Schönes Apulien!

Warum Italiens Stiefelabsatz unbedingt eine Reise wert ist

Apulien ist eine wunderbare Region an Italiens Stiefelabsatz – und trotzdem gerade in der Nebensaison vom Massentourismus völlig verschont. Unser Autor hat die verwinkelten Altstädte erkundet, eine 90 Millionen Jahre alte Schönheit entdeckt – und gibt darüber hinaus auch Tipps für Ihren Trip dorthin.

Von Robin Hartmann

Lieben Sie das nicht auch? Angekommen am lang ersehnten Urlaubsziel finden Sie heraus, dass es nicht das einzige Juwel in der Umgebung ist, das es zu entdecken gibt. So ging es mir, als ich kürzlich am Flughafen von Bari auf Italiens Stiefelabsatz landete, in der Region Apulien. Hier gibt es verträumte Dörfer, endlose Olivenhaine, atemberaubende Steilküsten, romantisch verwinkelte Altstädte zum Verlaufen und Verlieben, die wohl beste Focaccia der Welt, frischen Fisch und Meeresfrüchte und unglaublich nette Leute. Nur eines gibt es in der Nebensaison kaum: andere Touristen. Es scheint fast, als gehöre ganz Apulien nur einem allein.

Die Rundreise beginnt am Hauptbahnhof von Bari, den man vom Flughafen aus bequem per Bus oder Bahn erreicht. TRAVELBOOK-Spartipp: Wenn Sie Zeit haben, gehen sie zum Abschnitt „Departures“ und nehmen Sie dort den Linienbus. Er kostet nur 1 Euro und braucht gerade einmal 10-15 Minuten länger nach „Bari Centrale“ als die 5 Euro teure Bahn. Von hier sind es nur zehn Minuten Fußweg in die Altstadt, die teilweise noch von einer alten Burgmauer umschlossen ist. Die Sträßchen und Gassen sind so labyrinthartig, dass man sich fast automatisch verläuft. Macht aber nichts, denn überall gibt es etwas zu entdecken.

Die Altstadt von Bari ist ein wunderbares Labyrinth aus kleinen Sträßchen und Gassen – da verläuft man sich gerne mal

Foto: Robin Hartmann

Eine 90 Millionen Jahre alte Schönheit

Und herrscht in den Gassen eine wunderbare Ruhe, so explodiert das Leben auf den zentralen Piazze, den Plätzen, förmlich: ein Rausch der Primärfarben, überall bunte Markisen, brechend volle Wäscheleinen, mittendrin – wie hineingemalt – die Italiener, laut und lustig und lebensfroh. Überall wird caffè getrunken, an jeder Ecke duftet es nach etwas anderem Unbekannten. Staunen Sie über die prachtvollen Kirchen, machen Sie einen Spaziergang am nahen Meer oder besuchen Sie die alte Burg, das Castello Svevo di Bari, in dem herrliche Ausgrabungsschätze ausgestellt sind. Unbedingt besuchen sollten Sie auch eine der vielen „Salumerie“, wo man für wenig Geld ein frisches Panino oder eine Focaccia bekommt, belegt mit Wurst, Schinken und/oder Käse aus der Region. Die bereits erwähnten Piazze erwachen vor allem abends zum Leben, wenn man hier unter Einheimischen in kleinen Bars gute und günstige Drinks genießen kann.

TRAVELBOOK-Spartipp: Nutzen Sie das Bus- und Bahnnetz in Apulien. Zu all meinen Zielen habe ich jeweils höchstens eine halbe Stunde gebraucht und maximal 3,20 Euro pro Strecke bezahlt. Zum Vergleich: In Bari hätte ein Mietwagen für sechs Tage 300 Euro gekostet.

Mit der Bahn geht es also weiter nach Castellana Grotte, einem Ort, in dem Besucher eine etwa 90 Millionen Jahre alte Schönheit erwartet. Die Grotte di Castellana ist eine derart atemberaubende Tropfsteinhöhle, dass jeder Versuch, sie auch nur ansatzweise mit Worten zu beschreiben, absolut lächerlich wäre.

