Oder auf einmal zu viel bekamen. Laufend suchen die Pilger nun nach Lösungen, als würden diese in den Bäumen baumeln wie die abgelatschten Wanderstiefel, die einer an den Schnürsenkeln in die Äste hängte.

Karten oder Navis braucht man nicht: Einfach immer den kleinen roten Schildern folgen

Foto: C. Tomerius

Das entspannte Verhältnis der Norweger zur Kirche

Rast in Rennebu. In dem kleinen Ort hat sich eigens eine kleine Gesellschaft gegründet, deren fünf Mitglieder – vier Frauen und ein Mann – den Pilgern mitunter sogar direkt unter der Kanzel ihrer schönen Holzkirche in Y-Form Waffeln mit Moltebeeren auftischen. Hier zeigt sich einmal mehr, wie entspannt das Verhältnis der Norweger zu ihrer Kirche ist.

Es ist sogar mehr als entspannt: Viele haben mit der Kirche einfach nichts am Hut. Ostern, zum Beispiel, ziehen sich die Norweger lieber mit einem Krimi auf ihre Hütte zurück, statt in der Kirche den Erlöser zu feiern – was der Buchbranche das Genre des „Osterkrimis” und reichlich Gewinn bescherte.

Wie passt da Pilgern in dieses Land? Es passt hervorragend! Denn wenn Norweger wandern gehen, und das tun sie oft und ausgiebig, dann hat es schon fast etwas Religiöses, wie sie sich der Natur nähern und ihr huldigen – und dabei ganz bei sich sind. Im Prinzip, könnte man meinen, haben Norweger das Pilgern erfunden – zumindest diese neuzeitliche Variante, in der es eher um Spirituelles statt streng Religiöses geht.

Typischer Anblick auf dem Olavsweg: Holzhaus mit Grasmütze

Foto: C. Tomerius

Ein 5000 Kilometer langes Pilgernetzwerk

101 Kilometer sind es von Rennebu bis nach Trondheim. Insgesamt 100 Kilometer muss man auf dem 5000 Kilometer langen Pilgerstreckennetz zurückgelegt haben, um im Pilgerzentrum in Trondheim eine Urkunde zu bekommen. Teilstrecken werden addiert. Wer keine 100 auf einmal schafft, kann im nächsten Jahr weiterlaufen.

Rund 5000 Kilometer umfasst das Pilgernetzwerk

Foto: dpa picture alliance

Wer bei Liv Aastad auf der Kleivan-Farm in Buvika, 22 Kilometer von Trondheim entfernt, einkehrt, hat es fast geschafft. Die frühere Managerin kann sich wie Ingrid ganz genau an ihren ersten Pilger erinnern. Nur: Überraschend kam der nicht. Im Gegenteil, Liv hat zwei Wochen auf ihn gewartet. 2007 hatte sie ihren Job an den Nagel gehängt und zusammen mit ihrem Mann Gästezimmer für Pilger in der Scheune installiert. Die ersten, die hier einkehrten, bekamen das Abendessen noch im privaten Wohnzimmer serviert.

Heute führt Liv ihre Gäste in einen kleinen Pavillon am Ende des Grundstücks, von dem man einen malerischen Blick über einen Seitenarm des Trondheimfjords genießt. Um ein Kaminfeuer in der Mitte nehmen die Wanderer Platz und bekommen selbst gefangenen Fisch mit Gemüse und Kartoffeln serviert.

Fährmann John Wanvik rudert die Pilger über den Fluss

Foto: C. Tomerius

Zur letzten Herberge auf der Strecke von Oslo nach Trondheim kann man nicht laufen. Ein Fluss kreuzt den Weg und ein Fährmann rudert die Gäste ans andere Ufer. 50 Kronen nimmt er für die Überfahrt – vorausgesetzt, man möchte die Nacht nicht in seiner Herberge verbringen.

Und das ist nicht nur deswegen ratsam, um die Fährkosten zu sparen. Sondern vor allem, weil die Herberge von John Wanvik etwas von einer Puppenstube hat, den Rest von einem Heimatmuseum, und der Aufenthalt dort auf jeden Fall ein Erlebnis ist. Sogar König Haakon und Mette-Marit haben hier schon Station gemacht.

Ziel fast erreicht: Blick auf den Dom in Trondheim

Foto: C. Tomerius

Noch 19 Kilometer bis Trondheim. Und als wüsste der Nidarosdom, was von ihm erwartet wird, zeigt er sich gleich beim ersten Mal malerisch im Tal liegend, mitten in der Stadt, die selbst einem Großstädter plötzlich sehr laut vorkommt. Schon deswegen möchte man nur noch eines: ankommen. Im Dom. Auf der Bank. Bei sich.

Doch, ist man nicht schon lange da?

Pilgern auf dem Jakobsweg

Die Routen: Die nordischen Pilgerwege zum Nidarosdom bestehen aus einem Routennetzwerk von ca. 5000 km, davon sind etwa 2000 km in Norwegen. Mehrere Routen führen aus Südnorwegen, Schweden und Nordostschweden nach Trondheim. Als erste ausgebaut wurde die Strecke von Oslo nach Trondheim. Detaillierte Tourvorschläge gibt es hier.

Beste Pilgerzeit: Die Hauptsaison für Pilgerwanderungen in Norwegen geht vom 1. Juni bis zum 1. September. Im Hochgebirge kann die Saison aufgrund von Wetterverhältnisse wie Schnee und Schneeschmelze variieren. Wer außerhalb der Saison wandert, sollte sich im Voraus bei den verschiedenen Herbergen und Pilgerzentren über die Öffnungszeiten und die Wetterverhältnisse auf dem Pilgerweg informieren.

Tipps für den Olavsweg

Vorbereitung: Auf einer Pilgerwanderung legt man schon mal 20 bis 30 Kilometer am Tag zurück. Deswegen ist es wichtig, vorher ein bisschen zu trainieren. Man sollte die Schuhe unbedingt einlaufen und sich auch an den Rucksack schon mal gewöhnen. Unterwegs: immer wieder dehnen und strecken, um beweglich zu bleiben und sich nicht zu überlasten.

Ausrüstung: Festes Schuhwerk (möglichst knöchelhoch) und verschiedene Paar Socken, einen Rucksack mit Brust-und Hüftgürtel (bei mehr als 6 Kilo Gepäck), Schlafsack und Isomatte (nicht jede Hütte oder Herberge bietet Bettzeug und Decken), einen Wanderstab, Reisehandtücher aus Mikrofaser, Blasenpflaster sowie eine Stirn- oder Taschenlampe, um sich gegebenenfalls im Dunkeln orientieren zu können. Eine Packliste gibt es zudem hier.

Planen unterwegs: Am besten ruft man zwei oder drei Tage vorher bei der nächsten Herberge an, um sein Kommen anzumelden und die Übernachtung zu buchen. Der Proviant für den Tag sollte drei Mahlzeiten entsprechen, da man zuweilen an keinem Lebensmittelgeschäft vorbeikommt und manche Geschäfte am Wochenende geschlossen haben.

Kleider waschen: In einigen, aber nicht allen Herbergen kann man seine Kleidung waschen lassen. Daher sollte man Waschmittel in Portionstüten dabei haben, um auch selber waschen zu können.

Die Region: Trondheim und somit die letzten Etappen auf dem Olavsweg liegen in der Region Trondelag. Informationen über Unterkünfte und Sehenswertes gibt es hier.

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