Frankfurter Buchmesse: Die besten Bücher aus dem Gastland Brasilien

Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Die 6 besten Bücher über Brasilien

Brasilien ist Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse – und kaum ein Verlag, der nicht ein paar Titel zum Thema frisch auf den Markt bringt. TRAVELBOOK hat sich unter den Neuerscheinungen umgesehen – und eine Auswahl getroffen.

Cornelia Tomerius Von Cornelia Tomerius

FLIPFLOPS UND FLUGZEUGE
Die Gebrauchsanweisungen aus dem Piper Verlag sind fast ausnahmslos verlässliche Reisebegleiter, die nicht nur mit Wissen über Land und Leute glänzen, sondern so kurzweilig und pointiert daherkommen, dass man sie gern mit auf die Reise nimmt. So auch die „Gebrauchsanweisung für Brasilien“, die seit August die Länder-Reihe ergänzt. Peter Burghardt hat dafür Favelas und Luxusläden besucht, war auf Zuckerrohrplantagen und am Amazonas. Er erklärt, wie Flipflops und Flugzeuge die Wirtschaft stützen und wie Oscar Niemeyer zum Herr der Kurven wurde. Nach der Lektüre der Gebrauchsanweisung möchte man eigentlich nur noch eines: Sie anwenden.

„Gebrauchsanweisung für Brasilien“ von Peter Burghardt, Piper Verlag, 240 Seiten, 14,99 Euro

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DIE MELANCHOLIE IM SAMBA
„Was in Brasilien passiert, kann in Europa niemanden kalt lassen“, schreibt der Autor in seinem Vorwort, „auch darum sollten wir uns für das Land und seine Kultur interessieren, ganz unabhängig von der Schönheit, die dieser Kultur wie selbstverständlich entspringt.“ Kersten Knipps Buch ist ein guter Einstieg, um mehr über Brasilien zu erfahren. Denn es holt die Leser dort ab, wo sie sich schon ein bisschen auskennen: bei Samba und Fußball, Capoeira und Caipirinha, um dann auch die weniger schönen, die hässlichen Seiten des Landes zu beleuchten. So erklärt Knipp unter anderem, wie Brutalität und Gewalt in Brasilien zum Alltag werden konnten oder wie die Melancholie in den Samba kam.

„Das ewige Versprechen” von Kersten Knipp, Suhrkamp, 382 Seiten, 11,99 Euro

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ALS GRINGO AN DER COPACABANA
Andreas Wunn zieht für das ZDF an den Zuckerhut, wo der Reporter natürlich bald der Schönheit dieser Stadt und nicht zuletzt ihrer Bewohnerinnen erliegt. Und wo er eine ganze Menge lernt. Etwa, dass ein Brasilianer sein Bier am besten „kalt wie blöd“ trinkt (estupidamente gelada). Dass man kein Handtuch mit an den Strand nimmt, weil das gegen die heiligen Strandregeln verstößt. Oder dass man den ersten Aufzug im Haus nur mit einer Einkaufstüte benutzen darf – hat man zwei, nehme man doch bitteschön den für das Personal. Wunn erzählt mit viel Witz aus seinem Leben als Gringo an der Copacabana und erklärt kulturelle Missverständnisse sowie dubiose Regeln. Ein unterhaltsames Buch ist dabei entstanden – und eine ideale Strandlektüre.

„In Brasilien geht’s ohne Textilien“ von Andreas Wunn, Heyne, 256 Seiten, 8,99 Euro

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BERICHT EINES HUNDERTJÄHRIGEN
Von dem Autor hat man garantiert schon mal gehört: Denn für seine Musik ist Chico Buarque auch über die Grenzen Brasiliens berühmt, ist er doch eine der schönsten Stimmen des Bossa Nova. Buarque ist allerdings nicht nur ein großartiger Musiker, sondern auch ein genialer Erzähler. Für seinen Roman „Budapest“ wurde er mit dem Prêmio Jabuti, dem Brasilianischen Man Booker Prize ausgezeichnet. In seinem neuen Roman „Vergossene Milch“ lässt er nun einen Hundertjährigen sein Leben erzählen. Es ist nicht nur die Geschichte eines alten, an der Liebe zerbrochenen Mannes, sondern auch die Geschichte Brasiliens, eines Landes, das seine Vergangenheit genauso wenig aufgearbeitet hat wie der alte Eulálio, dessen Ururgroßvater einst mit dem portugiesischen König nach Brasilien kam und dessen Vater ein hohes Tier zu Zeiten der Militärdiktatur war. Ein großer Roman, den man kaum aus der Hand legen mag.