Die Tropfsteinhöhle in Castellana ist ein etwa 90 Millionen Jahre altes Naturwunder. Hier staunt unser Autor ungläubig über die Schönheit der sogenannten “Weißen Höhle“

Foto: Robin Hartmann

Unter der Erde erwartet Besucher auf zwei verschiedenen Strecken die Wanderung ihres Lebens. Millionen Jahre alte Stalagtiten und Stalagmiten türmen sich in den Höhlen zu bizarren Formationen wie aus einem Fiebertraum auf. Staunend erschließt man Höhle für Höhle, bis die Führung schließlich in der Grotta Bianca gipfelt, der weißen Höhle – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Der Eintritt plus Führung mag zwar anfangs mit 15 Euro (ermäßigt: 12 Euro) ziemlich happig erscheinen, lohnt sich aber unbedingt.

Polignano a Mare ist vor allem wegen seiner Steilküste bei Urlaubern wie Einheimischen sehr beliebt. Viele Häuser schmiegen sich, wie hier zu sehen, in die Klippen

Foto: Robin Hartmann

Der wohl romantischste Ort in der Region um Bari ist Polignano a Mare, wo das Meer mit Urgewalt gegen die raue Steilküste brandet und nicht wenige der Häuser sich scheinbar an die Klippen zu klammern scheinen. Für eine Rundreise in der Region ist Poligano ein perfekter Ausgangspunkt, und das Bed & Breakfast „Paluada“ mit dem freundlichen Hausherren Paolo empfiehlt sich als Abenteuer-Zentrale. Sauber, gemütlich, mit eigener Küche und bis zu zwei Balkonen kostet eine Nacht hier in der Nebensaison 20 Euro; 30 Euro wären es inklusive Frühstück im benachbarten Eiscafé „Irvi’s“, das ebenfalls einen Besuch wert ist. Das „Paluada“ wurde auch durch Tripadvisor mit einem Exzellenz-Zertifikat ausgezeichnet.

Kurz vor der Altstadt, nur zwei Minuten die Straße runter, wartet die nächste Perle: die „Salumeria Bruno e Maria“, die die Eheleute Bruno und Maria schon seit 50 Jahren betreiben. Insgesamt gibt es den Tante-Emma-Laden, in dem man sich gegenseitig mit Küsschen begrüßt, seit 1890. Bruno belegt alle Panini und Focaccie mit sehr viel Liebe, die Wartezeit versüßt einem Maria, indem sie einen regionale Wurst- und Käsespezialitäten probieren lässt oder einfach drauflosplaudert. Sprachbarriere hin oder her, hier kommuniziert man sowieso mehr mit Händen und Mimik, auf jeden Fall versteht man sich.

Bruno betreibt seinen Laden gemeinsam mit seiner Frau Maria seit 50 Jahren. Hier bekommt man das beste Frühstück in ganz Polignano – und jederzeit ein freundliches Gespräch

Foto: Robin Hartmann

Invasion zum Valentinstag

Auch Polignano hat eine wunderbare kleine Altstadt und einen spektakulären Spazierweg an der Küste entlang. Und wenn man von einem langen Tag voller Entdeckungen müde ist, wartet das Restaurant „La Botte“ mit leckerem Essen – probieren sie die „Grigliata Mista Pesce“, die gemischte Fischplatte. Junge Leute treffen sich abends zum Essen in der „Pescaria“, eine Art Schnell-Imbiss, allerdings mit gesalzenen Preisen. Im „Infermento“ kann man anschließend gutes italienisches Craft Beer trinken und dazu Blues hören – oder man trinkt einen Cocktail im „Beija Flor“ auf der Piazza vor der großen Kathedrale.

Tipp: Wenn Sie hier nur einen Tag hier verbringen wollen, besuchen Sie Polignano a Mare unter der Woche – am Wochenende war die Stadt so brechend voll mit Besuchern, dass man am liebsten flüchten möchte. Besonders schlimm war das Ganze am Valentinstag, als gefühlt sämtliche Verliebte Italiens Polignano überfielen, um überall (!) gestellte Paar-Selfies zu machen.

