Schienenverkehr lahmgelegt

Bahnstreik – das müssen Reisende jetzt wissen

Mega-Staus auf den Straßen, Chaos im Nahverkehr: Der Rekordstreik bei der Bahn trifft Hunderttausende Reisende und Pendler. Mit Notfahrplänen versucht die Deutsche Bahn, die Auswirkungen des Lokführer-Ausstands zu reduzieren. Welche Rechte und Möglichkeiten Reisende haben – die wichtigsten Infos im Überblick.

Bis Montag um 4.00 Uhr wollen die deutschen Lokführer streiken. Bundesweit sind alle Fahrgäste des Nah- und Fernverkehrs und der S-Bahnen betroffen. Was Reisende dazu wissen müssen:

Gibt es einen Ersatzfahrplan?
Ja. Die Bahn strebt an, trotz des Streiks rund ein Drittel des normalen Zugangebots auf die Schiene zu bekommen. Dabei konzentriert sie sich auf die wichtigsten Verbindungen. So sollen die Züge auf der zentralen West-Ost-Route Köln/Düsseldorf-Berlin weiter stündlich fahren. München-Dortmund sowie Berlin-Basel werden weiter im Zwei-Stunden-Rhythmus bedient. Aber auch auf einigen Hauptstrecken werden Takte ausgedünnt, etwa zwischen Hamburg und München sowie Berlin. Eine Reihe von Ergänzungszügen wie auch die „Sprinter“ Köln-Hamburg, Frankfurt-Berlin und Frankfurt-Hamburg fallen weg, ebenso viele Intercity-Verbindungen. Auch im Regionalverkehr soll es Ersatzfahrpläne geben.

Sind auch internationale Verbindungen betroffen?
Ja. Fahrgäste müssen auch bei Fahrten von Deutschland ins Ausland und in umgekehrter Richtung mit Zugausfällen rechnen. Falls bei grenzüberschreitenden Fernzügen die vorgesehenen Lokführer in den Streik treten, könnten diese Verbindungen ebenfalls ausfallen. Das sei abhängig vom einzelnen Zug. Auch Nachtzüge könnten bestreikt werden, sagte ein Bahnsprecher.

Wo kann ich mich informieren?
Bahnfahrer finden online Informationen über den Ersatzfahrplan. Die beste Adresse dafür ist die Live-Auskunft der Bahn. Dort gibt es Auskunft über alle Züge, die jeweils in den nächsten zwölf Stunden fahren. Auf dem Smartphone finden Fahrgäste diese Infos mit der App DB Navigator oder unter m.bahn.de.

Der Ersatzfahrplan wird fortlaufend entsprechend der aktuellen Verkehrslage aktualisiert – „immer nach Bedarf“, erklärte ein Bahnsprecher. Hat sich der Fahrgast eine Zugverbindung herausgesucht, sollte er diese direkt vor Reiseantritt noch einmal prüfen, um sicherzugehen, dass sie noch aktuell ist. Grundsätzlich fänden sich in der Live-Auskunft nur Züge, die auf jeden Fall bis zum Ziel fahren, sagte der Sprecher. Es sind also keine Züge aufgelistet, die zwar vor Streikbeginn abfahren, aber dann unterwegs ihre Fahrt unterbrechen. Der Ersatzfahrplan gilt ganztägig am Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag.

Allgemeine Verkehrsmeldungen gibt es unter bahn.de/aktuell. Dort können Kunden herausfinden, in welchem Bundesland es regionalen Ersatzverkehr gibt. Informationen zum Streik gibt es auch telefonisch unter der kostenlosen Servicenummer 08000/99 66 33.

Welche Rechte habe ich als Bahnkunde?
Bahnreisende bekommen einen Teil ihres Ticketpreises zurück, wenn sich ihr Zug wegen des Streiks um mehr als 60 Minuten verspätet. Die Bahn kann so einem Fall keine höhere Gewalt geltend machen. Ab 60 Minuten Verspätung erhalten Bahnkunden 25 Prozent des Reisepreises zurück, ab 120 Minuten sind es 50 Prozent.

Die Bahn bietet von dem Streik Betroffenen darüber hinaus eine kostenlose Erstattung von Tickets und Reservierungen an. Das Erstattungsformular dazu gibt es hier.
Fahrgäste, die wegen des Streiks nicht mit ihrem gebuchten Zug fahren können, dürfen zudem den nächsten – auch höherwertigen – Zug nutzen. Bei zuggebundenen Angeboten wie Sparpreis-Tickets wird die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen sind einige Regionalangebote wie das Schönes-Wochenende-, das Quer-durchs-Land- oder Länder-Tickets sowie reservierungspflichtige Züge.

Fahren andere Bahn-Unternehmen regelmäßig?
Das ist nicht gewährleistet. Unter dem Lokführerstreik könnten auch Kunden anderer Bahn-Unternehmen leiden. „Es kann nicht vermieden werden, dass bestreikte Züge der Deutschen Bahn Gleise blockieren“, hieß es etwa bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) in Berlin. Das könne zu Unregelmäßigkeiten führen, auch wenn die Odeg selbst nicht bestreikt wird. Ähnlich äußerten sich weitere Anbieter in Berlin und Brandenburg.

