Adventsbummel in alten Passagen

Die versteckten Einkaufs-Oasen von Paris

Sie überlegen, ihre Weihnachtsgeschenke dieses Jahr stilvoll in Paris zu kaufen? Doch weil Sie die Stadt (etwas) kennen, suchen Sie Alternativen, schon um dem vorweihnachtlichen Massenansturm in Konsumtempeln wie dem pompösen „La Fayette“ zu entkommen? TRAVELBOOK hätte da eine Empfehlung – geheimnisvolle, glasüberdachte Einkaufspassagen! Dauer: drei Stunden für 3 Kilometer – ideal für Regentage!

Von Dirk Müller-Thederan

Zumeist gut versteckt auf dem rechten Seine-Ufer (rive droite) sind die denkmalgeschützten „Passages couverts“ (überdachten Passagen) architektonische Meisterwerke und vor allem Oasen der Stille im allgegenwärtigen Weihnachtstrubel. Wir nehmen Sie mit auf einen nostalgischen Adventsbummel – im Preis inbegriffen das 19. Jahrhundert im Wandel der Zeit!

Ein Tipp: Etwas Suchen braucht es dann und wann, denn manch’ Eingang ist nicht immer leicht zu erkennen, doch dafür kommt man – von der Überquerung einiger Straßen abgesehen – einigermaßen trocken und vom Pariser Verkehr unbeschadet zum Flanieren und Einkaufen.

Vorsicht: Einige sind am Sonntag komplett geschlossen!

Die Tour beginnt in der gut versteckten Galérie Vero Dodat (Métro Louvre-Rivoli) in der 19, Rue Jean-Jacques Rosseau: Errichtet 1826 während der Restauration von zwei betuchten Metzgern namens Benoît Véro und Dodat, bewahrt die neoklassizistische Passage bis heute viel von ihrem alten Dekor. Mattweiße Kugelleuchter erinnern daran, dass damals die Gasbeleuchtung sensationell Einzug hielt. Heute elektrisch, erhellen sie schwach die 100 Meter lange Passage, den Boden schmücken schwarz-weiße Marmorplatten, die Decken abwechselnd Gemälde und Glasflächen. Wer ausgefallenes Schuhwerk sucht, ist gleich am Anfang richtig!

Das helle und nostalgische Restaurant Le Café de l’Epoche am Ende (bzw. am Anfang) macht seinem Namen alle Ehren. Ebenso lohnt ein Blick zurück am Aus- bzw. Eingang in der 2, Rue Bouloi: Dort wachen Skulpturen von Merkur (römischer Gott der Händler) und Herakles (griechischer Gott der Stärke).

Gleich drei solcher Ladenpassagen finden sich – via der Rue Montesquieu – zwei Straßen weiter, wobei sie streng genommen keine solchen sind, sondern offene Arkaden. Doch die Galeries du Palais Royal (Eingang 5, Rue de Valois) gelten als Prototypen der späteren „Passages“.

In der Galerie de Montpensier an der Ostseite des Königlichen Palastes weht der Hauch der Geschichte: Hier nahm am 13. Juli 1789, drei Jahre nach Galerieeröffnung, die Revolution im einstigen Café de Foy (bis 1854) ihren Weg; nebenan bei Bacqueville kann man sich bis heute mit Medaillen und Orden der Ehrenlegion eindecken.

Gegenüber, an der Westseite entlang der Galerie de Valois, finden sich teure Galerien, Designerläden (Stella McCartney; Didier Ludot – La Petite Robe Noire), edle Handschuhe im „Maison Fabre“ und kurz vor dem Ausgang exklusive Düfte bei „Les Parfum des Rosine“.

Über die Galerie de Beaujolais geht es durch die kurze Passage du Perron. An die Schriftstellerin Colette erinnert eine Gedenktafel, die hier ihr Buch über die deutsche Besatzung – „Paris durch mein Fenster“ (1946) – schrieb. Die kleine Rue de Beaujolais überquerend liegt schräg gegenüber die Stufen hoch die winzige Galerie des Deux-Pavillons mit einem Spielzeugladen und einem Musikgeschäft.

Schräg gegenüber am Ausgang 4, Rue des Petits Champs, liegen die vielleicht schönsten und deswegen meistbesuchten Ladenpassagen von Paris. Links die Galerie Colbert. Heruntergekommen und bis in die 1980er-Jahre als Autowerkstatt missbraucht, gehört die 1826 eröffnete und mittlerweile wieder erstrahlende Passage heute zur Universität Paris. Läden gibt es daher keine, doch ein Abstecher lohnt sich: Am Ende der Galerie spannt sich eine eindrucksvoll schöne gläserne Kuppel (Tipp für Cineasten: Im Restaurant „Le Grand Colbert“ – Eingang über 2, Rue Vivienne – wurde ein Szene aus dem Film „Was das Herz begehrt“ mit Diane Keaton und Jack Nicholson gedreht).

Einige Schritte rechts daneben liegt der Eingang zur elegantesten Ladenpassage, der Galerie Vivienne. Eindrucksvoll renoviert und geschmückt mit Sternenmosaiken und Reliefs ist die 1823 gebaute und 176 Meter lange Passage die feudalste ihrer Art. Am Eingang bietet die alteingesessene Weinhändlerfamilie Lucien Legrand stilvoll Wein und andere Köstlichkeiten an. Einen wahren Traum von Orchideen bietet der schöne Blumenladen zwischen Nr. 29 und 33.

