Charme-Offensive gegen schlechten Ruf

Wie Frankreich netter zu Touristen werden will

Frankreich ist seit Jahren weltweit unangefochtenes Reiseziel Nummer 1. Dennoch gelten die Franzosen als besonders unfreundlich, belegen in entsprechenden Rankings regelmäßig die vordersten Plätze. Das will der französische Außenminister Laurent Fabius nun ändern: Sein Land soll freundlicher für Touristen werden.

Mit Frankreich und dem Tourismus ist das ja so eine Sache. Einerseits ist das Land, gemessen an den Touristenzahlen, seit Jahren weltweit unangefochtenes Reiseziel Nummer 1. Fast 84 Millionen ausländische Touristen besuchten laut französischem Wirtschaftsministerium unser Nachbarland im vergangenen Jahr, womit es deutlich vor den USA (knapp 70 Millionen Besucher laut Welttourismusorganisation) und Spanien (60 Millionen Besucher) liegt.

Andererseits aber sind da diese unrühmlichen Umfragen, in denen die Franzosen regelmäßig bescheinigt bekommen, besonders unfreundlich zu sein. Im vergangenen Jahr etwa gaben im Rahmen einer Skyscanner-Umfrage unter 1200 Reisenden fast 20 Prozent der Befragten an, dass Frankreich für sie das „weltweit unhöflichste Land für Reisende“ sei. Auch bei einer Erhebung des US-Reise-Magazins „Condé Nast Traveller“,  das seine Leser jedes Jahr nach den freundlichsten und den unfreundlichsten Städten der Welt fragt, kamen die Franzosen ziemlich schlecht weg: Unter den Top 5 der unfreundlichsten Städte der Welt finden sich gleich drei französische.

Zweite Charme-Offensive

Schon seit einiger Zeit bemüht sich Frankreich darum, sein Image aufzupolieren. 2013 etwa hat das Fremdenverkehrsamt in Paris einen „Höflichkeits-Handbuch“ für Mitarbeiter im Dienstleistungssektor verteilt. Zwei Jahre früher, so berichtet der britische „Telegraph“, habe die Stadt in „Lächelbotschafter“ investiert, die an den Hauptsehenswürdigkeiten freundlich zu Touristen sein sollten. Nun soll Frankreichs Charme-Offensive in die zweite Runde gehen. In einem Bericht zur Lage des Tourismus, den das französische Außenministerium vor Kurzem veröffentlichte, wird das Thema Gastfreundschaft gar zur „nationalen Priorität“ erklärt.

Es sei paradox, dass Frankreich eines der beliebtesten Reiseziele sei, jedoch in puncto Freundlichkeit immer schlecht abschneide, heißt es in dem Bericht. Deshalb müssten Verbesserungen in diesem Bereich her – sowohl bei den Menschen, die im Tourismus arbeiteten, als auch bei allen anderen Bewohnern Frankreichs. „Unser Ziel ist es, im Jahr 2020 100 Millionen Touristen in Frankreich begrüßen zu dürfen“, sagt Monika Fritsch von Atout France, der Französischen Zentrale für Tourismus, auf Nachfrage von TRAVELBOOK.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius setzt sich mit seinem Ressort für mehr Gastfreundschaft im Tourismus ein.

Foto: Getty Images

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius erklärte bei einer Pressekonferenz am 11. Juni: „Wenn wir einen Kaffee servieren, wenn wir jemandem helfen, den Weg zu finden, müssen wir uns bewusst werden, dass wir nicht nur dem anderen einen Dienst erweisen, sondern auch Frankreich. In dem Moment, in dem wir ausländischen Touristen begegnen, sind wir alle Botschafter Frankreichs. Wenn wir uns gastfreundlich zeigen und der Besucher mit seinem Aufenthalt zufrieden ist, wird er wiederum zum Botschafter unseres Landes in seinem eigenen Land.“ Atout France müsse genau dies auf humoristische Weise in ihren Werbekampagnen über Frankreich rüberbringen, erklärte Fabius weiter.

„Wir freuen uns, dass der Außenminister diese Initiative ergriffen hat“, sagt Atout-France-Sprecherin Fritsch dazu. Die Kampagne, die im Frühjahr 2016 gelauncht werden soll, werde sich humorvoll an Franzosen richten. „Frankreich hat touristisch so viel zu bieten und wir möchten natürlich, dass Touristen diesen Reichtum vollkommen unbeschwert erleben können.“

Begrüßung auf Englisch

Zu den weiteren Maßnahmen, die der Außenminister ankündigte, zählt die Ausstrahlung von Begrüßungsvideos auch in englischer Sprache an Bahnhöfen und Flughäfen. „Ein wenige Sekunden langes Begrüßungsvideo, in dem wir die Touristen in verschiedenen Sprachen in Frankreich willkommen heißen, könnte bei der Landung eines Flugzeugs gezeigt werden“, schlägt der Minister vor. An den Ausgängen könnten Schilder mit den Worten „Merci, à bientôt“ (dt. „Danke, bis bald“) hängen. Das sei einfach, kostengünstig und effektiv.

Bislang gibt es in Frankreich kaum Schilder oder Durchsagen in Englischer Sprache.

Foto: Getty Images

Weiterhin sollen die Visa-Bestimmungen für weitere Länder wie etwa die Türkei, Singapur oder Indonesien vereinfacht werden. Dazu gehört dem Minister zufolge auch eine mehrsprachige Assistenz im Internet, die auch über das Smartphone in Anspruch genommen werden könne. Zudem sollen die Durchsagen in den Hochgeschwindigkeitszügen TGV in Zukunft auch in englischer Sprache erfolgen. Überhaupt soll im Tourismusbereich mehr Englisch gesprochen werden, was durch zusätzliche Sprachkurse für Angestellte unterstützt werden könnte.

Und noch etwas soll sich dem Bericht zufolge in Frankreich ändern: der Umgang von Hoteliers und Restaurantbetreibern mit ihren Gästen. „Jeder Gast muss von den Betrieben so behandelt werden, als sei er ein Franzose.“ Manchmal kann Gastfreundschaft so einfach sein...

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