Porto

So erkundet man die angesagteste Stadt Europas an 1 Tag

Erst kürzlich wurde Porto von Tripadvisor zum Trendreiseziel Nr. 1 für 2016 gekürt. Völlig zurecht. Wie kaum eine andere Stadt in Europa verbindet die Metropole an der Mündung des Douro Historie, Kulinarik, Strand, Kreativität und die Entspanntheit einer Küstenmetropole. Von den großen Touristen-Massen ist Porto bisher vergleichsweise verschont geblieben. Das sollten Besucher jetzt noch schnell ausnutzen. Auch wenn man der Stadt am besten genug Zeit geben sollte, lässt sich vieles an nur einem Tag entdecken. Unser Autor verrät, wie das geht und was aufs Programm gehört.

Von Robin Hartmann

Mal ehrlich – ich könnte an dieser Stelle wohl auch eine Arie auf Porto singen oder ein Gedicht schreiben, und dennoch würde ich dem Zauber der Stadt damit nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Ich bin wirklich kein Freund von Citytrips – oft zu laut, zu hektisch, zu voll – aber Porto, diese wunderbar romantische, verträumte kleine Großstadt am Douro-Fluss, hat mich vollends bekehrt. Die Sogwirkung der guten Laune setzt bereits am Flughafen ein, wo auf den Toiletten frische Blumen stehen und an fast jedem Fahrscheinautomaten ein freundlicher Mitarbeiter steht, damit auch wirklich jeder Besucher das richtige Ticket löst. Die etwa halbstündige gemächliche Fahrt in die Innenstadt kostet (spätestens jetzt bitte fest anschnallen) gerade einmal 2,45 Euro – da jubeln Herz und Geldbeutel, vor allem, wenn man an die Nahverkehrs-Wucherpreise in anderen Metropolen wie London, Paris und Kopenhagen denkt. TRAVELBOOK-Spartipp: Heben Sie ihren Fahrschein auf, denn er ist wieder aufladbar, so sparen sie bei jeder weiteren Fahrt 60 Cent.

Der mächtige Douro-Fluss trennt Porto (li.) und Villa Nova de Gaia. Das Wasser bestimmt bis heute das Leben in den beiden Städte mit – mehrfach schon standen sie meterhoch unter Wasser.

Foto: Robin Hartmann

In manchen Metro-Bahnhöfen läuft sogar Musik, und so begleitet mich Jack Johnson mit seinem entspannten „Sitting, Waiting, Watching“ auf meiner Reise zur Haltestelle Aliados, wo mein Porto-Abenteuer beginnt. Natürlich gibt es an diesem zentralen Platz der Stadt mit seinen wunderbaren monumentalen Gebäuden wie dem alten Rathaus oder dem Palácio das Cardosas auch eine Touristeninformation, wo man einen praktischen Stadtplan bekommt – sofern einem den nicht schon ein zuvorkommender Flughafenmitarbeiter in die Hand gedrückt hat. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen: Egal, wohin man sich von Aliados bewegt, es gibt überall Großartiges zu bestaunen – die Beschreibung meiner Erlebnisse kann deshalb auch nicht mehr sein als nur ein Vorschlag.

Der Portwein ist typisch für die Stadt und hat ihr weltweit einen guten Ruf eingebracht. Auch unser Autor ließ sich in Porto den ein oder anderen Tropfen schmecken.

Foto: Robin Hartmann

Mein erster Stopp ist die Igreja da Trindade, also die Dreifaltigkeitskirche aus dem 19. Jahrhundert, wo man Marmor und Goldhandwerk bestaunen kann. Kurz durchatmen und die wunderbare Ruhe genießen, dann geht es weiter durch kleine verwinkelte Gassen, einfach drauflos: entdecken, erleben. In der Rua Conceição Nummer 40 dann bereits meine erste von vielen ungeplanten Pausen, denn an dem authentischen Laden von Herrn Janios kann man einfach nicht vorbeigehen. Bis unter die Decke stapeln sich hier die Portwein-Flaschen und andere Alkoholika, und die Beratung ist so sympathisch und ehrlich, dass ich das Geschäft kurze Zeit später mit einer Flasche Port wieder verlasse – um 10 Uhr morgens wohlgemerkt. Überhaupt, der Portwein begleitet jeden Porto-Reisenden auf Schritt und Tritt, aber dazu später mehr.

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Gut, geduldig und freundlich jeden Gast beraten – Herr Janios hat verstanden, wie Kundenbindung funktioniert. Da kauft man auch schon mal morgens um 10 Uhr eine Flasche Portwein.

