Dubiose Pläne in Norwegen

Was wollen die Chinesen auf Spitzbergen?

Island hat den Investor aus China einst abgewimmelt, in Norwegen konnte er nun landen: Im Norden kaufte Huang Nubo ein großes Stück Land, für einen Fjord auf Spitzbergen wird er nun mehr als 4 Millionen Dollar bieten. Hier wie da wolle er Tourismus betreiben. Doch viele vermuten ganz andere Absichten des Chinesen.

Bevor man ein Stück Land ersteigert, sollte man es sich vielleicht ein bisschen genauer anschauen. Vor allem, wenn es mehr als 200 Quadratkilometer sind, man darauf ein Luxus-Resort plant – und mal eben vier Millionen Dollar und mehr dafür locker machen möchte. Doch Huang Nubo, Investor aus China , scheinen die Details gar nicht so sehr interessiert zu haben.

„Ich wusste nicht, dass es dort so viel Eis gibt”, zitierte ihn der norwegische Rundfunksender NRK, der wissen wollte, wer das Stück Land auf Spitzbergen, das einer wohlhabenden norwegischen Familie gehört und seit Jahren zum Verkauf steht, wohl bald bekommen wird. Bleibt zu hoffen, dass der Chinese zumindest weiß, dass auf Spitzbergen vier Monate lang die Sonne gar nicht, dafür vier Monate lang wiederum fast ununterbrochen scheint. Und dass es hier noch Eisbären gibt, die auch regelmäßig Touristen attackieren.

Ja, auf Spitzbergen gibt es viel Eis. Etwa am Smeerenburg-Gletscher

Foto: getty

Andererseits schürt die Unkenntnis des Chinesen nur einmal mehr den Verdacht, dass es den Investoren aus dem Land des Lächelns nicht ausschließlich um den Tourismus geht, den sie als Grund für die Landnahme nennen – wie erst vor wenigen Tagen auch bei dem Grundstück in Seljavika, gut eineinhalb Stunden von Tromso entfernt, am Lyngenfjord.

Hier will der Chinese für seine reichen Landsleute ein 5-Sterne-Luxusresort bauen, und die norwegischen Verkäufer des Landstücks feierten den Deal als große Errungenschaft. Bringe das Bauprojekt doch eine Perspektive für die Region – und der einheimischen Wirtschaft neue Aufträge. „Er wolle den Chinesen die Möglichkeit geben, die arktische Stille und saubere Luft zu erfahren“, sagten Nubos norwegische Geschäftspartner über die Absichten des Chinesen.

So schön ist es in der Gegend von Lyngen, 1,5 Autostunden von Tromso entfernt

Foto: getty

Island lehnte Angebot von Nubo ab

Doch in Skandinavien glauben nicht wenige, dass da weit mehr dahinter steckt. Das Engagement der Chinesen in der Arktis wird hier sehr skeptisch gesehen. In Island zum Beispiel, wo der Chinese im Jahr 2011 rund 300 Quadratkilometer kaufen wollte, hatte man – trotz angespannter finanzieller Lage – dem Chinesen das Land nicht überlassen. Zwar wollte er hier offiziell ein Tourismus- und Golfresort hinsetzen, doch man konnte nicht ausschließen, dass am Ende vielleicht nicht doch eher ein Hafen dort entsteht, oder gar – eine Marinebasis.

Man vermutete geostrategische Interessen im Namen der chinesischen Regierung – Nubo ist Mitglied der kommunistischen Partei und war zehn Jahre lang im Propagandaministerium –, auch wollte man nicht so ein großes Stück Land an nur einen einzigen, zudem nichteuropäischen Investor abtreten. Der zuständige Innenminister Islands, Ögmundur Jónasson, lehnte den Deal daher ab.

Bodenschätze und neue Handelsrouten im Norden

In der Tat sind geostrategische Absichten nicht von der Hand zu weisen. Denn hier im hohen Norden dürften bald neue Handelsrouten entstehen – dann nämlich, wenn das Eis im Zuge der Erderwärmung geschmolzen ist. Spätestens 2040 dürften die Sommer im Ozean eisfrei, die Wege gut passierbar sein. Und diese wiederum könnten den Handelsschiffen viel Zeit sparen. So verkürzt die Nordostpassage entlang der russischen Küste die Entfernung zwischen Shanghai und Hamburg – im Vergleich zur herkömmlichen Route über die Straße von Malakka und den Suezkanal – um etwa 6400 Kilometer, die Reisezeit um über eine Woche.