In der Librairie Ancienne & Moderne gibt es alte Bücher und Karten, um die Ecke lockt der Kinderladen Si tu veux. Gegenüber zeigt Mode-Enfant-terrible Jean-Paul Gaultier seine extravaganten Kreationen.

Um zur nächsten Ladenpassage zu gelangen, bedarf es (leider) eines rund 400 Meter langen Wegs ohne Glasdach entlang der Rue des Petits Champs. Dafür könnte schon der Eingang beim Haus Nr. 40 gegensätzlicher nicht sein: Die schmale Passage Choiseul ist, kurz gesagt, bodenständig und fernab herausgeputzter Schönheit. Aber gut für einen schnellen Einkauf von Secondhand-Mode, Schuhen, Taschen und Modeschmuck und einen Snack im asiatischen Imbiss.

Für den offenen Spaziergang zur nächsten Einkaufspassage entschädigt ein Blick auf die imposante Börse von Paris, wenn mal so will: die Mutter allen Handels. Nicht weit von ihr, in der Rue St. Marc, muss man sich entscheiden: Eltern links bis zur Rue de Richelieu, Kinder rechts bis zur Nr. 97 in die hübsche Passage de Princes – ein Paradies für die Kleinen! Playmobil, Lego – nichts außer Spielsachen. Zu Weihnachten packt die Armée du Salut (Heilsarmee) die Geschenke gegen einen Obolus ein.

Mehr Ruhe findet sich rechts (10, Rue St. Marc) in der verwinkelten Passage des Panoramas. An vielen Ecken bröselt der Putz, durchziehen Risse das alte Mauerwerk, wurde die Passage doch bereits anno 1800 gebaut. Sie ist damit mit die älteste überdachte Ladenstraße von Paris. Sie erhielt als erste eine Gasbeleuchtung (1817). Mit ihren abzweigenden Galerien – Feydeau, Montmartre, St. Marc, Variétes – ist die Passage ein kleines (angestaubtes) Labyrinth.

Aber mit vielen Kleinoden, etwa süße bunte Vogel-Ohrringe bei hemingbird, Briefmarken- und Postkartengeschäften oder dem hübschen und beliebten Lokal L’Arbre à cannelle (Zimtbaum) mit seinem üppigen ockerfarbenen Stuck. Die Außentische sind mittags sehr begehrt! Auch das Théâtre des Variétés – bis 2004 geführt von Jean-Paul Belmondo, der dort auch oft auftrat – lohnt einen Blick.

Am Ausgang heißt es: Ohren und Nase zu, aber Augen auf, denn der Boulevard Montmatre erinnert den Besucher daran, dass der Verkehr in Paris mörderisch sein kann. Immerhin: Für 2 Euro à 10 Stück gibt es frisch geröstete Maronen am Straßenrand.

Gegenüber angekommen in der Passage Jouffroy, betritt der Besucher die vielleicht romantischste Ladengalerie. Dafür sorgen schon das charmante Hotel Chopin (EZ ab 64 Euro, Dreier-Zimmer 140 Euro plus Frühstück 7,50 Euro), das wunderliche Wachsfigurenkabinett des Musée Grévin oder der wunderbare Spezialladen für Spazierstöcke der Brüder Segas (ab 100 Euro), wo auch Maler Henri de Toulouse-Lautrec seine vornehme Gehhilfe erstand. Kinderherzen schlagen in den Spielwarengeschäften La Boite à Joujeux höher (mit Miniaturen Pariser Häuserzeilen, Louis de Funès als Gendarm von St. Tropez) oder im reizenden Pain d’Epices (handgefertigte Puppen).

Gegenüber des Ausgangs endet der Bummel schließlich in der Passage Verdeau, der vielleicht ruhigsten Ladenpassage. Freunde antiquarischer Comics von Tintin (Tim und Struppi) und Asterix und Obelix werden in dieser bescheidenen Galerie fündig, ebenso Liebhaber von Stickereien (Le Bonheur des Dames) und von Kuriositäten (Cabinet des Curieux). Und sollte das Verlangen des deutschen Besuchers auf Currywurst fern der Heimat überhand nehmen: Das deutsche Restaurant Le Stube schafft hier rasch Abhilfe!

P.S. Ist die Lust an überdachten Einkaufspassagen nicht gestillt: Bei der Metro-Station Étienne Marcel (Linie 4) liegt in der nahe gelegenen Rue Saint Denis (Nr. 145) der Eingang zur wunderschönen Passage du Grand Cerf: Liebevoll restauriert mit holzvertäfelten Wänden ist sie die vielleicht nostalgischste aller versteckten gläsernen Passagen der Stadt! Abseits gelegen, weiter nördlich auf der Rue St. Denis, verstecken sich mit der Passage du Caire (Nr. 239), der Passage du Ponceau (212) und der Passage Lemoine (Nr. 230) weitere Einkaufspassagen.

Wussten Sie, dass...

... die Metropolregion von Paris sich über eine Fläche von 14.518 Quadratkilometer erstreckt, was in etwa der Größe Schleswig-Holsteins entspricht?


... in Paris etwa 300.000 Hunde gehalten werden, die täglich bis zu 20 Tonnen Kothaufen auf die Boulevards setzen?

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