Foto: Robin Hartmann

Shopping à Moda do Porto

In der Rua de Cedofeita, einer bekannten Einkaufsstraße, fällt mir zum ersten Mal angenehm auf, dass kaum andere Menschen unterwegs sind, geschweige denn Touristen, was zwar daran liegt, dass im Winter kaum Urlauber herkommen, doch auch im Sommer ist es in Porto noch relativ ruhig – verglichen mit anderen Metropolen in Europa. Und so habe ich das Gefühl, die Stadt gehöre ganz allein mir, und verlangsame nochmals mein Tempo, falls das überhaupt möglich ist. Für 70 Cent gönne ich mir ein im Schaufenster als „das beste der Welt“ beworbene süße Croissant und schlendere weiter. Was sich in Porto Einkaufsstraße nennt, das sind unter anderem Läden für Münzen, Briefmarken und Porzellan, obgleich diese zum Teil unter den Shoppingmalls leiden, die in Porto und Umgebung in den vergangenen Jahren eröffneten. In der benachbarten Rua Miguel Bombarda finden sich zudem zahlreiche authentische Künstler-Ateliers und Galerien, in der Touri-Karte groß als „Art Spot“ eingezeichnet.

Sieht aus wie ein Raumschiff, ist aber ein Ort für Konzerte und andere Veranstaltungen: der Palácio de Cristal

Foto: Robin Hartmann

Weiter geht es zur Igreja dos Carmelitas mit ihrem wunderbaren Gemälde über der gesamten Außenwand, und im Inneren warten ein herrlicher Altar im Rokoko-Stil und jede Menge Gold-Applikationen – das war sogar der Reise-Website Tripadvisor ein Exzellenz-Zertifikat wert. Rund um die Kirche gibt es noch vieles zu sehen, doch ich entscheide mich zunächst einmal für einen kleinen Spaziergang über die Rua da Restoração zum Palácio de Cristal, einem sonderbar anmutendem Glaskuppel-UFO, wo Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden. Lohnenswert ist der Besuch aber vor allem wegen dem dazugehörigen Park und dem spektakulären Blick über die Stadt sowie auf den Douro-Fluss. Zum ersten Mal erahnt man hier so richtig Portos wirkliche Dimensionen. Dieser tolle Aussichtspunkt bietet sich geradezu für eine kleine Pause an, auch, um die fliegenden Pfauen zu beobachten.

Der Geruch alter Bücher

In der Livraria Lello kann man wunderbar alte Bücher bestaunen, neue kaufen und nebenbei bei einem Glas Portwein oder einer Tasse Kaffee entspannen

Foto: Getty Images

Der Weg führt mich anschließend zurück zur Igreja dos Carmelitas, in deren umittelbarer Nachbarschaft die Livraria Lello liegt – ein alter Buchladen, der so märchenhaft anmutet, dass man munkelt, er habe Joanne K. Rowling zu ihrer weltberühmten „Harry Potter“-Bibliothek inspiriert. Hier ist es dann zum ersten Mal auch so richtig voll, und auch wirklich jeder will, ja geradezu muss hier anscheinend zwischen den unwirklich schönen handgeschnitzten Holz-Intarsien ein Selfie machen. Ein wenig zerstört das die Magie des Ortes, für den man zudem noch Eintritt bezahlen muss, aber glauben Sie mir, es lohnt sich trotzdem – nicht umsonst wird der Laden auch als „Kathedrale der Bücher“ besungen. Wer hier dennoch ein wenig Ruhe sucht, gönnt sich einfach einen Café oder ein Glas Portwein und atmet mit geschlossenen Augen Geschichte – für mich gibt es kaum einen so erhebenden Geruch wie den von alten Büchern.

Der Torre dos Clérigos ragt 75 Meter in den Himmel über Porto. Dort oben blickt man ganz losgelöst über die Dächer der Stadt – und schmunzelt über asiatische Touristen, die das Panorama nur durch ihre Handybildschirme sehen.

Foto: Robin Hartmann

Ein weiteres Highlight, im wahrsten Sinne des Wortes, wartet gleich um die Ecke: der Torre dos Clérigos. Wer Porto einmal von ganz oben sehen möchte, nimmt die 240 Stufen auf den 75 Meter hohen Turm gerne in Kauf, von dort oben bietet sich ein wirklich unvergleichlicher 360-Grad-Rundumblick. Man schwebt zwar nicht ganz über den Wolken, aber zumindest doch hoch über den Dächern der Stadt. Über einem sieht man nur die allgegenwärtigen Möwen, die Porto wegen seiner Nähe zum Meer quasi belagern. Ein wenig wundern muss ich mich über ein paar asiatische Touristen, die diesem Panorama einfach den Rücken zudrehen und etwa eine halbe Stunde lang Selbstporträts von sich vor der Traumkulisse machen – ich glaube, sie haben sie nicht einmal mit eigenen Augen angesehen.

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Ein Monster, mitten in der Stadt

Am Cais de Ribeira, dem Hafen Portos, findet man auch die Boote, die den Douro seit Jahrhunderten befahren. Im Hintergrund die beeindruckende Ponte de Dom Luis I.

