Wenn der Hase zweimal klingelt

Ostern verpasst? Hier können Sie noch feiern!

Noch nicht genug von Osterlämmern und bunten Eiern? In Griechenland, Bulgarien und anderen Ländern wird Ostern nach christlich-orthodoxer Tradition dieses Jahr erst am 12. April gefeiert. Travelbook verrät, wo Sie jetzt noch Eier finden und welche schönen und seltsamen Bräuche Sie dort erwarten.

Osterfans dürfen sich gleich doppelt freuen: Wer jetzt nach Zypern, Russland, Bulgarien, Rumänien oder Griechenland reist, kann das Freudenfest am kommenden Wochenende noch einmal erleben – und zwar mit besonderen Traditionen, die vom Eierkampf bis zum Picknick auf dem Friedhof reichen. Denn in Ländern mit christlich-orthodoxer Tradition wird das Osterdatum nach einem anderen Kalender berechnet als in Deutschland: dem unreformierten julianischen. Bis zu fünf Wochen können orthodoxes und lateinisches Osterfest auseinander liegen. Dieses Jahr findet es eine Woche später als bei uns statt – Zeit, um noch schnell hinzufahren!

Auf der griechischen Insel Chios beschießen sich in der Nacht zum orthodoxen Ostersonntag zwei Dörfer mit rund 60.000 Feuerwerksraketen

Foto: dpa

Das Große Fasten

Während wir uns in Deutschland schon die Mägen mit Schokohasen und bunten Eiern vollgeschlagen haben, wird in christlich-orthodoxen Ländern noch gefastet. „Das Große Fasten“ (Russland) oder „Das strenge Fasten“ (Bulgarien) beginnt vierzig Tage oder sieben Wochen vor Ostern und ist tatsächlich hart. Neben Alkohol und Fleisch sind vielerorts auch andere Genüsse tabu: Milch und andere tierische Lebensmittel, Süßigkeiten und sogar Sex.

Aufsehen erregend: Karfreitagsprozession in Griechenland

Foto: Getty Images

Wichtiger als die körperliche Reinigung ist nämlich die geistige. Die russische Kirche verbietet daher auch böse Gedanken in der Fastenzeit. Menschen, die von den strengen Essensregeln ausgenommen sind – darunter Schwangere und stillende Frauen, schwer Kranke, Bauarbeiter, Soldaten und Reisende – sollten zum Ausgleich noch mehr an ihrer geistigen Reinheit arbeiten. Auf Muscheln müssen Griechen übrigens auch in der Fastenzeit nicht verzichten: Da sie angeblich kein Blut haben, darf man sie essen.

Blutrote Eier am Donnerstag

In Bulgarien ist es Tradition, am Donnerstag vor Karfreitag die Eier kunstvoll selbst zu färben. Diese Aufgabe überträgt die Herrin des Hauses, traditionellerweise die Großmutter, gerne einem künstlerisch begabten Familienmitglied, während die anderen Frauen weitere Vorbereitungen für das Fest treffen. Wichtig ist, dass das erste Ei rot ist. Mit diesem Objekt zeichnet die Oma dann ein Kreuz auf die Stirn der anderen Familienmitglieder – eine Art Segnung für ein glückliches, gesundes Jahr.

Zu schön zum verstecken: kunstvoll bemalte bulgarische Ostereier

Foto: Getty Images

Auch in Griechenland werden die Eier am so genannten „Großen Donnerstag“ rot gefärbt. Die Farbe, ein Symbol für das Blut Jesu, aber auch für Lebenskraft, Auferstehung und Gesundheit, ist im christlich-orthodoxen Brauchtum typisch für Ostereier und auch in Russland sowie anderen Ländern verbreitet. Lange suchen muss man die Eier dort nicht: Das orthodoxe Ostern kennt weder das Verstecken von Eiern noch den dazu nötigen Osterhasen.

Dornenkränze und Grabtücher

Beim Gottesdienst der Kreuzigung bringt in Griechenland jeder einen Dornenkranz mit in die Kirche. Ein großes Holzkreuz wird durch den Raum getragen und mit dem Epitaphios abgedeckt, einem Tuch, das die Totenklage am Grab Jesu darstellt und sein Grabtuch symbolisiert. Am „Großen Freitag“ wird es auf eine mit Blumen geschmückte Bahre gelegt, mit aromatisiertem Wasser besprenkelt, mit weiteren Blumen beworfen und schließlich in einer Prozession durch die Straßen getragen.

Kerzenrituale bei der Ostermesse

Spätabends am Samstag beginnt dann die feierliche Ostermesse, die sich über mehrere Stunden bis in den Ostersonntag hinein zieht. In Russland versammeln sich die festlich gekleideten Gläubigen in der noch dunklen Kirche, die eine finstere Welt ohne das Licht Gottes symbolisiert. Der Patriarch und die Geistlichen tragen spezielle weiße Gewänder als Zeichen, dass jetzt die schreckliche Zeit des Fastens und der Trauer vorbei ist.