Wie sieht es mit Mietwagen aus?
Mietwagen lassen sich unkompliziert online reservieren, zum Beispiel auf billiger-mietwagen.de. Bei einer Buchung über Internetportale ist in der Regel eine Stornierung 24 Stunden vor Mietbeginn möglich, erläutert Falk Murko von der Stiftung Warentest. Beim letzten Bahnstreik waren viele Reisende auf Mietwagen ausgewichen. Daher kam es zum Teil zu Engpässen.

Werden die Plätze in Fernbussen eng?
Es gibt jetzt einen wahren Ansturm auf Fernbusse. „Wir haben binnen weniger als einer Stunde fünfmal mehr Zugriffe auf unserer Buchungsseite verzeichnet als sonst üblich“, sagte ein Sprecher des Marktführers Meinfernbus.de. Zu den 308 regulären Omnibussen des Anbieters sollen mindestens 50 weitere Fahrzeuge eingesetzt werden. Pro Streiktag könnten die Buchungen um das Vierfache des sonstigen Wertes hochschnellen. „Wir gehen davon aus, dass die Busse voll sein werden“, betonte der Sprecher. Beim letzten Bahnstreik im Oktober seien 100 Fahrten zusätzlich ins Programm genommen worden.

Flixbus rechnet mit einem Umsatzanstieg von mindestens 30 Prozent. Der ADAC-Postbus erwartet für das Streikwochenende 50 Prozent mehr Buchungen. Zusätzlich zur Postbus-Flotte von 60 Omnibussen werde das Gemeinschaftsunternehmen von ADAC und Post alle verfügbaren Ersatzfahrzeuge zum Einsatz bringen, um den Bahnkunden eine Alternative zu bieten, hieß es. Die meistgefragten Strecken bei den Fernbussen sind Hamburg-Berlin, München-Essen sowie Verbindungen von und nach Frankfurt.

Sind Fernbus-Tickets jetzt teurer?
Die hohe Nachfrage wirkt sich auch auf die sonst meist günstigen Ticketpreise aus. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Anbieter die Preise extra wegen des Streiks anziehen. „Bei den meisten Fernbussen steigen die Preise mit der Nachfrage“, erklärt Andreas Oswald vom Vergleichsportal Fernbusse.de. Die Situation vor dem Bahnstreik sei vergleichbar mit der vor Ostern oder Weihnachten. Außerdem werden die Fahrten bei vielen Fernbusanbietern teurer, je näher das Abfahrtsdatum rückt.

Was ist, wenn ich kein Ticket mehr bekomme?
Dann ist Geduld gefragt. „Interessenten sollten immer wieder im Internet nachschauen, weil weitere Kapazitäten aktualisiert werden“, rät der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen (bdo). Aufgrund der bestehenden Lizenzen dürften die Anbieter keine zusätzlichen Takte anbieten, sondern lediglich zu den festen Abfahrtszeiten zusätzliche Fahrten oder größere Busse einsetzen.

Wofinde ich eine Mitfahrgelegenheit als Alternative?
Zum Beispiel bei der Internet-Plattform mitfahrgelegenheit.de, bei der private Autofahrer ihre freien Sitzplätze anbieten. Auf der Webseite werden derzeit rund doppelt so viele Fahrten vermittelt wie sonst. „Besonders auffällig ist die Zahl der neuen Autofahrer gestiegen, die einen Platz zur Verfügung stellen“, sagte ein Sprecher in München. Für die kommenden Tage würden zusätzlich etwa 100.000 Plätze angeboten. Die Preise seien dabei nicht gestiegen. So kostet eine Fahrt von München nach Berlin etwa 28 bis 30 Euro. Mitfahrgelegenheit.de hat nach eigenen Angaben sechs Millionen registrierte Nutzer. Weitere Mitfahrportale sind etwa Blablacar oder BesserMitfahren.

Auch auf Twitter bieten Nutzer private Mitfahrten unter dem Schlagwort #twitfahrzentrale an. Unter diesem Hashtag werden alle Beiträge gesammelt, die Angebote und Suchanfragen für private Fahrten enthalten. Manchmal wird noch das Schlagwort #bahnstreik dazugestellt.

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Hotlines der großen Fernbusanbieter

Meinfernbus: 0180 – 5 15 99 15 (0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz). Website: www.meinfernbus.de


Flixbus: 01807 – 123 99 123 (30 Sekunden kostenfrei, danach 0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz). Website: www.flixbus.de

Deinbus.de: 069 – 17 53 73 200. Website: www.deinbus.de

ADAC Postbus: 0228 – 97 27 27 97. Website: www.adac-postbus.de

Berlin Linien Bus: 030 – 338 448 0. Website: www.berlinlinienbus.de