Bürgermeister: „Wir sind voll“

Venedig soll leerer werden

In Venedig möchte man die Anzahl der Touristen an bestimmten Attraktionen wie dem Markusplatz beschränken. „Wir sind voll, wir können wirklich nicht mehr Touristen aufnehmen“, sagt der neue Bürgermeister der Lagunenstadt – der mit seinem Versuch, beliebte Urlaubsziele den Einheimischen wieder zurückzugeben, nicht allein ist in Europa. Auch auf Mallorca, den Kanaren und in Barcelona wünscht man sich weniger, oder zumindest: „bessere“ Urlauber.

Was haben Barcelona, Mallorca, die Kanaren und Venedig gemeinsam? Richtig, sie sind äußerst beliebt bei Touristen und dementsprechend frequentiert. Aber sie eint noch etwas anderes, was genau daraus resultiert: Hier wie da nämlich wollen die Politiker vor Ort den Touri-Strom reduzieren.

„Wir sind voll, wir können wirklich nicht mehr Touristen aufnehmen“, sagte Luigi Brugnaro, der erst vor wenigen Wochen überraschend zum Bürgermeiser Venedigs gewählt wurde, in diesen Tagen der Nachrichtenagentur dpa. Der konservative Unternehmer will „den Druck von manchen Gegenden im historischen Zentrum nehmen“. Gemeint damit ist wohl vor allem der Markusplatz, der nicht nur von Tauben bevölkert wird, sondern mindestens genauso stark von Touristen.

Manchmal sieht man den Markusplatz vor lauter Touristen nicht mehr

Foto: getty images

Erwägt werde ein neues Buchungssystem, das vor allem für Tagestouristen gelten soll. Einheimische, Pendler und Hotelgäste dürften weiterhin unter bestimmten Bedingungen uneingeschränkten Zutritt zu Attraktionen wie dem berühmten Platz in Venedigs Mitte haben, Tagestouristen müssten sich demnächst wohl anmelden. Unklar ist, ob Eintritt bezahlt werden soll oder nicht.

Das lokale Leben wiederbeleben und den Einheimischen den Vorzug geben – so das erklärte Ziel des Bürgermeisters. Neben der Reglementierung der Anzahl der Touristen an bestimmten Hotspots schwebt ihm beispielsweise auch eine Extra-Schlange für Einheimische vor den Vaporetti, den Wasserbussen, vor. Auch möchte er Touristen gezielt umlenken: ins Umland. Die Dolomiten, zum Beispiel, seien doch auch sehr schön.

Auch schön: die Dolomiten. Von Venedig braucht man nur 40 Minuten, schon ist man da

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Erst Anfang der Woche waren ähnlich drastische Maßnahmen für Mallorca angekündigt worden. Biel Barceló, der stellvertretende Ministerpräsident der Regionalregierung der Balearen, könne sich durchaus vorstellen, so ließ er verlauten, dass man in Zukunft für die Inseln Mallorca, Ibiza, Formentera und Menorca ein Touristen-Limit für die Sommermonate beschließen könne.

Alle seien sich darüber im Klaren, so Barceló, dass in der Hauptsaison die Aufnahmekapazität der Balearen „total erschöpft“ sei. 80 Prozent der 14 Millionen Touristen, die Mallorca & Co. jährlich besuchen, kämen tatsächlich im Sommer her. Auch eine Touristenabgabe wird bereits erwogen.

Touri-Limit für die Kanaren

Auf den Kanaren regt sich ebenfalls Widerstand gegen den jährlichen Zustrom von Touristen. Hier möchte man nicht nur deren Anzahl reduzieren, sondern gern ein bisschen wählerischer sein. „Es nützt nichts, wenn 20 Millionen kommen, aber alle ein ‘All-inclusive-Paket‘ haben“, sagte Regierungschef Fernando Clavijo vom nationalistischen Parteienverband Coalición Canaria in einem Interview der Zeitung El País. Man wolle ein Touristen-Limit und vor allem Besucher, die „die Umwelt respektieren“ und „auch Geld hier lassen“.

Auf einen bestimmten Typ Urlauber verzichten möchte man auch in Barcelona. Auf die Partytouristen nämlich, die zuweilen betrunken und nackt auf den Straßen herumpöbelten. Vor einem Jahr gingen sogar schon die Einheimischen im früheren Arbeiter- und Fischerviertel Barceloneta auf die Straße und demonstrierten gegen den Zustrom dieser Proll-Touristen.

Impressionen von Barcelona sehen Sie hier:

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„Es ist unbedingt nötig, Ordnung zu schaffen“, befand denn auch die neue linke Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, und erließ vor wenigen Tagen ein einjähriges Moratorium für die Neuzulassung von Hotels und anderen Unterkünften in der Mittelmeermetropole.

Italien träumt vom „gebildeten Reisenden“

In Italien träumt man derweil von einer Art Renaissance: von der Rückkehr des „gebildeten Reisenden“ nämlich. Sein Land sei „nicht an dem Chinesen interessiert, der aus dem Kreuzfahrtschiff aussteigt, sich zu einem Outlet führen lässt, das Kolosseum fotografiert und wieder wegfährt“, sagte Kulturminister Dario Franceschini vergangene Woche. Nach Italien „müssen wieder gebildete Reisende zurück“.

Franceschinis Regierung möchte sich daher künftig für einen qualitativ hochwertigen Fremdenverkehr einsetzen, bei dem das Kulturangebot stärker gefördert wird. Vor allem unbekanntere Ecken wolle man promoten, kleinere Denkmal-Orte mit ihren „unglaublichen Schätzen“, die bisher nur von „wenigen Ausländern besichtigt“ würden.

Klicken Sie sich hier durch Impressionen aus Italien:

Bei so viel Gejammer über kulturlose oder trinkfreudige Touristen würde man sich fast wünschen, die Destinationen könnten sich ihre Besucher gezielt aussuchen – anhand eines Online-Profils etwa. So wie es bei Zimmervermittlungen wie Airbnb zum Beispiel möglich ist, wo sich die Gastgeber vorab über die Interessen und Motivationen der Gäste informieren und auch die Bewertungen anderer einsehen können.

Allerdings: Letztlich dürfte dann doch nicht selten etwas ganz anderes über die Aufnahme entscheiden als die Nase oder der Bildungsstand des Bewerbers. Schließlich sind Gastgeber immer auch auf das Geld angewiesen, das die Gäste mitbringen. Im Krisen gebeutelten Spanien, zum Beispiel, beträgt der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt gute elf Prozent, zwei Millionen Menschen leben vom Urlaubergeschäft. Und so bleibt sicher vieles, was man sich vorab vorstellt und schön ausmalt, letztlich – ein Wunschtraum.

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