Canfranc

Spaniens berühmtester Geisterbahnhof

Der Bahnhof von Canfranc, einem spanischen Ort unweit der Grenze zu Frankreich, war einst einer der glanzvollsten auf der ganzen Welt. Er verband Spanien und Frankreich über eine spektakuläre Strecke durch die Pyrenäen. Dann kamen Krisen, Kriege und eine Zugkatastrophe. Heute befindet sich in der Nähe ein mysteriöses Forschungslabor.

Wer sich in den spanischen Pyrenäen an der Grenze zu Frankreich in das kleine Nest Canfranc verirrt, den erwartet eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit – eine Reise, die vom Glanz einer alten Eisenbahnstation erzählt, die einst zwei Länder über eine einmalige Strecke verband. Einst war die Estación Internacional de Canfranc einer der größten und prunkvollsten Bahnhöfe auf der ganzen Welt war.

Als die Eisenbahnstation 1928 nach mehr als 20 Jahren Bauzeit feierlich eröffnet wurde, war sie ein ehrfurchteinflößendes Zeugnis einer neu heraufziehenden Zeit: ein 241 Meter langer Koloss mit drei Stockwerke hohen Decken, unzähligen Türen und noch mehr Fenstern – das Herzstück einer gerade erst eröffneten Strecke zwischen Spanien und Frankreich, die in jahrzehntelanger Schwerstarbeit den unwegsamen Bergen der Pyrenäen abgetrotzt worden war.

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Ein Mega-Projekt unter schlechtem Stern

Unter den illustren Gästen bei der Einweihung damals waren der spanische König Alfons XIII. sowie der französische Staatspräsident Gaston Doumergue. Fortan sollte der Bahnhof von Canfranc das französische Pau mit dem spanischen Saragossa verbinden – ein Mega-Projekt auf einer Route, die laut der Seite „Forbidden Places“ unter anderem über mehr als 80 Brücken, zahlreiche Viadukte und durch Tunnel führte, der längste davon maß für damalige Zeiten unglaubliche acht Kilometer.

Das Projekt stand jedoch von Anfang an unter keinem guten Stern: Bereits 1929 schlug weltweit die Wirtschaftskrise unbarmherzig zu, vernichtete rund um den Globus zahllose Existenzen und trug ihren Teil dazu bei, dass die Zugstrecke schnell unprofitabel war. 1936 brach schließlich der spanische Bürgerkrieg aus, und sowohl in Spanien als auch in Frankreich wurden laut „El Pensante“ immer wieder Teile der Strecke in die Luft gesprengt, um das Franco-Regime daran zu hindern, per Zug seine Truppen zu verschieben.

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Nazi-Gold und eine Zugkatastrophe

Ein von Sev (@sevoyage) gepostetes Foto am

Während des Zweiten Weltkrieges erlebte der Bahnhof von Canfranc dann wiederum eine bewegte Zeit. Zahllose Menschen nutzten die Zugstrecke von Pau nach Saragossa zur Flucht vor den Nazis. Den Nazis diente die Station dazu, Gold nach Spanien und Portugal zu verfrachten, für welches sie im Austausch kriegswichtige Rohstoffe wie Wolfram erhielten. Als Deutschland schließlich besiegt war, flüchteten wohl nicht wenige hochrangige Funktionäre über den Bahnhof Canfranc, um ihrer Strafe zu entgehen.

Ab 1948 nahm die Strecke dann ihren Betrieb wieder auf, war jedoch auch in den Folgejahren nicht profitabel. Das Ende kam am 27. März 1970, als ein mit 320 Tonnen Mais beladener Güterzug auf dem französischen Teil der Strecke entgleiste. Obwohl niemand verletzt wurde, nahm die französische Bahngesellschaft SNCF den Unfall zum Vorwand, die ohnehin ungeliebte, weil unrentable Strecke endgültig einzustellen.

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Die Zukunft liegt im Weltraum

Ein von joanman (@joanman) gepostetes Foto am

Der Bahnhof von Canfranc fiel daraufhin, wie die gesamte Region auch, in einen Dornröschenschlaf – bis die Station 1985 von spanischen Forschern wieder zum Leben erweckt wurde, wenn auch für einen völlig anderen Zweck. Wie die „Daily Mail“ schreibt, befindet sich hier heute der Eingang zu einem tief unter den umliegenden Bergen liegenden unterirdischen Astro-Labor, in dem unter anderem an Dunkler Materie geforscht wird. Die Labor-Räume sollen sich demnach im Somport-Tunnel befinden, der früher Spanien und Frankreich verband, der Eingang zum Labor liege direkt neben der alten Station. Das „Canfranc Underground Astroparticle Laboratory“ ist laut einem Papier der Universität von Saragossa demnach auch nach der Station benannt.

Laut der Seite „Aragón Hoy“ wird der Bahnhof zudem seit 2014 sukzessive restauriert, denn er ist längst zu einer Touristenattraktion geworden. Wer das Gebäude selbst sehen will, muss sich vorher beim offiziellen Tourismusbüro der Stadt Canfranc anmelden. Und so scheint der Bahnhof mit der wechselvollen Vergangenheit zumindest noch Zukunft zu haben.

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