Longyearbyen auf Spitzbergen, hier möchte sich der Chinese einkaufen

Foto: getty

Doch nicht genug: Wenn das Eis erst einmal weg ist, kommt man auch an diverse wertvolle Bodenschätze heran – Öl, Gas, Gold, Diamanten, Zink und Eisen. Unter dem Grundstück auf Spitzbergen, für das sich Nubo interessiert, dürften zum Beispiel schon viele Millionen Tonnen Kohle lagern. Bleibt abzuwarten, ob hier dann tatsächlich ein Hotel entsteht, oder die Chinesen auf einmal ganz andere Pläne verfolgen.

Aber vielleicht wird ja tatsächlich ein Hotel gebaut. Spitzbergen zumindest ist – Eisbären und extreme Lichtverhältnisse hin oder her – ein fantastisches Reiseziel. Die Landschaft ist großartig, die Geschichte spannend, die Fauna einzigartig. Allerdings: Mit der Eisschmelze geht es auch den einheimischen Tieren an den Kragen. Denn mit steigenden Temperaturen kommt es häufiger zu kräftigem Regen, der dann am Boden gefriert und somit einen Eispanzer bildet, der Pflanzenfresser wie Rentiere und Schneehühner von ihrer Nahrung trennt. Vom Eisbären, der schon lange um sein Überleben kämpft, mal ganz zu schweigen.

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Wussten Sie, dass...

... es in Norwegen etwa 400 verschiedene Trachten gibt? Bunad, wie die traditionelle Tracht heißt, bedeutet übersetzt „Kleidung”.


... es im Norwegischen ein eigenes Wort für den 24-Stunden-Tag gibt? Døgn heißt der Tag, an dem es so gut wie nie dunkel wird. Døgnvill nennt man einen Menschen, der dadurch seinen Tagesrhythmus vollends verloren hat.


... dass der Braunkäse, „geitost“ oder „brunost“ genannt, aus Ziegenmolke hergestellt wird? Der beliebte Aufschnitt schmeckt leicht nach Karamel und ist eins der Dinge – so verspricht es die Verpackung – das „Norweger zu Norwegern macht“.


... die Norweger schon vor 4000 Jahren auf Skiern standen? Zumindest legt dies eine Felszeichnung nahe, die man in Norwegen fand. „Ski“ ist denn auch Norwegisch und bedeutet so viel wie „Scheit“, welcher damals wohl als Skistock herhalten musste.


... die schmalste Stelle Norwegens 4,3 Kilometer misst?

Bloss nicht...

... glauben, dass die alten Wikinger einst Hörner auf ihren Helmen trugen. Das war eine Kopfgeburt Richard Wagners, der vermutlich die Wikinger mit den Kelten verwechselt hat, die zuweilen tatsächlich Hörner auf ihren Helmen hatten.


... Schwedenwitze reißen, in der Annahme, die wären in Norwegen so populär wie bei uns Witze über Ostfriesen. Das sind sie tatsächlich. Aber wann haben sie zuletzt über einen Ostfriesenwitz gelacht? Eben. In Norwegen kursieren Schwedenwitze höchstens noch unter Schulkindern.


... die Nase rümpfen, wenn Ihnen ein Norweger von seiner Hütte in den Bergen vorschwärmt, die weder Strom noch Wasser hat und das Klo draußen vor der Tür. Die spartanische „hytte“ ist nämlich der Traum jedes Norwegers, der hier in aller Ruhe der Naturliebe und dem Asketismus frönt – oder dem „norwegischen Buddhismus“, wie der Schriftsteller Per Petterson die Rückzugsmentalität seiner Landsleute nannte.


... wundern, wenn Sie jemand schief anschaut, weil Sie das Licht in unbenutzten Räumen ausknipsen. Norweger sind nicht unbedingt als Stromsparer bekannt, sie verbrauchen etwa achtmal mehr Strom als Deutsche.


... glauben, dass der Alkohol in Norwegen gar nicht so teuer sein kann, da man ständig von betrunkenen Elchen hört, die besoffen in Apfelbäumen dösen oder vor Schulen randalieren. Aber Alkohol ist tatsächlich sehr teuer in Norwegen und auch nicht zu jeder Zeit überall zu haben – weshalb sich vielleicht mancher Tourist wünscht, er könnte es halten wie ein Elch – und sich an gegärten Äpfeln besaufen.

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