116 Flüge gestrichen

Germanwings-Streik – das müssen Reisende wissen!

Die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings streiken seit Freitagfrüh. 116 Flüge wurden gestrichen, etwa 15.000 Passagiere sind betroffen. Auch danach sind weitere Ausstände nicht ausgeschlossen. Alle Informationen für betroffene Fluggäste.

Tausende Passagiere der Lufthansa-Tochter Germanwings müssen zum Ende der Sommerferien wegen eines Pilotenstreiks ihre Reiseplanung ändern. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) macht ihre Streikdrohung am Freitagvormittag wahr. Die Anzeigetafeln an den Flughäfen zeigten vielerorts „Cancelled“ an. Doch am Berliner Airport Tegel war es ruhig, wie BILD-Reporter Moritz Wedel berichtet:

 

Zuvor waren die Verhandlungen mit Lufthansa im Streit um die Übergangsrente für die Flugkapitäne gescheitert. Es sei vorstellbar, dass es in den kommenden Tagen immer mal wieder zu ähnlichen Ausständen kommen könnte, sagte ein VC-Sprecher.

Hintergrund des Konflikts bei Europas größter Airline ist der Streit um die Übergangsrente für die 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Passagiere:

Wann und wo wird gestreikt?

Nach Germanwings-Angaben werden 116 von 164 Flügen gestrichen, die in den Streikzeitraum am Freitag zwischen 6.00 und 12.00 Uhr fallen. Etwa 15.000 Passagiere könnten damit ihren Flug nicht antreten. Betroffen sind den Angaben nach vor allem innerdeutsche Flüge. Hingegen sollen die Verbindungen in Urlaubsgebiete stattfinden.

Welche Airports trifft der Ausstand?

Die Standorte der Germanwings in Köln und Stuttgart werden am stärksten betroffen sein. Am Airport Köln/Bonn sollen im Zeitraum des Ausstands von 50 geplanten Flügen 32 ausfallen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt werden 22 von 36 gelisteten Flügen annulliert. Durch Verschiebungen und Verspätungen könnten zudem laut Germanwings weitere Flüge nach Beendigung des Streiks am Nachmittag ausfallen.

In Köln und Stuttgart finden in den sechs Stunden Streik die meisten Flugbewegungen statt, gefolgt von Hamburg mit 28 Starts und Landungen sowie Berlin mit 22, Düsseldorf mit 14 und Hannover mit 10 An- und Abflügen. Dortmund kommt nur auf 4 reguläre Flugbewegungen bis zum Freitagmittag.

Der Check-in-Schalter von Germanwings am Flughafen Tegel in Berlin

Foto: dpa picture alliance

Wo kann ich mich informieren?

Germanwings bittet alle Fluggäste, auf germanwings.com den aktuellen Status ihres Fluges zu prüfen. Dort würden die neuesten Informationen regelmäßig veröffentlicht. Bei abgesagten Flügen könnten die Betroffenen ihren Flug kostenlos stornieren oder umbuchen.

Welche Rechte haben Fluggäste bei Streiks?

Um ihren Flug kostenlos stornieren zu können, müssen Fluggäste sich zunächst an die Airline wenden: „Sie muss Gelegenheit bekommen, eine Ersatzbeförderung zu organisieren“, erläutert der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. Die Airline ist verpflichtet, diese schnellstmöglich anzubieten. Erst wenn sie das nicht tut, kommt eine Gratis-Stornierung in Betracht. „Wichtig ist jedoch, dass die Kunden diese Aufforderung belegen können, wenn sie später stornieren wollen oder auf eigene Faust eine Ersatzbeförderung organisieren.“ Daher fordern Betroffene sie am besten schriftlich ein. Kümmert sich die Airline nicht, sei das anhand eines E-Mail-Verkehrs leichter zu belegen als bei einem Telefonat. Bei einem Gespräch am Schalter kommt auch eine schriftliche Bestätigung durch die Mitarbeiter in Betracht.

Wie lange muss ich auf eine Ersatzbeförderung warten?

Grundsätzlich müssen Fluggäste in Kauf nehmen, dass es bei der Ersatzbeförderung zu einer Verzögerung kommt, sagt Degott. Allerdings müsse die im Verhältnis zur Flugdauer stehen. Auf ein Ende des Streiks sollten sich Flugreisende am Freitag jedenfalls nicht vertrösten lassen. Wem das Warten auf eine angekündigte, aber nicht erfolgte Ersatzbeförderung zu lang wird, kann nach einer angemessenen Frist immer noch seinen Flug stornieren. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. Und ob die Gäste auf eigene Faust schneller oder zum gleichen Preis ans Ziel kommen, ist keineswegs sicher. Organisiert die Airline hingegen die Ersatzbeförderung, muss sie auch eventuelle Mehrkosten übernehmen.

Welche Ansprüche habe ich, wenn ich am Flughafen strande?

Die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. Das ist für den Ausstand am Freitag jedoch nicht zu befürchten.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtsprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks grundsätzlich der Fall.

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