Bergamo in der Lombardei

Italiens schönster Geheimtipp!

Wer in Italien auf dem Flughafen Orio al Serio landet, der will für gewöhnlich nach Mailand. Näher liegt aber Bergamo – und das ist ein echter Glücksfall, denn märchenhafter könnte eine Stadt kaum sein. TRAVELBOOK hat diese versteckte Perle für Sie entdeckt.

Von Robin Hartmann

Haben Sie bei einem Städtetrip schon einmal das Gefühl gehabt, mitten in einem Märchenbuch gelandet zu sein? So könnte es Ihnen ergehen, wenn Sie einen Flug mit einem Billiganbieter zum norditalienischen Flughafen Orio al Serio buchen, eigentlich nach Mailand wollen – und sich stattdessen (oder zusätzlich) für Bergamo entscheiden. Als ich kürzlich für drei Tage in Italien war, wusste ich quasi nichts über Bergamo, bis auf ein paar Informationen, die ich vorher bei Tripadvisor eingeholt hatte.

Was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Blick. Ich wage zu behaupten, dem Charme der engen romantischen Gassen, der monumentalen Kirchen und des quirligen Lebens auf der Straße werden auch Sie sich nicht entziehen können.

Schon alleine die Landung auf dem Flughafen ist ein Erlebnis, denn Bergamo liegt eingerahmt von einem traumhaften Alpenpanorama, und schon von Weitem übt die „Città Alta“, also der auf einem Berg gelegene obere Teil der Stadt, eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Die „Città Alta“ bezeichnet gleichzeitig auch die Altstadt von Bergamo, in der einige historische Gebäude noch aus dem 12. Jahrhundert erhalten geblieben sind – ohne dabei etwas von ihrer Faszination zu verlieren, im Gegenteil.

Dieses herrliche Alpenpanorama erwartet Bergamo-Besucher an einem schönen Tag – zu dieser einmaligen Kulisse kommt noch eine märchenhafte Stadt

Foto: Robin Hartmann

Wer den Aufstieg in die Oberstadt zu Fuß auf sich nimmt, wird schon vor der eigentlichen Sightseeing-Tour mit wunderbaren Ausblicken belohnt, denn die Gegend rund um Bergamo ist abseits der Berge so flach, dass man endlos in die Ferne schauen kann. Folgt man den Schildern und dem Straßenverlauf ins Stadtzentrum, erwartet einen vor den Toren Bergamos das gepflegte Restaurant „La Marianna“, wo man wunderbar frühstücken und echten italienischen Kaffee trinken kann.

Über ein altes steinernes Tor, die Porta San Alessandro, betritt man dieses wunderbare Labyrinth aus kleinen Gassen und Sträßchen, und egal wohin man auch läuft, man hat nie die Angst, sich verlaufen zu können. Im Gegenteil, ein wohliges Entdecker-Gefühl stellt sich bald ein, wenn man an schrulligen, winzigen Läden vorbeischlendert. In deren Schaufenstern wird handgemachte Pasta angeboten, typische Wurst- und Käsesorten aus der Region, die unvermeidliche Pizza oder unwiderstehlich aussehende und duftende Naschereien. Bergamo ist ein wahres Fest für die Sinne: sehen, schmecken, riechen, hören, fühlen, die Seele schaltet einfach ab und man lässt sich treiben.

Romantische alte Gassen und Sträßchen sind Wahrzeichen von Bergamo

Foto: Robin Hartmann

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Spätestens auf der Piazza Vecchia läuft dann zum ersten mal die Kamera heiß, wenn man versucht, die wunderbare alte Bibliothek oder den Torre del Gombito für die Daheimgebliebenen richtig in Szene zu setzen. Auf diesen mehr als 50 Meter hohen alten Kirchturm kann man auch hinauf, entweder über enge Treppen, oder einen Fahrstuhl, der hier laut Plakette bereits 1960 eingebaut wurde. Ich selbst muss ja immer auf Aussichtspunkte klettern, denn von oben bieten sich oft die berauschendsten Perspektiven – trotzdem rate ich Ihnen, sich dieses sprichwörtliche Highlight bis zum Abend aufzuheben. Den Sonnenuntergang von hier oben zu beobachten ist einfach unvergleichlich schön.

Der Blick auf den Doumo di Bergamo, von der Aussichtsplattform des Torre del Gombito aus gesehen

Foto: Robin Hartmann

Die benachbarten Kirchen Doumo di Bergamo, Capella Colleoni und die Basilica di Santa Maria Maggiore beeindrucken schon von Außen durch ihre Größe und die aufwendigen Bildhauereien, doch innen entfalten die in Gold gefasste Pracht und die Decken-Fresken eine derartige Wucht, dass es einem die Sprache verschlägt. Gut so, denn solche heiligen alten Orte sollte man auch im Stillen genießen. Auf der Piazza Mercato delle Scarpe treffe ich dann Lara, die in einer winzigen Imbissbude Polenta verkauft, ein Essen, dass einem hier auf Schritt und Tritt begegnen wird, auch auf den Speisekarten der teuersten Restaurants. „Früher war das ein Arme-Leute-Essen“, erklärt sie lachend in gebrochenem Italo-Englisch. „Polenta hat hier seit Jahrhunderten Tradition.“ Ich bestelle mir die aufgepimpte Variante, überbacken mit gleich 5 Käsesorten – der Brei aus Maisgries, der mich anfangs so überhaupt nicht ansprechen wollte, ist überraschend lecker, und vor allem sättigend.

