1 Million Euro pro Jahr!

Das passiert mit den Münzen, die Urlauber in den Trevi-Brunnen werfen

Eine Legende besagt, dass man nur nach Rom zurückkehrt, wenn man eine Münze in den berühmtesten Brunnen Italiens wirft. Weil das natürlich so gut wie jeder Urlauber möchte, der die Ewige Stadt einmal gesehen hat, landen jeden Tag Tausende Geldstücke unterschiedlichster Währungen im Trevi-Brunnen. Sage und schreibe eine Million Euro kommen so jedes Jahr zusammen. Aber was passiert eigentlich mit dem vielen Geld?

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

Man nehme eine Münze in die rechte Hand, stelle sich mit dem Rücken zum Brunnen, schließe die Augen und werfe das Geldstück über die linke Schulter ins Wasser. Nur wer sich genau an diese Vorgehensweise hält, dem ist eine baldige Rückkehr nach Rom sicher. Wer noch eine zweite Münze in den Trevi-Brunnen wirft, darf noch dazu darauf hoffen, sich in einen Römer oder eine Römerin zu verlieben, und das dritte geworfene Geldstück bedeutet gar, dass man seine neue Bekanntschaft heiraten wird.

Diese junge Dame macht es falsch: Die Münze muss mit der rechten Hand über die linke Schulter ins Wasser geworfen werden

Foto: dpa Picture Alliance

Der romantische Brauch, dem sich kaum ein Rom-Tourist entziehen kann, geht zurück auf den US-Film „Drei Münzen im Brunnen“ aus dem Jahr 1954 von Regisseur Jean Negulesco, in dem sich nach einigen Liebesverwirrungen und diversen geworfenen Münzen am Ende drei glückliche Paare in Rom finden. Viele werfen heute nur ein Geldstück in den Brunnen. Entweder, weil sie nur den ersten Teil der Legende kennen, oder weil die beiden anderen Verheißungen ihnen nicht unbedingt verlockend erscheinen.

Lesen Sie auch: 8 Rom-Tipps für Fortgeschrittene

3000 Euro am Tag

Ob nur eine oder drei Münzen – Fakt ist, dass eine ganze Menge Geld im Trevi-Brunnen landet: Etwa 3000 Euro jeden Tag sind es, je nach Saison. 2013, im letzten Jahr vor der großen Restaurierung des berühmten Bauwerks aus dem 18. Jahrhundert, kamen insgesamt 1,2 Millionen Euro zusammen. Und es werden jedes Jahr mehr, denn die Zahl der Touristen in Rom wächst ständig, wie die Daten des italienischen Statistikamtes zeigen. Kamen im Jahr 2000 noch 7,5 Millionen Besucher, waren es 2014 bereits 13,4 Millionen – ein Zuwachs von fast 80 Prozent.

1957: Drei Jahre nach Veröffentlichung des Films „Drei Münzen im Brunnen“ ist der damalige Vizepräsident der USA, Richard Nixon, auf Rom-Besuch und vollzieht den obligatorischen Münz-Wurf

Foto: dpa Picture Alliance

Wohin geht das ganze Geld aus dem Brunnen?

Es gab eine Zeit, da gehörte das Geld aus dem Trevi-Brunnen allen; im Prinzip konnte sich jeder so viele Münzen aus dem Becken nehmen, wie er wollte, was mit Sicherheit auch viele getan haben – sehr zum Missfallen der Stadt. Im Jahr 1997 etwa wurde eine 46-jährige Römerin festgenommen, weil sie umgerechnet etwa 18 Euro Kleingeld aus dem Brunnen gefischt hatte, nach eigenen Angaben, um „Bücher und Schreibzeug für meine Kinder zu kaufen“, wie die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ schreibt. Die Frau wurde angezeigt und sollte 1500 Euro Strafe zahlen – doch die Richter sprachen sie frei und urteilten, bei den Münzen handele es sich um „herrenloses Gut“, an dem sich jeder vergreifen dürfe.

Die besten Reise-Angebote & -Storys: Jetzt für den TRAVELBOOK-Newsletter anmelden!

