Eröffnung des MMM Corones in Südtirol

Messners spektakuläres Museum auf dem Berg

Am Freitag eröffnete auf fast 2300 Metern Höhe das Messner Mountain Museum (MMM) Corones in Südtirol, das sechste Bergmuseum des Extremkletterers – und auch sein letztes. Entworfen hat es die Star-Architektin Zaha Hadid.

Sie hat das Phaeno in Wolfsburg entworfen, das Olympische Schwimmstadion in London und ihr Kulturzentrum in Baku wurde vom London Design Museum zum „Design of the Year“ ernannt, kaum dass es seine Tore öffnete. „So rein und sexy wie Marilyns hochgewehter Rock“, schwärmte Juror Piers Gough von dem Heydar Aliyev Center: „Es ist ein berauschend schönes Gebäude, geschaffen von der brillantesten Architektin auf der Höhe ihrer Schaffenskraft.“

Keine Frage: Zaha Hadid – britische Stararchitektin mit irakischen Wurzeln und zahlreichen Preisen (so wurde ihr 2004 als erster Frau mit den Pritzker-Architektur-Preis die bedeutendste Ehrung in der Architektur zuteil) – ist schon lange ganz oben angekommen. Aber es geht durchaus noch höher. Auf 8000 Meter, wenn man so will. Denn Hadid hat für Reinhold Messner ein Museum entworfen, über das der Extrembergsteiger sagt, es wäre sein „15. Achttausender“. Dabei liegt das Messner Mountain Museum (MMM) Corones gerade mal auf 2.275 Metern, genauer: auf dem Kronplatz-Gipfel in Südtirol.

Klicken Sie sich hier durch einige ausgewählte Projekte von Zaha Hadid:

Denn, wie beim Bergsteigen auch, stellten die Wände den Kletterer vor große Herausforderungen. Nicht, weil er sie hoch musste, sondern weil er seine Exponate an oder vor diesen positionieren musste. Keine leichte Aufgabe, wenn die Architektin, wie in diesem Fall, eine erklärte Abneigung gegen das Primat des rechten Winkels hegt. „Das Wichtigste ist die Bewegung, der Fluss der Dinge, eine nicht-euklidische Geometrie, in der sich nichts wiederholt: eine Neuordnung des Raumes“, hat sie einmal über ihre Arbeit gesagt.

Und so hat Hadid auch das Museum für Messner in den Fels gehauen – verwinkelt und fließend und vor allem: ohne gerade Wände. Viele sind zudem abgerundet und überhängend. Aber das passt ja auch zur Ausstellung, schließlich folgt der Fels – „Fels“ oder „Rock“ war auch der Name des Projekts – keinen Normen und Standards. Die Exponate hat Messner dann doch irgendwie arrangiert, allerdings musste er bei der Eröffnung gestehen: „Ich habe noch nie so viele weiße Haare bekommen wie in den letzten drei Wochen.“

Blick in die Ausstellung: nicht immer waren die Exponate so gut zu positionieren wie hier

Foto: www.wisthaler.com

Thema der Ausstellung ist die – laut Messner – Königsdisziplin des Alpinismus: die Urform des Bergsteigens ohne große technische Hilfsmittel. Kernstück des Museums ist denn auch die „weltgrößte Kletterhakensammlung von 1880 bis heute“ (Messner). Des Weiteren zu sehen sind Bilder, Illustrationen sowie Requisiten aus dem Bergsteigerleben des Profi-Kletterers.

Und natürlich die Berge selbst. Nämlich in Lebensgröße. Den perfekten Rahmen dafür haben die Architekten geschaffen – mit den gewaltigen Panoramafenstern und Aussichtsplattformen. Bis zum Ortler weit im Westen könne man, so Messner, „mit scharfen Augen“ gucken. Auch der Heiligenkreuzkofel, Schauplatz von Messners „schwierigster Kletterei“ seines Lebens, wird durch das Fensterkonzept quasi zum Exponat.

Blick von der Terrasse des Museums auf die Bergwelt

Foto: KRONPLATZ-ZAHA HADID

Von Hadids sonst so spektakulär in Raum und Landschaft ragender Architektur ist hingegen von außen nicht allzu viel zu sehen. Das Gebäude versteckt sich größtenteils im Fels. Lediglich die Aussichtsplattformen und der gerade mal fünf Meter hohe Eingangsbereich sind oberirdisch sichtbar. Für die „Financial Times“ ist das aber durchaus genug, um von dem Museum als „einem der markantesten neuen Gebäude in den Alpen“ zu sprechen. 

Das MMM Corones ist übrigens das letzte in der Reihe der Bergmuseen Messnerscher Prägung – nach dem MMMOrtles im Skigebiet Sulden, dem als „Zentrum“ des Bergmuseumsprojekts bezeichneten MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron bei Bozen, dem MMM Juval auf Messners Privatburg bei Naturns im Vinschgau, dem MMM Ripa auf Schloss Bruneck und dem MMM Dolomites auf dem Monte Rite nahe Cortina. „Jetzt ist Schluss“, sagte Messner im Rahmen der Eröffnung. Kein Wunder: Achttausender hat der Mann ja inzwischen genug bezwungen.

Hat in den Wochen vor der Eröffnung viele neue graue Haare bekommen: Reinhold Messner

Foto: www.wisthaler.com

Wer zum Museum wandern möchte, braucht etwa vier Stunden vom Tal aus. Bequem geht es per Seilbahn. Weitere Informationen zum Projekt auf der Internetseite des MMM Corones.

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Wussten Sie, dass...

... Südtirol Europas größtes zusammenhängendes Apfelanbaugebiet ist.


... es in Südtirol drei offizielle Landessprachen gibt: Deutsch, Italienisch und Ladinisch.


... die Seiseralm Europas größte Hochalm ist (so groß wie 8.000 Fußballfelder).


... man „Ötzi“, die älteste Gletschermumie der Welt, im Archäologiemuseum in Bozen bestaunen kann.


... der Vinschgau das niederschlagsärmste Tal der Alpen ist.


... es in Südtirol rund 800 Burgen und Schlösser gibt.


... rund 4.500 Südtiroler mit dem Nachnamen Mair heißen.


... der höchste Gipfel der Ortler ist mit genau 3.905 Metern.

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