Kein Streit mehr ums Zurücklehnen

Dieser Flugzeugsitz garantiert Beinfreiheit für alle

Die vergangenen Wochen haben es gezeigt: Über den Wolken ist das Konfliktpotential hoch. Wegen der Zurücklehn-Funktion der Sitze kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen. Mehrere Flüge mussten außerplanmäßig zwischenlanden. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, die Sitze so zu gestalten, dass alle Passagiere glücklich sind. Eine Firma aus Singapur hat einen entsprechenden Entwurf vorgestellt.

Letztlich gibt es nur zwei Möglichkeiten, das Problem mit den zurückkippbaren Sitzen und den damit verbundenen Streitigkeiten zu lösen: 1. Man schafft, wie die britische Fluglinie Monarch Airlines, die Funktion gänzlich ab und verhindert, dass sich Passagiere vom Sitz des Vordermanns eingeengt fühlen. Oder 2.: Man entwirft neue Sitze, die im Flugzeug das Zurücklehnen ohne Einschränkung der Beinfreiheit des Hintermanns ermöglichen, gleichzeitig aber nicht mehr Raum beanspruchen, sodass Airlines weiterhin die gleiche Anzahl an Passagieren befördern können.

Letzteres hat nun eine in Singapur ansässige Design-Firma versucht. Ihr Entwurf für einen Flugsitz soll Fluggästen nicht nur das konfliktfreie Zurücklehnen ermöglichen, sondern ihnen sogar insgesamt mehr Platz verschaffen. Rund 10 Zentimeter mehr Beinfreiheit habe die ab 2016 produktionsreife Omega-Serie im Vergleich zu herkömmlichen Sitzen, erklärt Alireza Yaghoubi, Mitbegründer und Chief Technology Officer bei Airgo, auf Anfrage von TRAVELBOOK. Zudem seien die Sitze im Schnitt circa 12 Prozent breiter. Aber: Trotz des größeren Komforts werde im ohnehin knappen Raum des Flugzeugs nicht mehr Platz für die Sitzreihen benötigt, sagt Yaghoubi. Für die Optimierung der Sitze habe man 3D-Scans genutzt. Einige Airlines hätten bereits Interesse bekundet.

Mehr Platz bei gleicher Raumnutzung: So sähe für Airgo der ideale Flugzeugsitz aus

Foto: Airgo

Wenn die Lösung für die Enge im Flugzeug so nahe zu liegen scheint, fragt man sich zwangsläufig, warum solche Sitze nicht schon längst in den Maschinen zu finden sind? Grund sind die hohen Kosten. „Die aktuelle Sitz-Technologie stammt aus den 60ern“, erklärt Yaghoubi. Aufgrund der Entwicklung in den vergangenen 50 Jahren seien die Produktionskosten für derartige Sitze immer geringer geworden. Sprich: Jegliche grundsätzliche Neuerung wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden, welche die Airlines scheuen. Gleichzeitig steigt jedoch der Komfort in den höheren Klassen, sodass die Unterschiede zwischen First- bzw. Business-Class- und Economy-Bereich immer größer werden.

Halten die Airlines den Komfort in der „Holzklasse“ bewusst gering, weil sie so auf mehr Kundschaft in den teureren Bereichen hoffen? Offiziell streiten die Unternehmen dies ab, doch viele denken noch immer so: Wer sich nicht in der Economy Class wohlfühlt, kann schleißlich Business fliegen. „Aber Tatsache ist, dass sich viele dieses Upgrade nicht leisten wollen“, sagt Alireza Yaghoubi – oder es gar nicht können.

Zudem sind die Preisunterschiede zwischen den Klassen teilweise derart groß, dass selbst Geschäftsreisende von ihren Unternehmen dazu angehalten werden, lieber Economy zu buchen – vor allem in wirtschaftlichen Krisenzeiten.

Heißt im Umkehrschluss: Wenn zukünftig immer mehr Vielflieger Holzklasse fliegen, spielt der Komfort eine zunehmend wichtigere Rolle. Geschäftsreisende wollen im Flugzeug am Laptop arbeiten und ihren Raum nicht vom Vordermann eingeengt sehen.

Yaghoubi glaubt sogar, dass viele Passagiere für einen größeren Komfort, wie ihn etwa die Sitze seiner Firma bieten, durchaus bereit sind, einen geringfügig höheren Flugpreis – er spricht dabei von 10 Euro – zu zahlen. Der Unternehmer sieht darin einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Airlines.

Um zukünftig also im harten Airline-Markt zu bestehen, müsse verstärkt darauf gesetzt werden, den Kunden den Komfort zu bieten, der technisch möglich sei. „Es gibt keine andere Lösung als das Sitz-Design zu überdenken“, erklärt Yaghoubi. „Der Passagier ist nicht das Problem.“ Man habe das Recht, den Sitz zurückzukippen, aber man habe gleichzeitig auch das Recht, dass einem nicht die Knie zerschmettert werden. „Beide Standpunkte sind korrekt.“

Sicher scheint, dass im Flugzeug eine Revolution des Sitzes bevorsteht. Ob sich dann tatsächlich Modelle wie die von Airgo durchsetzen, ist indes fraglich. Der Fantasie der Designer sind schließlich keine Grenzen gesetzt. Und am Ende gilt immer der Kompromiss: Komfortabel soll es sein, aber dennoch günstig für die Airlines.

„Orion“ heißt dieser Entwurf von Airgo. Aufgrund seines neuartigen Designs ist er aber noch weit von der Produktionsreife entfernt

Foto: Airgo

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