Der wunderschöne Blick vom Castiglio La Rocca über die Dächer von Bergamo

Foto: Robin Hartmann

Gut gestärkt geht es anschließend weiter zum Castiglio La Rocca, einer Felsenfestung, die majestätisch über der Stadt thront. Von dem schönen alten Burg-Park aus hat man eine spektakuläre Aussicht auf die gesamte umliegende Region, doch wer noch höher hinaus möchte, steigt gegen ein geringes Entgelt von 3 Euro auf die Burgmauern. Von hier aus hat man einen wirklich beeindruckenden Ausblick über die Dächer der Stadt bis zum Horizont.

Eigentlich gehört zum Pflichtprogramm in Bergamo auch eine Fahrt mit den Funicolaris, also den alten Bergbahnen, aber zum Zeitpunkt meiner Visite wurden die kurzen Strecken offenbar renoviert, so dass die Bahnen außer Betrieb waren. So muss man zum Castello San Vigilio dann entweder hoch laufen oder mit dem Bus fahren. TRAVELBOOK-Spartipp: Für nur 5 Euro bekommt man ein Bergamo-24-Stunden-Ticket für alle örtlichen Verkehrsmittel, mit dem man auch zum Flughafen zurückfahren kann. ACHTUNG: Die Tickets sind nicht in den Bussen selbst erhältlich, sondern müssen vorher gekauft werden, zum Beispiel an Kiosken oder in der Jugendherberge. 

Die Natur um Bergamo ist ebenfalls sehenswert – so wie dieser Weinberg, der im Sommer vermutlich viele Früchte trägt

Foto: Robin Hartmann

Von San Vigilio aus kann man ein weiteres mal eine atemberaubende Rundum-Aussicht genießen, und auch den ein oder anderen Schnappschuss der „Città Alta“ machen, denn das Castello liegt noch einmal oberhalb der Oberstadt. Das eigentlich unscheinbare Restaurant „Baretto di San Vigilio“ verfügt über eine wunderbare Aussichtsterrasse, ist aber dank einer Erwähnung im legendären Michelin-Guide auch entsprechend teuer.

Unbedingt erwähnen muss man in auch noch die Universität von Bergamo, die in mir den dringenden Wunsch geweckt hat, sofort wieder Student zu werden: Die verschiedenen Fakultäten sind in diversen historischen Gebäuden, von denen manche einfach wirklich sprachlos machen, über die ganze Oberstadt verteilt – besonders die Geisteswissenschaftliche Bibliothek an der Straße Viale delle Mura muss man mit eigenen Augen gesehen haben.

Der Blick auf die Piazza Vechia vom Torre del Gombito aus gesehen. Dieser 53 Meter hohe Glockenturm ist bereits mehrere Jahrhunderte alt

Foto: Robin Hartmann

Dann ist es Zeit, zur Piazza Vecchia zurückzukehren und den Torre del Gombito zu erklimmen – nur wer darauf angewiesen ist, sollte meiner Meinung nach den Fahrstuhl nehmen, das Treppensteigen lohnt sich wirklich. Oben erwartet einen eine herrliche Ruhe und ein 360-Grad-Panorama, das alle bisher gesehenen Ausblicke noch bei Weitem übertrifft. Gehen Sie unbedingt abends, dann haben Sie die Chance dort oben allein zu sein – und einen Sonnenuntergang zu bewundern, der wirkt, als hätte ihn ein Impressionist an den Himmel gemalt. Ich konnte mich etwa eine Stunde nicht von diesem Anblick lösen und wurde, vor mich hin träumend, gleich zwei Mal von dem gewaltigen Klong der Kirchenglocke erschrocken.

Im Restaurant „Il Sole“ kann man schließlich gut und günstig zu Abend essen, zum Beispiel die fast schon obligatorische Pizza, die hier in verschiedensten Varianten angeboten wird. Trinkgeld wird hier übrigens nicht erwartet, denn das schlagen viele Restaurants in Form eines sogenannten „Coperto“ ganz von selbst auf die Rechnung mit drauf – ob der Gast nun zufrieden war oder nicht.

Abendstimmung über Bergamo: Die vielen Kirchtürme der Stadt sind besonders zu dieser Tageszeit ein spektakulärer Anblick

Wer das Glück hat, noch länger in Bergamo zu bleiben, und eine gute und erschwingliche Unterkunft sucht, der ist mit der Internationalen Jugendherberge bestens bedient. Ab 18 Euro kann man hier übernachten und bekommt dafür morgens auch noch ein Frühstück – zudem fährt die Bus-Linie 3 direkt zwischen Hostel und „Città Alta“ hin und her, ein Sightseeing-Express sozusagen. Die Magie dieser Stadt kann man auch im Winter entdecken, also nutzen Sie jetzt Ihre Chance, Bergamo fast allein für sich zu haben – bei meinem Besuch im Januar war die Stadt noch nahezu verschont von Touristenhorden, und es schien drei Tage lang die Sonne bei gefühlten 25 Grad. Und mal ehrlich: Was gibt es Besseres, als Italiens schönsten Geheimtipp quasi exklusiv zu genießen?

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