Foto: Robin Hartmann

Dann beginnt der Abstieg, und zwar durch die malerischen engen Gassen der Altstadt, hinunter zum Hafen. Hingen hier nicht volle Wäscheleinen, man könnte meinen, niemand lebte hinter all den kleinen Fenstern und überwucherten Balkonen, eine herrliche Mittagsruhe macht sich auch in der Seele breit. Muss man wirklich noch etwas sagen zum Romantik-Faktor einer Stadt, in der es einen winzigen Laden gibt, der ausschließlich Kehrbesen verkauft?

Am Cais da Ribeira, der Hafenpromenade, dann endlich die bunten Häuser, die man von so vielen Postkarten-Motiven kennt, aber kein Bild wird wirklich dieser wilden Farbexplosion gerecht – natürlich auch nicht die eigenen Fotos. Über allem thront die Ponte de Dom Luis I., den Douro-Fluss überspannend, ein Stahlmonster von einer Brücke, die man einmal mit eigenen Augen gesehen haben muss. Worte können nicht einmal ansatzweise die Ehrfurcht beschreiben, die dieses Konstrukt einflößt, wahrhaft majestätisch, gewaltig, erhaben.

In Portos Altstadt gibt es unter anderem diesen bezaubernden kleinen Laden, der ausschließlich Kehrbesen verkauft – geht es noch entspannter?

Foto: Robin Hartmann

Für Fußgänger führt sowohl im unteren als auch im oberen Teil der Brücke ein Weg zum anderen Fluss-Ufer, wo die Stadt Villa Nova de Gaia liegt. Hier erwartet den Besucher dann etwas ganz Besonderes, denn entlang des gesamten Fluss-Ufers haben zahlreiche berühmte Portwein-Hersteller ihre Häuser, in deren Kellern der berühmte Tropfen gelagert wird.

Nehmen Sie unbedingt an einer Führung mit anschließender Verkostung teil, mehr Porto geht nicht. Die alten Fässer sind zum Teil an die 100 Jahre alt, und die absichtlich gedimmte Beleuchtung sorgt für eine geradezu mystische Stimmung. Dazu der intensive, portweintypische Geruch nach altem Holz, Walnuss und Früchten – ein besseres Geschenk kann man den eigenen Sinnen kaum machen. Ich habe in den Häusern Cálem und Sandeman jeweils 6 Euro pro Tour bezahlt, aber Ihren Favoriten finden Sie am besten selbst.

Mystische Stimmung bei der Portwein-Führung mit anschließender Verkostung im Sandeman-Keller

Foto: Robin Hartmann

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Ein Fest für alle Sinne

Wenn sich Abendstimmung über Porto senkt, erwartet Sie ein weiterer Höhepunkt, denn jetzt liegt der Hafen besonders romantisch da, langsam gehen überall in der Stadt die Lichter an, das Leben kommt noch mehr zur Ruhe als ohnehin schon. Bewahren Sie sich den Gang über den oberen Teil der Brücke für diesen Zeitpunkt auf, denn als Belohnung winkt ein atemberaubender Panorama-Blick über Porto und den Douro. Vorsicht nur beim Träumen, denn direkt neben dem Fußgängerweg fährt auch noch die Bahn über die Brücke, Absperrungen gibt es nicht. Der kurze Fußweg zurück zur Metrostation Aliados führt dann noch vorbei an der gewaltigen Sé do Porto-Kathedrale und dem Bahnhof São Bento, der 2016 sein hundertjähriges Bestehen feiert.

Was für ein Panorama: Gegen Abend zeigt sich Porto von seiner schönsten Seite. Ein Spaziergang am Fluss ist ein absolutes Highlight.

Foto: Robin Hartmann

Jetzt ist es Zeit für eine Stärkung, sprich, für ein schönes Abendessen. Wer wirklich hungrig ist, dem empfehle ich, einmal eine Francesinha zu probieren, ein für Porto typisches Gericht: Verschiedene Sorten Wurst und Fleisch werden zwischen zwei Toastbrotscheiben gequetscht, das Ganze dann mit geschmolzenem Käse und einer Bier-Soße überbacken. On top sozusagen kann man sich auch noch ein Spiegelei bestellen, Pommes Frites gehören aber in jedem Fall dazu. Rund um die Avenida dos Aliados werden Sie zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants finden, die diese Spezialität, eine Kalorien-Bombe, anbieten. Abschließend kann man sich natürlich auch noch einen Drink gönnen, um den Tag Revue passieren zu lassen – selbst im Winter ist es oft so mild, dass man gemütlich draußen sitzen kann.

Was bleibt, ist ein wunderbares Gefühl der Zufriedenheit, der Erfüllung, das Gefühl, an einem Tag ein Fest für alle fünf Sinne erlebt zu haben. Das, und der Wunsch, so bald wie möglich wieder nach Porto zu kommen.

Die besten Restaurants in Porto

Mehrere Sorten Wurst und Schinken, geschmolzener Käse, Biersoße: Die Francesinha ist ein typisches Gericht in Porto – und eine wahre Kalorienbombe.

Foto: Robin Hartmann

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