Die El Príncipe de Asturias galt als „unsinkbar“ – und sank trotzdem

Die kaum bekannte Tragödie der „spanischen Titanic“

Spätestens seit James Camerons epischer Kinoromanze kennt jeder die Tragödie der Titanic. Weitaus weniger bekannt – und dennoch vergleichbar mit der Titanic-Katastrophe – ist der Untergang des spanischen Luxusschiffes El Príncipe de Asturias, das ebenfalls als „unsinkbar“ galt. Das Unglück im Jahr 1916 war der Beginn einer ganzen Reihe an mysteriösen Ereignissen.

Von Morgane Llanque

1916, vier Jahre nach dem Untergang der Titanic, machte sich das spanische Luxusschiff El Príncipe de Asturias von Barcelona aus auf den Weg nach Buenos Aires. Ihre Aufenthaltsräume waren mit Nussholz und japanischer Eiche getäfelt, den Speisesaal der ersten Klasse krönte eine Kuppel aus Kristall. Es gab moderne elektrische Heiz- und Belüftungsanlagen, eigens für das Schiff entworfene Konzertflügel, eine Bordbibliothek und einen Rauchsalon. Ein historisches Bild zeigt den Treppenaufgang zur ersten Klasse, der dem der Titanic sehr ähnlich sieht.

In der ersten Klasse des Schiffs fuhren viele Prominente mit, unter anderem der damalige Star-Pianist Kataloniens, Juan José Sola Pujol. Außer den Passagieren beförderte der Dampfer auch eine kostbare Fracht: portugiesischen Wein zum Beispiel, Zinn, Kupfer und zwanzig Bronzestatuen, die ein berühmtes Denkmal in der argentinischen Hauptstadt vervollständigen sollten. Außerdem Gold für die argentinische Regierung und die Juwelen der ersten Klasse – dessen Wert heute auf mehrere Millionen Dollar geschätzt wird.

Schiff rammt Felsen

Nachdem das Schiff fast 14 Tage auf See war, vorbei an Cadiz, Las Palmas und Rio de Janeiro, geriet es auf seinem Weg entlang der brasilianischen Küste in der  Nacht zum 5. März 1916 auf der Höhe von Santos in eine Nebelbank. In der Dunkelheit rammte das Schiff gegen vier Uhr einen Felsen unter der Wasseroberfläche. Die Wände des Schiffes rissen auf, Tonnen von Wasser drangen direkt in den Maschinenraum ein. Eine heftige Kesselexplosion zerstörte das Innere des Schiffs, der Strom fiel aus. Die Príncipe war nun vollkommen manövrierunfähig – und brach schließlich in sich zusammen.

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Sie galt als „unsinkbar“ – beim Untergang starben 457 Menschen

Der zweifelhafte Titel wurde dem Ozeanriesen aufgrund der vielen Parallelen verliehen: Beide Schiffe gehörten zu den prunkvollsten ihrer Zeit, galten als „unsinkbar“ und waren nur sehr kurze Zeit im Einsatz, bevor sie schließlich untergingen und Hunderte Menschen mit in den Tod rissen.

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Im Schiffswrack sollen noch immer Schätze liegen

Im Unterschied zum Wrack der Titanic, das zu tief liegt, um für Taucher zugänglich zu sein, kann man zu den Überresten der Príncipe de Asturias tauchen: Das Wrack liegt vor der Küste der brasilianischen Insel Ihla Bela. Jedoch sind die Bedingungen für Taucher dort so gefährlich, dass es schon lange niemand mehr versucht hat. Und so sollen noch immer zahlreiche Schätze im Innern der Schiffstrümmer zu finden sein.

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Weitere Unglücke bei der Reederei

Der Untergang der Príncipe de Asturias war nur der Beginn einer Kette von Unglücken für die Reederei Pinillos. Der Dampfer Pío IX sank noch im selben Jahr vor den Kanarischen Inseln, 40 Crew-Mitglieder starben. Drei Jahre später stach das größte Schiff der Reederei, die Valbanera, in See: Ziel der Reise war diesmal Havanna mit 1142 Passagieren und 88 Besatzungsmitgliedern an Bord.

Am 5. September 1919 erreichte die Valbanera Santiago de Cuba im Osten der kubanischen Insel. Weil sich das Gerücht an Bord verbreitet hatte, das Schiff steuere direkt in einen riesigen Hurrikan, verließen 742 Passagiere das Schiff, um auf dem sicheren Landweg weiter nach Havanna zu reisen. Und sie sollten Recht behalten: Auf der kurzen Strecke von Santiago nach Havanna geriet der Dampfer in die Ausläufer des Florida-Keys-Hurrikan. Der Hafen war geschlossen, der Kapitän der Valbanera, gerade einmal 34 Jahre alt, konnte nicht anlegen und musste auf dem offenen Meer warten.

Schiffswrack gibt Rätsel auf

Vier Tage später, der Hurrikan war inzwischen weitergezogen, fehlte von der Valbanera jede Spur. Eine groß angelegte Suchaktion begann, an der sowohl US-Amerikaner als auch Kubaner beteiligt waren. Schließlich fand man das Schiff zwischen Key West und Havanna in seichten Gewässern: Nur ein paar Masten ragten aus dem Meer hervor. Das Wrack war menschenleer: Weder Überlebende noch Leichen der verbliebenen 488 Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden gefunden. Kein einziges Rettungsboot war zu Wasser gelassen worden. Außerdem fand man keinerlei Trümmer oder eine zerstörte Ladung, die auf einen harten Aufprall des Schiffes hingedeutet hätten.

Das seltsame Ende der Valbanera machte sie zum Mythos: Zahlreiche große Zeitungen wie die „The New York Times“ berichteten über das Unglück, Journalisten und Abenteurer aus aller Welt versuchten, eine Erklärung für das Rätsel zu finden. Eine damals beliebte Theorie war, dass die Besatzung vom Hurrikan in das nahe Bermudadreieck getrieben worden sei, in dem schon Dutzende Schiffe unter unerklärlichen Umständen verschollen waren. Andere behaupteten, dass einzelne Überlebende es nach Florida geschafft hätten, wo sie ein neues Leben führten.

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Das Ende der Reederei Pinillos

Die Umstände des Untergangs der Valbanera wurden nie ganz geklärt. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass alle Leichen vom Sturm fortgetragen wurden oder sehr schnell mit Sand bedeckt worden sind. Ihr Ende bedeutete für die Reederei Pinillos jedenfalls den endgültigen Ruin: Die letzten drei Schiffe der Gesellschaft wurden 1925 an ihre zeitlebens größte Konkurrentin, die Reederei Compañía Transoceánica, verkauft.

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