Vorbeugung gegen Festtagsspeck: In Bulgarien läuft man mit dem heiligen Licht um die Kirche herum

Foto: Getty Images

Der Patriarch, der in jeder Hand eine Kerze mit dem Licht der Auferstehung hält, gibt die Flamme an die Kirchgänger weiter. Wenn um Mitternacht das Glockengeläut Christi Auferstehung verkündet, ziehen die Menschen mit ihren Kerzen und Freudengesang in einer feierlichen Prozession umher. In Bulgarien gehen die Menschen mit ihren Kerzen drei Mal gegen den Uhrzeigersinn um die Kirche. Je öfter die Kerze dabei vom Wind ausgeblasen ist, desto öfter hat der Gläubige gesündigt – was aber nicht schlimm ist, da Jesus als Lamm Gottes  für alle gebüßt hat.

Eierkämpfe und Rußkreuze

In Griechenland tragen die Kirchgänger die heilige Flamme nach Hause. In einer Öllampe unter der Familienikone brennt sie dann weiter. Mit dem Ruß zeichnen sie ein Kreuz über die Haustür.

Auch in Russland versucht man zu Ostern, die Eier der Tischgenossen durch Aneienanderschlagen zu zerstören

Foto: dpa

Ihre verzierten Ostereier bringen Bulgaren wie Griechen oft schon zur Nachtmesse mit, um sie untereinander zu verschenken und ein Spiel zu spielen, das sich „Nase gegen Nase, Hintern gegen Hintern“ nennt: Zwei Spieler schlagen ihr jeweiliges Ei mit den Spitzen oder den Enden zusammen, bis eines kaputt geht. Dieses Ritual wird die ganzen Osterfeiertage hindurch weiter gespielt. Wer ein unzerstörbares „Kampfei“ hat, bewahrt es bis zum nächsten Osterfest im Kühlschrank auf. In Bulgarien wird es dann vergraben, in Griechenland ins Lamm-Grillfeuer geworfen.

OsterSchlemmen auf dem Friedhof

Nach der langen harten Fastenzeit ist dann ab dem 12. April in allen christlich-orthodoxen Ländern Osterschlemmen angesagt. Die Griechen starten mit der traditionellen Ostersuppe „Majiritsa“ mit Lamm-Innereien, ab Mittags wird am Spieß gegrillt. Auch in den anderen Ländern steht das Wollwesen als christliches Symbol auf dem Festtisch, dazu Gebäck wie Tsoureki (Griechenland), Kulitsch (Russland) oder Kozunak (Bulgarien und Rumänien) sowie die Frischkäse-Speise Paskha.

Griechisches Osterbrot, traditionell geschmückt mit roten Eiern

Foto: Getty Images

In Russland versammeln sich Familien getreu des österlichen Erlösungs­verheißens „Das Grab ist leer“ am Ostersonntag gerne auf dem Friedhof, um am Grab von Angehörigen zu picknicken – möglicherweise ein Brauch aus der Sowjetzeit, als der Kirchgang nicht so einfach war wie heute.

Alternative in Deutschland

Wer keinen Last-Minute-Flug mehr buchen möchte, um am kommenden Wochenende Ostern auf diese oder andere Weise noch einmal zu feiern, kann dies übrigens auch in Deutschland tun: In Berlin gibt es unter anderem russisch-orthodoxe, rumänisch-orthodoxe und bulgarisch-orthodoxe Gemeinden.

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Wussten Sie, dass...

... man auf Zypern Ostern mit zum Teil skurrilen Wettbewerben feiert, z. B. mit Sackhüpfen, Eierlaufen und Eselswettlauf? Vor allem in der Region um Paphos kann man dem skurrilen Treiben beiwohnen.


... der Karneval in Limassol legendär ist?


... eines der interessantesten Schiffswracks vor der Südküste Zyperns liegt? 1980 sank hier der schwedische 12-Tonnen-Frachter Zenobia mit seinen 104 Lkw an Bord.


... die weltweit größte Halbmondfahne auf Zypern weht? Und zwar auf dem Gebiet der selbsternannten „Türkischen Republik Nordzypern“ im Norden der Insel, am Südhang des Pentadáktylos-Gebirge.


... der Halloúmi für die Zyprer das ist, was den Franzosen ihr Baguette und den Italienern die Pizza ist? Der „Nationalkäse“ aus Schafs-, Ziegen- und Kuhmilch ist Grundnahrungsmittel.


... Lefkosía die letzte geteilte Hauptstadt ist? Am Checkpoint in der Ledrastraße im Zentrum verspürt man tatsächlich so etwas wie ein Berliner-Mauer-Gefühl.

Wussten Sie, dass...

... das Meer mit seinen über 9000 Inseln drei Viertel des griechischen Hoheitsgebietes ausmacht? Nur ein Viertel entfällt auf das Festland.


... es am Karsamstag auf Korfu Brauch ist, Tontöpfe von Balkonen und aus Fenstern auf die Straße zu werfen?


... Kaiserin Sissi eine der ersten Touristinnen auf Korfu war? Elisabeth von Österreich besuchte die Insel zweimal jährlich, um ihren Urlaub in ihrem Palast Achilleion zu verbringen.

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