Rien ne va plus!

Der traurige Zerfall von Rumäniens berühmtestem Kasino

Der französische Fotograf Romain Veillon wagt sich an Orte, die andere aufgegeben und längst vergessen haben. Mit TRAVELBOOK sprach er über das verlassene Kasino in rumänischen Constanta am Schwarzen Meer.

Friederike Koenig Von Friederike Koenig

So stolz es auch mit seinen Säulen und Rundfenstern, dem Stuck und der kleinen Treppe vor dem Eingang am Rande des Schwarzen Meers thront, und damit den Eindruck erweckt, nur eine kurze Pause machen zu wollen, bevor am Abend die nächsten Gäste kommen – die besten Tage hat das alte Kasino in der rumänischen Hafenstadt Constanța längst hinter sich.

Eine gigantischen Treppe führt vom Eingangsbereich in die obere Etage

Foto: Romain Veillon

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1910 eröffnete das Cazinoul din Constanța, wie es auf Rumänisch heißt, auf dem Bulevardul Regina Elisabeta. Schon bald wurde es zu einem Wahrzeichen des Landes. Vermögende Familien aus ganz Europa, zum Teil auch mit royalem Hintergrund, spielten hier um Geld, amüsierten sich, tanzten und feierten. Platz genug gab es dafür in den großen Ballräumen, von einem hatte man sogar den freien Blick über das Meer und den angrenzenden Hafen.

Während des Zweiten Weltkrieges diente das Kasino zeitweise als Krankenhaus, in dem Verwundete behandelt wurden und Schutz fanden, und während des Sozialismus war das einstige Kasino gar ein Restaurant.

Aufgrund wirtschaftlicher Probleme, die auch mit wechselnden Besitzern einhergingen, musste das Jugendstil-Haus 1990 schließen. Seit 26 Jahren steht es nunmehr leer. Und mindestens genau so lange hat es auch keine Gäste mehr gesehen; nur Touristen, die bei einem Spaziergang auf der Promenade hier vorbeikommen, ein Foto machen, und schließlich weiterziehen.

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Leute sollen auf das Kasino aufmerksam werden

Wer das weiße Haus heute von Weitem sieht, könnte fast glauben, das Gebäude sei noch völlig intakt. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man Rost an einigen Stellen, den zum Teil zerstörten Stuck und andere bröckelige Stellen an der Fassade. Auf der Seite, die zum Meer zeigt, sind die Fensterscheiben gebrochen.

Der Raum zeigt deutlich, wie heruntergekommen das einstige Wahrzeichen Rumäniens ist

Foto: Romain Veillon

Der französische Fotograf Romain Veillon sah das Haus in Zeitungsartikeln über Rumänien und das Schwarze Meer, und war gleich „fasziniert von der architektonischen Schönheit“, wie er TRAVELBOOK verrät. „Ich recherchierte, kontaktierte einige Einheimische und entschied dann, einige Monate später selber hinzufahren.“

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Die Behörden hoffen auf Spenden für die Restaurierung

Im Februar 2015 kam Veillon schließlich nach Constanța, um das Kasino zu fotografieren. Während es bei manchen sogenannten „Lost Places“ schwierig, gefährlich und meist auch verboten ist, das Gelände zu betreten, bekam Veillon in diesem Fall eine Genehmigung der Stadt. „Sie waren sehr nett zu mir, da sie wollen, dass Menschen über ihr Kasino sprechen und vielleicht auch Geld für die Restaurierung und den Erhalt des Hauses spenden“, erzählt Veillon.

„Wenn man weiß, dass es eines der berühmtesten Kasinos Europas war“, so Veillon, „fühlt man sich privilegiert, genau dort sein zu können und seine einstige Schönheit mit eigenen Augen zu sehen.“ Was ihn am meisten beeindruckt hat, waren der Ballsaal und die Treppe. Mit seinen Fotos hofft er nun, das Vorhaben der Stadt zu unterstützen und viele Menschen auf den Verfall aufmerksam zu machen.

Große Kronleuchter und gigantische Rundfenster zeigen, wie beeindruckend das Kasino in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgesehen haben muss

Foto: Romain Veillon

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Die traurige zweite Seite

Neben all der Schönheit, die dem Fotograf im Cazinoul din Constanța begegnete, gab es auch eine andere, traurige Seite. So erzählt Veillon von einem Kontrast zwischen den Räumen, die über all die Jahre hinweg unberührt blieben, und jenen, die während der Zeit des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu zwischen 1965 und 1989 renoviert wurden.

„Während die Haupt-Räume voll von Ornamenten, Gemälden, Skulpturen, Kronleuchtern und Teilen aus Marmor die Bedeutung des Ortes und seiner Geschichte widerspiegeln, sind die weniger wichtigen Teile in einer sehr simplen und traurigen Art renoviert worden“, erklärt Veillon. So sind die Wände dort einfach nur weiß gestrichen und damit laut Veillon das komplette Gegenteil von dem, was er als „die Seele des Kasinos“ bezeichnet.

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1910 – in diesem Jahr wurde das Kasino am Schwarzen Meer eröffnet

Foto: Romain Veillon

Kehrt irgendwann wieder Leben ein in diesen verlassenen Ort?

Obwohl es sich um ein offizielles Fotoshooting handelte und er genug Zeit bekam, hatte Veillon dennoch die Herausforderung, die er sich bei all seinen Projekten stellen muss: Wie kann ich die Atmosphäre und die Bedeutung dieses Ortes in meinen Fotos umsetzen? Er versuchte, einen Blickwinkel zu wählen, der für den Betrachter leicht verständlich sein würde, wie er TRAVELBOOK im Gespräch erzählt – „damit die Menschen diesen Ort mit mir besuchen und jede Ecke durchstreifen können“.

Beim Anblick dieser Umgebung war es für Veillon fast so, als könnte er die Geister der Menschen spielen, tanzen und trinken sehen. Und wer weiß, ob nicht eines Tages wieder Leben einkehrt in diesen Ort, der nur einem Zweck diente: damit Menschen sich amüsieren können.

Der Boden kahl, die Wände von Grün schon übersät

Foto: Romain Veillon

Weitere beeindruckende Geisterorte findet man in Romain Veillons erst kürzlich veröffentlichten Buch „Ask the Dust“, sowie auf seinem Instagram-Account.

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