Umbuchungen möglich, mehr Handgepäck, feste Sitzplätze

Ryanair – wie teuer wird der Billigflieger in Zukunft?

Kaum Service, Gebühren auf alles und an jeder Ecke sparen – das hat Ryanair ein mieses Image verpasst, das die Airline bislang durch fast unschlagbare Preise wettmachen konnte. Nun springen die Kunden ab, und Ryanair plant (mal wieder) eine Service-Offensive. Was das bedeutet und was sich alles ändert – ein Check.

Es ist ein hartes Geschäftsjahr für Ryanair: Zum ersten Mal seit fünf Jahren musste die irische Billigfluglinie Gewinneinbrüche vermelden. Doch schon gibt es eine Reihe von Strategien, wie Ryanair ihren Status als Europas größte Fluggesellschaft nicht nur aufrechterhalten, sondern  weiter ausbauen will.

Unternehmenschef Michael O'Leary hat in den vergangenen Wochen eine Serviceoffensive und Änderungen bei den Gebühren angekündigt. Außerdem will Ryanair künftig verstärkt von größeren europäischen Flughäfen aus starten und neue Strecken ins Programm nehmen.

Müssen sich Kunden des Billigfliegers wegen der Service-Offensive zukünftig auf höhere Preise einstellen? Vorerst nicht. Im Gegenteil: Es wird sogar günstiger. Wie lange Ryanair Service und Billigpreise vereinbaren kann, bleibt aber ungewiss.

Was sich alles änderT

1. Neue Handgepäck-Regelung

Bisher war pro Fluggast nur ein Handgepäck von maximal 10 Kilogramm mit maximal 55 x 40 x 20 Zentimetern erlaubt. Handtaschen, Foto-Apparate etc. durften nur gegen Extra-Gebühr separat mitgeführt werden. Mit einer neuen Regelung reagierte Ryanair jetzt auf jahrelange Beschwerden: Seit Sonntag dürfen Passagiere ein zweites, kleines Handgepäckstück (35 x 20 x 20 Zentimeter) kostenlos mit an Bord nehmen.

2. Gebühren gesenkt

Bisher galt: Wer vor dem Flug online zwar eingecheckt, dann aber sein Ticket vergessen hatte, musste am Flughafen ordentlich draufzahlen: 70 Euro verlangte Ryanair für den Ausdruck einer Bordkarte. Seit dem 1. Dezember müssen Passagier nur noch 15 Euro für eine am Flughafen ausgestellte Bordkarte zahlen. Zudem können in Zukunft auch mobile Bordkarten auf dem Handy verwendet werden.

Eine deutliche Gebühren-Reduzierung gibt es auch bei der Gepäckaufgabe am Flughafen: Ab 5. Januar zahlen Fluggäste nur noch 30 statt 60 Euro für aufgegebenes Gepäck.

Wer sich bei der Buchung versehentlich vertippt hat, musste bisher 25 Euro für eine nachträgliche Änderung zahlen. Künftig sind Tippfehler bei der Buchung über die Ryanair-Hotline ohne Aufpreis änderbar.

3. Freie Sitzplatzwahl entfällt

Bisher galt: Wer zuerst kam, konnte sich die besten Plätze sichern. Lediglich ein kleines Kontingent konnte gegen Aufpreis reserviert werden. Ab Februar 2014 entfällt die freie Sitzwahl – dann bekommt jeder Passagier einen Tag vor dem Flug automatisch einen festen Platz im Flieger zugewiesen. Wer sich seinen Wunschplatz selbst aussuchen will, kann dies gegen eine Gebühr von 5 Euro tun.

4. Umbuchungsmöglichkeit

Bisher gibt es bei Ryanair keine Umbuchungsmöglichkeit. Heißt: Wer einen früheren oder späteren Flug nehmen möchte, muss sich ein neues Ticket kaufen. Für das kommende Jahr hat Ryanair-Chef Michael O’Leary angekündigt, eine Umbuchungsmöglichkeit einzuführen. Kostenlose Änderungen sollen allerdings nur 24 Stunden nach der Buchung möglich sein.

5. Erweiterung der Strecken

Eine Erhöhung der Passagierzahlen will Ryanair durch einen Ausbau der Flugzeugflotte und durch eine Erweiterung des Streckennetzes erreichen. Auch ab Deutschland gibt es einige neue Verbindungen: Seit Oktober 2013 fliegt Ryanair zweimal wöchentlich von Köln/Bonn nach Teneriffa. Neu sind auch die Verbindungen Frankfurt/Hahn – Lissabon und Dortmund – London-Standsted. Vom Flughafen Memmingen (Bayern) und von Berlin-Schönefeld gibt es ab April 2014 erstmals Flüge nach Shannon in Westirland.

6. Größere Airports

Ryanair will künftig verstärkt von größeren europäischen Flughäfen aus starten. In den nächsten fünf Jahren, so kündigte Unternehmenschef Michael O'Leary Ende November an, werde die irische Fluggesellschaft auf den meisten Hauptflughäfen in Europa vertreten sein. Allerdings könnte der Billigflug von größeren Flughäfen „etwas teurer” werden. Und die drei wichtigsten Drehkreuze Europas – London-Heathrow, Charles-de-Gaulle in Paris und der Flughafen Frankfurt – werden nicht angeflogen. Stattdessen aber zum Beispiel Rom und Brüssel. Auch die Rückkehr an den EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg ab Sommer 2014 gab Ryanair bekannt.

Ryanair orientiert sich nach eigenen Angaben am Erfolg seines britischen Konkurrenten EasyJet, der zuletzt seinen Gewinn unter anderem durch besseren Kundenservice deutlich steigern konnte. Man wolle von diesem Erfolg lernen, sagt Ryanair-Chef O'Lear. Europas größte Fluggesellschaft will weiter wachsen. Das Ziel: In fünf Jahren will die Fluggesellschaft 110 Millionen Passagiere jährlich abfertigen – 30 Millionen mehr als jetzt.