Umstrittenes Bauprojekt auf Mamula in der Adria

Ex-Folterinsel der Faschisten soll Luxusresort werden

Auf der Insel Mamula in der Adria wurden in einer Festung im Zweiten Weltkrieg von den italienischen Faschisten Menschen gefangen gehalten und getötet. Nun soll genau dort ein Luxushotel entstehen. Es hagelt zurecht Proteste.

Früher Gefangenenlager, heute Touristen-Ziel, morgen Luxushotel? Die Festung Mamula, die im 19. Jahrhundert von den Habsburgern erbaut wurde und ab 1942 von italienischen Faschisten als Gefängnis genutzt wurde, soll zu einem Hotel umgebaut werden. Mehr als 100 Menschen sollen in hier an der Einfahrt in die weltberühmte Bucht von Kotor zu Tode gequält worden sein.

Die Adria-Insel Mamula

Foto: Fotolia

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, soll die montenegrinische Regierung bereits Ende vergangenen Jahres dem ägyptisch-schweizerischen Investor Orascom grünes Licht für das Hotelprojekt gegeben. Das zuständige Architektenbüro Salt & Water mit Sitz in der serbischen Stadt Novi Sad hatte dazu bereits im Mai 2014 Entwürfe auf seinem Blog veröffentlicht.

So soll das Hotel aussehen

Wie die Entwürfe zeigen, soll die runde Form der Festung bestehen bleiben und entsprechend luxuriös ausgebaut werden. Dort, wo einst Gefangene in Baracken und Zellen teilweise zu Tode gefoltert wurden, sollen nun Schlafzimmer entstehen. Daran angrenzend wollen die Architekten einen Pool, eine Tanzfläche, Shops und Restaurants erbauen. Auch darf in einem Luxushotel ein Spa nicht fehlen. Die Zimmer mit Blick aufs Meer sollen VIP-Gästen vorbehalten sein.

Einen eigenen Beachclub mit Strandabschnitt und Bootssteg ist ebenfalls geplant. Wie das Architekturbüro in seinem Blogeintrag schreibt, soll das Äußere der Festung komplett erhalten werden, gilt es doch als „eine der größten und besterhaltenen österreichischen Festungsanlagen an der Adria“ als eines der „beeindruckendsten architektonischen Sehenswürdigkeiten Montenegros“.

Über eine Brücke aus hellem Holz soll man das Hotel erreichen, das nach der Renovierung vielmehr einer romantischen Ritterburg ähnelt als einem ehemaligen Gefangenenlager, in dem Menschen gefoltert wurden.

Auf der Website mamulaisland.com wurden detaillierte Entwürfe für das Luxushotel veröffentlicht, genauso wie ein digitales Moodboard mit Fotos, die den Architekten für die Einrichtung der Zimmer offenbar als Inspiration dienen sollen. Dort ist ein Foto von einem Doppelbett mit weißer Bettdecke zu sehen, dazu eine Dekoration mit Baumstämmen und alten Koffern. Die Badezimmer könnten mit hellen Steinwänden, Doppelwaschbecken und Wasserhähnen, die direkt aus der Wand kommen, ausgestattet werden. 

Auf Instagram findet man viele Aufnahmen von Mamula:

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Empörung von Angehörigen

Wenn es nach den Investoren und Architekten geht, soll hier irgendwann nichts mehr an die schreckliche Vergangenheit erinnern. Und genau deshalb hagelt es Kritik. Vor allem Angehörige von Opfern, die hier umgekommen sind, empören sich über das Bauvorhaben. Die Aktivistin und Bauingenieurin Olivera Doklestic, deren Vater, Großvater und Onkel auf Mamula inhaftiert waren, bezeichnet das Gefangenenlager in der Online-Ausgabe der Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ gar als KZ: „Auf der ganzen Welt ist noch kein Konzentrationslager zu einem Hotel umgebaut worden.“

Nach Darstellung von Orascom haben Opfervertreter den Plänen aber zugestimmt. Die Regierung teilte mit, der Opfer solle durch eine Gedenkstätte auf der Insel gedacht werden. Der „Tages-Anzeiger“ berichtet außerdem von einem offenen Brief, den der frühere UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali an das Parlament in Podgorica geschrieben hat. Darin soll laut der Zeitung stehen, dass das Projekt verschoben werden müsse, „bis die Angehörigen der Opfer, die Regierung und Orascom-Vertreter eine Einigung fänden, um die Festung als Erinnerungsort zu erhalten“.

Ob das Luxushotel jemals verwirklicht wird, ist keinesfalls sicher. Zahlreiche andere Hotelprojekte ausländischer Geldgeber an der montenegrinischen Adriaküste waren in den vergangenen Jahrzehnten gescheitert.

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Nachfrage beim Architektenbüro Salt & Walter

Beim Architektenbüro Salt & Water scheint die aktuelle Diskussion um das Projekt jedenfalls für Wirbel zu sorgen. Auf Nachfrage von TRAVELBOOK.de, ob man Fotos der Entwürfe für das Resort zur Verfügung stellen könne, winkte man ab, ohne näher auf die Gründe eingehen zu wollen.

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