Über die Grenzen Roms hinaus bekannt wurde ein Römer namens Roberto Cercelletta, der schnell den Spitznamen „D'Artagnan“ verpasst bekam. Cercelletta wurde mehrfach dabei erwischt, wie er im Brunnenbecken stand und sich die Taschen mit Münzen vollstopfte, einmal soll er gar 600 Euro bei sich gehabt haben. Mehrmals wurde D'Artagnan festgenommen, erhielt mehr als 500 Geldstrafen, die er jedoch nie bezahlte. Im Jahr 2001 schaffte es der uneinsichtige Kleptomane gar auf Seite eins der „New York Times“, wie die Zeitung „Il Messaggero“ berichtet.

2011: Roberto Cercelletta alias „D'Artagnan“ wird von Ordnungskräften abgeführt, nachdem er wieder Münzen aus dem Brunnen geklaut hat

Foto: dpa Picture Alliance

Auch interessant: Dieser kleine Fehler kann Rom-Urlauber 113.000 Euro kosten

Das Geld geht an die Caritas

Wirklich ausrichten konnte die Stadt nichts gegen den Münz-Klau aus dem Trevi-Brunnen. 2006 schließlich erließ sie der „La Repubblica“ zufolge einen Beschluss, wonach alles Geld Eigentum der Stadt wird, sobald es im Becken gelandet ist. Gleichzeitig wurde eine Übereinkunft getroffen, dass die gesamte Summe an die römische Caritas fließt, damit diese davon wohltätige Projekte finanzieren kann – eine Lösung, mit bis heute der alle gut leben können.

Seither wird der Brunnen Tag und Nacht von Polizisten bewacht. Jeden Morgen rückt ein Team der Azienda Comunale Energia e Ambiente (Acea) an, der städtischen Energie- und Umweltbehörde, um all das Geld aus dem Brunnen zu holen. Dazu wird in den frühen Morgenstunden das Wasser abgepumpt, die Münzen zusammenkehrt, auf weiße Säcke verteilt und abtransportiert. 

Jeden Morgen kratzen Mitarbeiter der Acea die vielen Münzen zusammen

Foto: dpa Picture Alliance

Natürlich akzeptiert längst nicht jeder, dass die Stadt das Kleingeld ihr Eigentum nennt. Im März 2015 wurde ein 21-Jähriger festgenommen, der über die Baustellen-Absperrung des Brunnens geklettert ist und diverse Münzen entwendet haben soll. Weil an dem berühmten Bauwerk immer Polizisten zur Stelle sind, konnte der Dieb schnell dingfest gemacht werden – mit 90 Euro Kleingeld in den Taschen.

Stadt will Geld zukünftig wohl nicht mehr spenden

Im November 2015 wurde der Trevi-Brunnen nach den aufwendigen Restaurierungsarbeiten wiedereröffnet und erstrahlt in neuem Glanz. Ob das viele Geld der Touristen allerdings auch weiterhin für wohltätige Zwecke eingesetzt werden wird, ist fraglich. Wie die Zeitung „La Stampa“ berichtet, will die Stadt die rund eine Million Euro jährlich in Zukunft für sich behalten und die Übereinkunft mit der Caritas nicht erneuern.

Entschieden ist offenbar noch nichts, aber sollte der Plan tatsächlich umgesetzt werden, dürfte dies für Unmut in der Bevölkerung sorgen. Wenn das Geld aus dem Brunnen nicht wie bislang den Armen, Kranken und Obdachlosen der Stadt zugute kommt, sondern stattdessen die Stadtkasse bereichert, dürfte bei einigen die Versuchung umso größer sein, selbst ein Stück vom Millionenkuchen abzubekommen, der einfach so im Freien herumliegt...

TRAVELBOOK Escapes  – kostenlos anmelden und bis zu 70 Prozent beim Urlaub sparen

Reise planen

  1. Hotel
  2. Mietwagen
  3. Bahn
  • Hotelsuche
    powered by
    Hotel-Suche
    Reisetermin
    Formular absenden
  • Suche Mietwagen
    powered by
    Mietwagen-Suche
    Abholort
    Rückgabeort
    Abholdatum
    Rückgabedatum
    Formular absenden Weitere Optionen
  • Suche Bahn
    powered by
    Bahn-Suche
    Von
    Nach
    Hinfahrt
    Rückfahrt
    Formular absenden Weitere Optionen