Darum lohnt sich ein Trip nach Alentejo

Die (noch) unbekannte Seite von Portugal

Wer an Portugal denkt, hat sogleich die Algarve im Sinn, die Hauptstadt Lissabon natürlich, vielleicht noch Porto und das Douro-Tal im Norden. Aber kaum jemand kennt die Region Alentejo im Herzen Portugals – zu Unrecht! Traumhafte Landschaften, mittelalterliche Städte, vorzügliche Weine und der größte Stausee Europas sind nur einige der Gründe, warum sich ein Trip dorthin lohnt.

João Rolha hat seine eigene Theorie zum Ursprung der portugiesischen Weintradition. „Vieles deutet darauf hin, dass hier im südlichen Alentejo die Wiege unseres Weines zu finden ist“, sagt der junge Mann vom Tourismusamt in Mértola in der Provinz Alentejo. Das könnte stimmen. Von den Mauren abgesehen, annektierte eine Wein trinkende Nation nach der anderen das einstige südliche Lusitanien. Wenn Rolha seine Gäste also zu einer Bootstour auf dem Río Guadiana einlädt, dann schippert man auf einer einst dicht befahrenen Handelsroute zum Mittelmeer.

An den Ufern des Guadiana werden noch heute uralte Amphoren aus der mineralhaltigen Erde geborgen, die auf eine lange Weintradition hinweisen. Amphoren, wie sie noch immer von den kleinen Weingütern bei der Traubenveredelung genutzt werden – wie vor 2000 Jahren.

Mértola mit der Festungsburg. Die kleine Stadt liegt am Fluss Guadiana

Foto: dpa / Michael Juhran

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, deren Reben noch keine zehn Sommer gesehen haben. Die einstige Kornkammer Portugals kehrt als Weingegend zu ihren Wurzeln zurück.

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Der größte Stausee Europas

Noch etwas überrascht in dieser Gegend, die von der Sonne verwöhnt ist und in der Vergangenheit immer wieder von Dürren geplagt wurde: der 250 Quadratkilometer große Alqueva, der größte künstliche Stausee Europas. Ein Wasserspeicher, den der Guadiana von 2002 bis 2010 gefüllt hat. Er bewässert heute auch die jungen Weingüter.

Der Alqueva ist der größte künstliche Stausee Europas. Er bewässert etwa 120.000 Hektar Land, wovon auch die jungen Weingüter profitieren

Foto: Getty Images

Als die Staumauer fertig war, brach auf dem Landgut Herdade do Sobroso wenige Kilometer südlich des Betondammes ein neues Zeitalter an. In den von Pinien, Olivenbäumen und Korkeichen geprägten Bergen der Serra de Portel pflanzten Nuno Teixeira Dias und seine Mitarbeiter die ersten Reben an. Mittlerweile gedeihen auf 52 Hektar sechs Rotweinsorten und drei Weißweinvarianten. „470.000 Flaschen füllen wir jährlich ab“, sagt der Winzer und stellt eine Flasche des roten Sobroso Cellar Selection auf den Tisch. Mit diesem Wein gewann er eine der begehrten Goldmedaillen auf der Londoner Weinmesse.

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Wein-Agrotourismus

Seit acht Jahren teilt Teixeira Dias seine Begeisterung für den Wein und die Landschaft mit Gästen aus aller Welt, die im Internet auf sein kleines agrotouristisches Landgut mit elf Gästezimmern stoßen. Bei einem Glas Wein auf der Terrasse mit Familie, Freunden und Gästen den Sonnenuntergang genießen – das ist für Teixeira Dias der schönste Lohn.
Noch jünger ist die Geschichte des Wein-Agrotourismus in der etwas südlicher gelegenen Herdade do Vau. Seit 2013 können es sich Gäste in den Apartments des Weingutes gemütlich machen und bei viel Sonne in den Pool oberhalb der Weinfelder eintauchen oder den Vögeln zusehen.

Joacna Bonanca und João Matos betreuen die Gäste auf dem Weingut Herdade do Vau

Foto: dpa / Michael Juhran

Rund herum reifen Syrah-Trauben sowie die einheimischen Sorten Touriga Nacional, Alfrocheiro und Sousão. Trotz der jungen Rebstöcke überraschen die Weine mit ihrem kräftigen Ausdruck. Emsiger als auf den kleinen Weingütern geht es in der Casa de Santa Vitória nahe Beja zu. Hier hat die Hotelgruppe Vila Galé in den vergangenen 15 Jahren den Agrotourismus aufgebaut. Es gibt 76 Zimmer, acht Suiten. Das Anbaugebiet hat 1620 Hektar. Weinexperte Robert Parker verlieh dem Grande Reserva Tinto 2009 erstmals 88 Punkte.

Eine Gasse im mittelalterlichen Städtchen Estremoz im Westen des Alentejo

Foto: Getty Images

Unberührte Strände

Das Alentejo hat übrigens auch traumhafte Strände, die sich kilometerweit die Küste entlangziehen. Hier ist es fast genauso schön wie an der ungleich bekannteren Algarve, nur unberührter sind die Strände und Buchten, es gibt nur wenige Hotels. Wer hier herkommt, schläft in kleinen Pensionen oder Ferienwohnung, auch einige schöne Campingplätze gibt es. Ein großer Teil der südlichen Küste wird vom einem Nationalpark eingenommen, dem Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina. Hier kann man wunderbar Wandern oder Reiten oder Fahrradfahren. Und natürlich gibt es überall frischen Fisch.

Anreise und übernachtung

Anreise: Ab Deutschland geht es nonstop nach Lissabon, zum Beispiel mit Air Berlin oder TAP Portugal. Noch näher ist Faro im Süden Portugals, das ebenfalls von mehreren Airlines angeflogen wird. Am besten man nimmt sich von dort einen Mietwagen.

Übernachtung: Doppelzimmer auf den Weingütern sind ab 120 Euro pro Nacht zu haben. Es lohnt sich, Abendessen und Weinverkostung hinzu zu buchen. Stilvolle Zimmer in ehemaligen Klöstern sind je nach Saison ab etwa 90 Euro pro Nacht zu haben.

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