„Vergossene Milch“ von Chico Buarque, S. Fischer, 208 Seiten, 19,99 Euro

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DIE BIOGRAFIE DER COPACABANA
Eine Biografie der Copacabana wollte Dawid Danilo Bartelt schreiben. Doch sein Buch ist weit mehr als eine Ortserkundung des berühmten Strandes: So wie Copacabana symbolisch für Brasilien und die brasilianische Lebensart steht, so erkundet das Buch nicht nur den Ort, sondern auch die Geschichte, Psyche und Seele des ganzen Landes. Erklärt werden Körperkult und Bademode, wie der Bossa Nova entstand und die moderne Architektur – und warum Brasilien ausgerechnet an der Copacabana ein neues Selbstbewußtsein gewann.

„Copacabana. Biographie eines Sehnsuchtsortes” von Dawid Danilo Bartelt, Wagenbach, 208 Seiten, 10,90 Euro

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KLEINES BUCH MIT GROSSEN ERZÄHLERN
Der Buchdeckel ist in etwa so groß wie zwei nebeneinander gelegte Bierdeckel – und so zwingt schon das Format förmlich zum Kauf dieses Büchleins. Auf mehr als 300 Seiten versammelt das kleine Buch die ganz Großen der jüngeren und älteren brasilianischen Literatur – Jorge Amado, Chico Buarque, Clarice Lispector, um nur einige zu nennen. Das Buch lässt den Leser anhand ihrer zumeist sehr unterhaltsamen, oft nachdenklichen Geschichten das Land jenseits seiner Klischees entdecken. Ein Must-Have für jeden Brasilien-Reisenden!

„Brasilien erzählt", herausgegeben von Christiane Freudenstein, Fischer Taschenbibliothek, 336 Seiten, 12 Euro

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Ehrengast Brasilien

92 brasilianische Autoren aus nahezu jedem literarischen Genre sollen ihre Werke in mehr als 150 Veranstaltungen vorstellen, alle Termine gibt es auf der Webseite der Frankfurter Buchmesse.

Abseits der Buchmesse bietet die Mainmetropole Besuchern ein kulturelles Rahmenprogramm, dass die Vielfalt der brasilianischen Kultur in die Mainmetropole bringt.

• seit 5. September ist in der Kunsthalle Schirn die Vielfalt brasilianischer Straßenkunst in der Ausstellung „Street-Art Brazil“ zu sehen, ab 2. Oktober die Gruppenausstellung „Brasiliana“ mit Raumgestaltungen und Installationen

• noch bis 19. Januar präsentiert das Deutsche Architekturmuseum junge brasilianische Architektur

der Fotograf Gustavo Germano zeigt im Haus am Dom ab 7. Oktober seine Bilder von Angehörigen der Opfer der brasilianischen Militärdiktatur unter dem Titel „Ausenc.as Brasil“

ein Festival brasilianischer Kultur veranstaltet das Künstlerhaus Mousonturm vom 3. bis 13. Oktober mit Tanz, Theater, Workshops, Party, Konzerten, Hip-Hop und Body-Art aus dem Land. Alle Veranstaltungen auf der Webseite von Mousonturm

Auf der Webseite brazilfrankfurtbookfair.com gibt es einen Vorgeschmack wie sich Brasilien als Ehrengast der Buchmesse präsentierten wird.

Infos Buchmesse-Besucher

Messetage: Die Frankfurter Buchmesse ist vom 9. bis 11. Oktober für das Fachpublikum geöffnet. Am 12. und 13. Oktober 2012 sind auch Privatbesucher willkommen.

Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr (Sonntag nur bis 17.30 Uhr).

Preise: zwischen elf Euro für eine Tageskarte (Privatbesucher, ermäßigt) bis zu 48 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher sind 17 Euro fällig.

Lesungen: Neben vielen Veranstaltungen auf dem Messegelände lockt außerdem das Lesefest Open Books vom 8. bis 12. Oktober mit 110 Veranstaltungen und 130 Autorinnen und Autoren. Alles Infos auf der Webseite openbooks-frankfurt.de.