Touri-Attraktion Bastøy in Norwegen

Hier badet man neben dem absurdesten Knast der Welt

Das Minimum-Sicherheitsgefängnis auf der norwegischen Insel Bastøy ist der wohl luxuriöseste Knast der Welt: Häftlinge können sich hier frei bewegen und ihren Hobbys nachgehen, um so resozialisiert zu werden. Auch für Badegäste steht die Insel offen.

Von Robin Hartmann

Falls Sie bei Ihrem nächsten Norwegen-Urlaub einen wirklich ungewöhnlichen Tagesausflug unternehmen wollen, besuchen Sie doch einmal Bastøy. Die knapp drei Quadratkilometer große Insel liegt im Oslo-Fjord unweit der norwegischen Hauptstadt, und beherbergt das wohl absurdeste Gefängnis auf der ganzen Welt. In dem Minimum-Sicherheits-Knast wohnen die Häftlinge gemeinsam in 80 Häusern, können sich tagsüber frei bewegen und gehen regulären Arbeiten nach, die sinnstiftend sind und zur Resozialisierung beitragen.

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Kann man das noch Gefängnis nennen? Auf Bastøy ist das Fernsehzimmer übrigens nur eine der Möglichkeiten, wie Häftlinge ihre Freizeit verbringen können.

Foto: Getty Images

Bastøy bietet seinen „Bewohnern“ auch eine Kirche, eine Schule, einen kleinen Einkaufsladen, staatliche medizinische und soziale Versorgung sowie zahllose Freizeitangebote – darunter Angeln, Fußball, eine Indoor-Kletterhalle, Gymnastik-Kurse, Fahrradfahren und ein Fernsehzimmer mit einem großen Bildschirm. Häftlinge mit einem Suchtproblem werden seit 2009 in gesonderten Räumen behandelt, um auch nach der Entlassung ein Leben frei von der Abhängigkeit zu führen.

Die Arbeit mit Tieren gehört auf Bastøy zum Resozialisierungs-Programm

Foto: Getty Images

Noch kein Ausbruchsversuch seit mehr als 30 Jahren

Die etwas mehr als 100 Insassen befinden sich zumeist in der Endphase einer langen Gefängnisstrafe, und nur wer vorher durch gute Führung aufgefallen ist, hat überhaupt eine Chance, in den Insel-Knast aufgenommen zu werden. Wer sich Regelverstöße leistet, wandert sofort wieder zurück in einen „Normalo-Knast“ – auch darum ist es auf Bastøy so sicher und ruhig. In der mehr als 30-jährigen Geschichte der Insel gab es nur einen einzigen dokumentierten Fluchtversuch. Auf der Webseite des „Unternehmens“ könnte man den Eindruck bekommen, man lese sich gerade die Bedingungen für eine Traumjob-Bewerbung durch: „Wir wollen Häftlinge, die sich verändern und an ihrer eigenen Motivation arbeiten wollen“, heißt es dort unter anderem.

Die Telefonzellen können die Gefangenen zu bestimmten Zeiten nutzen, um mit ihren Lieben zu sprechen

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Auf Bastøy wird Landwirtschaft betrieben

Norwegens Strafvollzug gilt als weltweit extrem progressiv, die Rückfallquoten sind mit etwa 16 Prozent sehr niedrig – zum Vergleich, in Deutschland beträgt sie ungefähr 50 Prozent, wie etwa das Magazin „Spiegel“ berichtet. Dabei sitzen auf Bastøy keinesfalls nur kleine Fische ein, sondern auch verurteilte Mörder, Drogendealer und andere Kapitalverbrecher. Diese leben und arbeiten auf der Insel bis zum Ende ihrer Strafen gemeinsam, zum Beispiel in der Küche, der Wäscherei, dem Shop oder im Bereich der Landwirtschaft – auf der Insel wird unter anderem Getreide, Erbsen und Bohnen angebaut, und auch Viehwirtschaft wird betrieben: Kühe und Schafe liefern Fleisch und Wolle, und gemeinsam mit den sechs Arbeitspferden produzieren die Insassen zum Beispiel Feuerholz. Einmalig: Freigänger dürfen tagsüber sogar auf dem Festland arbeiten.

So lässt es sich leben: Ein Häftling genießt ein Sonnenbad

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Der Großteil des anfallenden Mülls wird selbst entsorgt, und laut Gefängnis-Webseite arbeite man an der konstanten Minimierung von Co2-Emissionen. Das bedeutet, dass unter anderem die landwirtschaftliche Arbeit unter ökologischen Gesichtspunkten stattfindet. Sämtliche festen Mitarbeiter auf der Insel sind zudem sozial geschult, wie der Web-Auftritt von Bastøy verspricht: „Alle Angestellten haben ein Verständnis und die Kompetenz für menschliche Beziehungen.“

Norwegische Formel statt schwedische Gardinen: Tagsüber können sich die Häftlinge auf Bastøy frei bewegen

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Strandbereich auf Bastøy ist für Besucher zugänglich

Schon seit Jahren befassen sich auch die deutschen Medien mit Bastøy, denn die Erfolgsgeschichte der kleinen Insel erstaunt und verwundert offenbar noch viele hierzulande. „Darf Strafe so schön sein?“, titelte zum Beispiel die „Zeit“, der „Spiegel“ machte mit der Schlagzeile „Gefangen in Freiheit“ auf.

Offenbar hat man derart großes Vertrauen in die eigene Arbeit, dass die Gefängnis-Offiziellen die Häftlinge sogar auf einem Fischerboot und der Fähre arbeiten lassen, die täglich zwischen Bastøy und dem Festland verkehrt. Jährlich bringt die „MF Vederøy“ bis zu 40.000 Menschen und 1000 Fahrzeuge auf das Eiland – denn das hat sogar einen Strandbereich, der für die Öffentlichkeit frei zugänglich ist. Baden auf einer Knast-Insel – das ist wohl weltweit einzigartig.

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