Er ließ es sich nicht patentieren

Die bittere Geschichte des Spaghettieis-Erfinders

Spaghettieis: Es sieht aus wie Nudeln mit Tomatensoße und geriebenem Parmesan, ist aber süß und kalt und besteht aus Vanilleeis, Erdbeerpüree, Sahne und weißer Schokolade. Erfunden hat es Dario Fontanella 1969 in der Eisdiele seines Vaters in Mannheim. Was das Spaghettieis so besonders macht, warum die Sahne so schön knackt, und warum sich Fontanella seine geniale Idee nie patentieren ließ, lesen Sie in unserer Food-Kolumne „Friederikes Weltspeisen“. Dazu gibt es das Original Spaghettieis-Rezept.

Friederike Koenig Von Friederike Koenig

Als wären selbst gemachte Nudeln mit einer guten, ebenfalls selbst gemachten Tomatensoße und einer großen Portion Parmesan on top nicht schon lecker genug, ist die gefrorene Variante, also das Spaghettieis bestehend aus Vanilleeis, Erdbeerpüree, Sahne und weißen Schokoraspeln, so etwas wie die Krönung des italienischen Klassikers.

Foto: Travelbook/ Getty Images

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Moment mal, italienisch? Jein. Zwar beanspruchen die Italiener die Nudel-Erfindung oder zumindest die Nudel-Perfektion für sich, das Spaghettieis wurde allerdings in Deutschland erfunden – okay, von einem Italiener. Es war Dario Fontanella, der mit seinen damals 17 Jahren in Italien ein Dessert namens Mont Blanc aß, was ihn schließlich auf die Idee mit dem Spaghettieis brachte – „die brillianteste Idee in seiner Laufbahn“, wie er im Interview mit TRAVELBOOK sagt.

Bei dem Dessert werden Maronen durch eine Spätzlepresse gedrückt und sehen anschließend aus wie lange Schnüre, die man zu einem Berg formt. Diese Technik adaptierte Fontanella, um Eiscreme-Nudeln herzustellen. Zunächst probierte er sich bei einem Besuch der Mannheimer Eisdiele seines Vaters in den Osterferien 1969 an Pistazien-, Zitronen- und Erdbeereis, um Eisnudeln in den Farben der italienischen Flagge herzustellen. Doch das Ergebnis war ernüchternd: Was aus der Presse herauskam, war Eissoße statt schön geformter Spaghetti.

Es gibt kein Geheimnis

Es dauerte eine Weile, doch dann hatte Fontanella den Trick raus, um filigrane, lange Nudeln aus Vanilleeis (die Farbe ähnelte echten Nudeln schlichtweg am meisten) herzustellen; die Spätzlepresse musste eiskalt sein. Dafür legte er sie 15 Minuten vorab in den Tiefkühlschrank. Ein Geheimnis für die Zubereitung hat Fontanella aber nicht: „Unser Geheimnis ist, keine Geheimnisse zu haben. Unser Eis ist minimalistisch, wir arbeiten mit so wenig wie möglichen Zutaten, aber all diese haben hohe Qualität.“

Und dazu gehört Vanilleeis aus eigener Herstellung, frisch geschlagene Sahne, reife Erdbeeren, die mit etwas Zucker püriert werden, um den Tomatensoßen-Look zu bekommen und gute, geraspelte weiße Schokolade als Parmesan-Imitat.

1969 erschien das Spaghettieis das erste Mal auf der Karte, im Laufe der Jahre folgten weitere Eisdielen, die Fontanellas Spezialität anboten, bis es schließlich in fast jeder deutschen Eisdiele ins Programm aufgenommen und um wilde Kreationen erweitert wurde. Dazu Fontanella: „Schokosoße und Kokosraspeln statt Erdbeersoße und weiße Schokolade, warum nicht? Aber nicht bei uns.“ In der Eismanufaktur Mannheim* kommt nur das Original auf den Tisch.

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Der Trick mit der „knackigen“ Sahne

Dass Sahne zum Spaghettieis serviert wird, ist dem Wunsch zahlreicher Gäste geschuldet, die fanden, dass sie zum Eis schlichtweg dazu gehört. Damit diese aber nicht das Gesamtbild stört, so Fontanella, hat er sie einfach unter dem Berg Eis-Nudeln versteckt – was es ganz besonders lecker macht. Denn durch den hohen Fettanteil von 35 Prozent hat Sahne einen anderen Gefrierpunkt als Eis, beim Kontakt mit dem kalten Vanilleeis, so erklärt es Fontanelle, wird sie so „schön knackig“. 

Kein Patent angemeldet

Eine etwas tragische Komponente hat die Erfindung der so leckeren Eisspezialität allerdings auch noch: Dario Fontanella ließ sich die Idee nie patentieren. Sowohl sein Vater als auch dessen Anwalt nahmen ihn und seine geniale Idee damals nicht ernst, und rieten ihm davon ab, es patentrechtlich schützen zu lassen.

Ein Jammer, möchte man sagen, gibt es doch fast keine Eisdiele in Deutschland, die diese Spezialität heute nicht anbietet. Und vor drei Jahren fing sogar eine Eisdiele in New York an, Spaghettieis anzubieten. Fontanellas Idee hätte ihn im Nachhinein sicher zum Millionär gemacht. Doch Fonatella sieht es praktisch, er sagt: „Sicherlich bereue ich es ein bisschen. Aber ein Trost ist, dass das Spaghettieis sicherlich nicht eine der meist verkauften Eisspezialitäten Deutschlands geworden wäre, wenn die Form bzw. der Name des Spaghettieis patentiert worden wäre.“

So macht man Spaghettieis zu Hause

Wer es jetzt kaum noch erwarten kann, Spaghettieis einmal selbst zu Hause auszuprobieren, hier die Zubereitung im Original, die Zutaten und Mengen habe ich auf zwei Personen angepasst. Buon appetito!

Zutaten:

  • 4 Kugeln Vanilleeis
  • 400g Erdbeeren
  • etwas Zucker
  • 100g Schlagsahne
  • etwas weiße Schokolade
  • Außerdem: Spätzlepresse
Zubereitung nach Dario Fontanella

  1. Die Spätzlepresse gewaschen und gut abgetrocknet für circa 15 Minuten in den Tiefkühlschrank legen.
  2. In die Mitte eines vorgekühlten Tellers etwas geschlagene Sahne geben.
  3. Mit einem nassen Löffel oder Portionierer eine Kugel Vanilleeis abstechen, in die Spätzlepresse geben, diese durchdrücken und die Eisnudeln auf dem Teller anrichten.
  4. Die gewaschenen und entkelchten Erdbeeren mit etwas Zucker pürieren und über die Eis-Spaghetti geben.
  5. Anschließend die weiße Schokolade wie Parmesan über die Nudel reiben.

* Adresse: Eis Fontanella, Eismanufaktur Mannheim, O4,5, 68161 Mannheim

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