Einfuhr verboten!

Hände weg von diesen Souvenirs

Gerade erst hat die Zollfahndung ihre Bilanz für 2013 vorgestellt. Die zeigt: Viele Urlauber wissen anscheinend gar nicht, dass es sich bei ihren Souvenirs um Dinge handelt, deren Einfuhr verboten ist. TRAVELBOOK zeigt, welche Mitbringsel Reisende lieber im Urlaub lassen sollten. Oder wer weiß schon, dass etwa Kartoffeln nicht eingeführt werden dürfen?

Mehr als 200 Zigaretten, Elfenbeinschnitzereien, Dutzende gefälschte Rolex: Freuen sich viele im Flieger noch über ihre Urlaubsschätze freuen, warten nach der Gepäckausgabe oft genug deutsche Flughafen-Zöllner, die angesichts der unerlaubten Mitbringel keine Gnade zeigen. In einigen Fernsehformaten kann man sich entsprechend über sie amüsieren.

Zoll-JAhresbilanz 2013 zum teil erschreckend

Spätestens aber, wenn man bei der eigenen Reise vom Zoll erwischt wird, vergeht einem das Lachen. Viele Souvenirs aus unseren liebsten Reisezielen hätten wir wohl man kaum als illegalen Import eingeschätzt. „Wir erleben es immer wieder, dass Urlauber arglos Muscheln und Schneckengehäuse am Strand einsammeln. Das geht in vielen Fällen gut, manchmal sind aber eben doch geschützte Arten dabei“, so der Pressesprecher des Hauptzollamts Düsseldorf Michael Walk in einer Pressemitteilung auf Zoll.de. Und nur die wenigsten sind beim Thema Biologie so bewandert, dass sie die geschützte Art von der ungeschützten unterscheiden können.

Im März veröffentlichte das Bundesministerium der Finanzen die Jahresstatistik der Zollverwaltung für das Jahr 2013: Rund 46 Millionen Euro beträgt der Wert beschlagnahmter Waren an persönlichem Zubehör, wie Taschen und Schmuck. Erschreckend sind vor allem die Zahlen bei der Einfuhr von toten und lebendigen Lebewesen. 63.537 Sicherstellungen hat der Zoll allein im Bereich des Artenschutzes getätigt, fast 71 Prozent wurden dabei am Flughafen erfasst.

Schneckengehäuse

Gehäuse von Fechterschnecken sind weltweit häufige Mitbringsel im Reisegebäck von Strandurlaubern, da sie auch als Souvenir zum Kauf angeboten werden. Ein 42-jähriger Reisender verließ im März 2014 nach Ankunft aus der Karibik den Sicherheitsbereich am Flughafen über den grünen Ausgang für anmeldefreie Waren – und wurde einer unerwarteten Kontrolle der Zöllner unterzogen. Sie beschlagnahmten gleich 24 Gehäuse der geschützten Fechterschnecke, die nach eigenen Angaben als Dekoration für seinen Swimmingpool gedacht waren.

Ein beliebtes Mitbringsel aus der Karibik: Gehäuse der geschützten Fechterschnecke

Foto: Zoll.de

Allerdings konnte er die erforderliche Artenschutzgenehmigung der zuständigen Naturschutzbehörden nicht vorlegen. Diese braucht man, wenn man mehr als drei Exemplare der Meeresschneckengehäuse in die EU einführen will. „Nicht mal das erhebliche Gewicht von über 14 Kilogramm konnte den Reisenden davon abhalten, die geschützten Exemplare in seinem Reisegepäck mitzubringen“, sagt Thomas Meister, der Pressesprecher des Hauptzollamts München, in einer Mitteilung. Den Reisenden erwartet eine erhebliche Geldbuße.

Tierische schmuckstücke

Auch bei Schmucksouvenirs könnte es problematisch werden, wenn Sie nicht genau wissen, aus welchen Materialien sie bestehen. Bei reinem Gold- oder Silberschmuck ist der Fall klar, sollten aber organische Materialien, wie etwa Schildkrötenpanzer oder Schlangenhaut, im Schmuck verarbeitet sein, wird der geschulte Zoll schnell auf sie aufmerksam. Verzichten Sie also lieber auf fragwürdige Wertsachen, wenn Sie sich unsicher sind.

Ebenfalls verboten und vom Zoll beschlagnahmt: Eine größere Menge an Schmuckstücken, die mit Schlangenhaut der Netzpython überzogen waren.

