Künstliche Insel vor der Stadt

Venedig plant Schutzwall gegen Kreuzer

Bei vielen Kreuzfahrtreisen durch Europa zählt ein Stopp in der Lagunenstadt Venedig zu den Top-Highlights. Doch die Stadt ist in Sorge, denn die Kolosse, die sich tagtäglich durch die Lagune und den Canal Grande schieben, bedrohen die Umwelt, die einzigartige Bausubstanz – und sind darüber hinaus eine Gefahr im ohnehin regen Schiffsverkehr in den Kanälen. Jetzt will die Stadt den Kreuzfahrtriesen durch den Bau einer künstlichen Insel die Einfahrt verwehren.

Schon länger wird in Venedig darüber diskutiert, wie man das Problem mit den Kreuzfahrtschiffen lösen könnte. Täglich fahren sie in die Lagune ein, vorbei am Markusplatz (Piazza San Marco) und am historischen Zentrum durch den Canale della Giudecca. Zurzeit ist es für große Schiffe der einzige Wasserweg, um zum Schiffsterminal im Westen des historischen Zentrums zu gelangen.

Viele Probleme durch die Kreuzer

Nicht wenige der Kreuzfahrtschiffe sind höher als die höchsten Gebäude der Stadt. Viele Venezianer empfinden die Kolosse als Schandflecke in der einzigartigen Architektur der Stadt, die Beschwerden häufen sich. Aber es ist nicht allein der für viele unschöne Anblick der Kreuzer, welcher der Stadt zunehmend Sorge bereitet: Experten zufolge verschmutzen die Schiffe mit ihrem Öl das Meerwasser und verschlimmern die Erosion an den empfindlichen Fundamenten, auf denen die Stadt gebaut ist. Immerhin navigieren die Kapitäne wenige hundert Meter am Ufer vorbei, um den Passagieren den besten Blick auf den Markusplatz zu bescheren.

Ganz schön nah: ein Kreuzfahrtschiff in Venedig

Foto: Getty Images

Bei vielen wecken die derart nah an den Häusern vorbeifahrenden Kreuzfahrtschiffe schlimme Erinnerungen an die Havarie der Costa Concordia vor der Insel Giglio im Januar 2012. Der Kapitän war damals zu nah an die Küste geraten und hatte einen Felsen gerammt – das Schiff schlug Leck, 32 Menschen starben. Zum Glück ist Venedig trotz der engen Bebauung bislang von Tragödien wie diesen verschont geblieben.

Wie bekommt man die Schiffe aus der Stadt?

Wie es zur Zeit ist, kann es nicht bleiben – das hat man in Venedig schon vor Jahren erkannt. Die Hafenbehörde hatte zunächst vorgeschlagen, den Einfahrtsweg in die Lagune für die Schiffe zu verlegen: Statt durch die Bocca di Porto an der Nordspitze des Lido könnten sie im Süden durch die Bocca di Porto Malamocco fahren, um dann über den Canale Contorta Sant'Angelo zum Schiffsterminal zu gelangen. Im Prinzip eine gute Idee – doch der Vorschlag traf letztlich auf viel Kritik. Wie die Zeitung „La Stampa“ berichtet, müsste der neue Schifffahrtsweg erst vertieft werden. Experten schlugen wegen der möglichen Einflüsse auf das Ökosystem der Lagune Alarm, und auch die Kosten wären immens.

Jetzt sorgt ein neuer Vorschlag für Furore: Man müsse den Kreuzfahrtschiffen von vornherein die Einfahrt in die Lagune verwehren, meint Cesare De Piccoli, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister von Venedig und Vizeminister. Wie „La Stampa“ berichtet, soll dazu außerhalb des Lido eine künstliche Insel gebaut werden, mit einem neuen Terminal, an dem bis zu fünf Kreuzfahrtriesen gleichzeitig festmachen können. Von dort sollen die Passagiere mit Katamaranen ins historische Zentrum Venedigs gebracht werden. Dauer: 55 bis 60 Minuten.

„Venis Cruise 2.0“ heißt das Projekt, für das ein Ingenieurbüro bereits konkrete Pläne vorgelegt hat. 128 Millionen Euro soll der Bau der künstlichen Insel kosten und könnte innerhalb von zwei Jahren realisiert werden.

Das Projekt wäre eine Gratwanderung für Venedig, schließlich läuft man Gefahr, die für die Stadt äußerst lukrative Kreuzfahrtbranche zu vergraulen. Für die Passagiere ist es das Highlight schlechthin, auf dem Kreuzer an der Piazza San Marco vorbeizugleiten – eine bessere Sicht auf den historische Kern Venedigs hat man von nirgendwo sonst. Dieses Spektakel würde den Touristen keineswegs genommen, halten die Initiatoren von „Venis Cruise 2.0“ dagegen. Die Katamarane, die bis zu 800 Passagiere gleichzeitig aufnehmen könnten, würden dieselbe Route nehmen wie aktuell die Kreuzfahrtschiffe: vorbei an San Marco.

„Es ist die logischste Lösung“, sagte Renato Bodi, ein Sprecher des zuständigen Ingenieurbüros Duferco, der britischen Zeitung „The Telegraph“. „Es würde die großen Kreuzfahrtschiffe aus der Lagune von Venedig verbannen und es den Passagieren trotzdem erlauben, die wundervolle Ankunft zu Wasser zu erleben.“ Dem Unternehmen zufolge haben bereits viele venezianische Politiker ihre Unterstützung für das Projekt signalisiert, ebenso wie Umweltexperten. Man hoffe auf eine Entscheidung der italienischen Regierung innerhalb der nächsten zwei Monate.

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