Die Altstadt von Polignano ist neben der steilen Küste die Hauptattraktion der Stadt. Verträumte kleine Gassen und wunderbare Ausblicke aufs Meer genießt der Besucher in der Nebensaison dennoch fast allein.

Foto: Robin Hartmann

Wenn die Sonne scheint, und das ist in Apulien im März wahrlich keine Seltenheit, legt man sich am besten mit einem Handtuch an den schönen Stadtstrand und genießt die Wärme. Eine weitere sehenswerte Stadt in der Umgebung ist Monopoli, jedoch muss man sich hier erst einmal vom Bahnhof durch die relativ farblose Innenstadt kämpfen, bis es romantisch wird. Auch hier bietet die Altstadt enge verwinkelte Gassen zum Verlieren und Wiederfinden, und besonders der Hafen mit dem Castello di Carlo V ist sehenswert. Glanzvoll ist auch die Cattedrale Maria Santissima della Madia.

Die Promenade am Meer lädt in Monopoli zu Spaziergängen ein. Hier befindet sich auch das Castello di Carlo V, und die Altstadt liegt gleich um die Ecke.

Foto: Robin Hartmann

Ein 600 Jahre altes Schlumpfdorf

Von Monopoli aus führt eine einstündige Busfahrt nach Alberobello, das anmutet wie das zum Leben erwachte Dorf der Schlümpfe. Die sogenannten Trulli, die charakteristischen runden Steinhäuser der Region, sind eine der ganz großen Attraktionen Apuliens: ein UNESCO-Weltkulturerbe und teilweise schon etwa 600 Jahre alt. In der denkmalgeschützten Altstadt findet man so viele davon wie nirgends sonst an einem Ort in Apulien, sogar eine Kirche wurde in dem Trulli-Baustil errichtet – ein einmaliger Anblick und besonders für Paare ein romantischer Ausflug. Ein wenig zerstört wird die Magie durch die Tatsache, dass wirklich jeder Laden den selben Souvenir-Ramsch zu Überpreisen anbietet. Wer es darauf anlegt, kann sich hier wohl einem amtlichen Kater antrinken, denn jeder Ladenbesitzer versucht Touristen mit Schnapsverkostungen regionaler Liköre zu locken.

Die sogenannten Trulli-Häuser sind UNESCO-Weltkulturerbe und eine absolute Sehenswürdigkeit. Im alten Stadtkern von Alberobello findet man die meisten dieser bis zu 600 Jahre alten Steinhäuser.

Foto: Robin Hartmann

Auch Ostuni, genannt„La Città Biancha“, also die weiße Stadt, ist einen Besuch wert, denn entsprechend des Titels sind hier wirklich fast alle Gebäude weiß. Besonders beeindruckend ist dieses Panorama aus der Ferne, da Ostuni noch dazu auf einem Berg liegt, der wohl früher einmal zum Schutz der Stadt vor Feinden gedient hat. Für ein paar Stunden lohnt sich die Erkundung des Städtchens allemal.

Ostuni wird auch die „Weiße Stadt“ genannt, und beim Anblick der alten Stadtmauer kann man sich problemlos vorstellen warum.

Foto: Robin Hartmann

Gleiches gilt für das kleine Nest Mola di Bari, das im Schatten seiner großen Schwester Bari am Meer liegt. Ein Spaziergang an der Strandpromenade lädt zum Verweilen ein, ein kleiner verträumter Hafen, ein paar Gässchen Altstadt, schon hat man hier alles gesehen. Obwohl, nicht ganz, da wäre noch der zentrale Platz der Stadt mit seinem schönen Brunnen und der Kirche, auf dem man an einem ruhigen Tag schon mal ein heißumkämpftes Fußball-Match der Stadtjugend beobachten kann. Zum Abschluss noch ein letzter caffè im „Master’s Pub“ und eine ultimative Geste italienischer Freundlichkeit: Als ich mich nach der Kaffee-Sorte erkundige, die mir besonders gut geschmeckt hat, schenkt mir der Kellner kurzerhand einen ganzen Becher voll mit dem Kaffeepulver für Zuhause. Salute Italia, du warst fantastisch!

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