Foto: Zoll.de

plagiate und begrenzte warenwerte

„Wenn die Rolex für 24 Euro nicht echt ist, sind sie manchmal immer noch überrascht“, wundert sich der Zollbeamte Bernd Rößler von der Zoll-Pressestelle der Bundesfinanzdirektion Mitte im Gespräch mit TRAVELBOOK über einige Touristen. „Der Toleranzwert bei Plagiaten ist generell gleich null“, fährt er fort. Es gibt allerdings laut Rößler deutliche Unterschiede: Es wird niemand am Flughafen wegen eines gefälschten Marken-Shirts bestraft. Liegt allerdings ein gewerbsmäßiger Verdacht vor, wenn man beispielsweise zehn Kleidungsstücke in unterschiedlichen Größen bei sich führt, drohen hohe Geldstrafen.

Egal ob Schmuck, Kleidung oder technische Geräte: Bei der Reiseankunft sind Waren im Wert von über 430 Euro anzumelden. Führen Sie einen höheren Wert ein, sollte man am Flughafen lieber den roten Ausgang für anmeldepflichtige Waren passieren.

lebensmittel: kartoffeln verboten!

Die US-amerikanischen Kartoffeln haben Ihnen im Urlaub besser geschmeckt als die heimischen Sorten? Leider müssen Sie trotzdem darauf verzichten, denn die Einfuhr von Kartoffeln aus Nicht-EU-Staaten – auch in geringen Mengen – ist im Reiseverkehr  grundsätzlich verboten. Die Gefahr, dass sich durch eingeführte Ware die bakterielle Ringfäule in Deutschland verbreitet, ist zu groß.

Auch bei Kaviar gibt es Einschränkungen: 125 Gramm in einem einzeln gekennzeichneten Behälter sind die Obergrenze. Aufgrund der Gefährdung aller Störarten ist die Einfuhr einer größeren Menge an Kaviar ohne Genehmigung verboten.

tonscherben als archäologisches Souvenir?

Welche geeigneten Souvenirs könnte man seinen Liebsten aus berühmten Archäologischen Stätten wie Pompeji und Pergamon mitbringen? Wer jetzt eine herumliegende, harmlose Tonscherbe als passendes Mitbringsel vor Augen hat, sei gewarnt: Jegliche archäologischen Gegenstände sind Kulturgüter, unabhängig des geschätzten Werts, und dürfen nur mit einer Ausfuhrgenehmigung eingeführt werden, ansonsten drohen, auch hier, empfindliche Strafen. Dass sie zuweilen am Urlaubsort millionenfach den Boden bedecken, ist leider kein Argument für die Mitnahme.

TIPPS vom zollbeamten

Wie können Urlauber schnell herausfinden, ob ihr Souvenir einem Einfuhrverbot unterliegt oder nicht? Der Zollbeamte Bernd Rößler empfiehlt die Smartphone-App „Zoll und Reise“. Gibt man hier die Warenherkunft und -kategorie ein, erhält man die nötige Auskunft auf einen Blick. Die App liefert ebenso Informationen, wie viel und ab welchem Alter Sie Waren importieren dürfen.

Sind Sie sich vor einer Reise unsicher, können Sie sich auch auf der offiziellen Internetseite oder auch direkt beim Flughafenzoll informieren. Generell gilt: Wählen Sie nach dem Flug den grünen Gang der Zollkontrolle und führen illegale Mengen oder Waren ein, gilt dies automatisch als Schmuggel und führt zu einem Bußgeld oder zieht in schweren Fällen ein Strafverfahren nach sich. „Ob sich das wirklich lohnt, muss jeder selber wissen“, so Rößler.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, befolgt folgenden Tipp des Zollbeamten: „Lassen Sie am besten immer alles dort, wo's hingehört.“

Zoll-Info zur Einfuhr von Lebewesen

Laut Zoll ist der illegale Handel mit exotischen Tier- und Pflanzenarten zwar ein lukratives Geschäft – allerdings mit dramatischen Folgen. Viele frei lebende Tier- und Pflanzenarten sind in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht und unterliegen mittlerweile strengen Einfuhrbestimmungen.

Um der Gefährdung beziehungsweise der Bedrohung  wirksam begegnen zu können, wurde 1973 das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen - kurz das "Washingtoner Artenschutzübereinkommen" - abgeschlossen.

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