Gesetze, Regierung, Bevölkerung

Wie gründet man sein eigenes Land?

Am 18. September stimmt Schottland über die Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Aus diesem Anlass erklärt TRAVELBOOK mit einem kleinen Augenzwinkern, ob und wie auch Sie Ihren eigenen Staat gründen können.

Schottland, das Land der Kilts und Dudelsäcke, des Whiskeys und des Shortbreads, gehört seit 300 Jahren zum Vereinigten Königreich. Damit könnte allerdings bald Schluss sein: Die Separatisten fordern die Eigenständigkeit, am 18. September wird in einem Referendum darüber entschieden.

Doch nicht nur ein Teil der Schotten träumt vom selbst verwalteten Land – auch Einzelpersonen wünschen sich ihre eigene Mini-Nation, mit eigenem Geld und Steuersystem, eigenen Gesetzen und Briefpapier.

Versuche gab es schon viele

So hat zum Beispiel eine Gruppe homosexueller Australier im Jahr 2004 versucht, auf Cato Island, einer der australischen Koralleninseln, ein eigenes Königreich zu gründen – aus Protest gegen das 2004 verabschiedete Gesetz, das eine gleichgeschlechtliche Ehe in Australien verbietet. Das selbsternannte Königreich „Gay and Lesbian Kingdom of the Coral Sea Islands“ wurde bisher allerdings weder national noch international anerkannt.

Vor der Küste im Nordosten Australiens liegt Cato Island

Foto: Getty Images/ TerraMetrics, GBRMPA, Google Earth

Immerhin geduldet wird von der Stadt Kopenhagen (Dänemark) die autonome Kommune „Christiania“ (sehen Sie hier Fotos). 1971 auf ehemaligen Militärgebiet gegründet, ist die „Freistadt“ zu einem Wohnraum für Alternative geworden. Der Geruch von Cannabis liegt in der Luft (hier werden softe Drogen verkauft), Hunde laufen frei herum. Inzwischen leben in der Gemeinde, die heute als eine Art Sehenswürdigkeit bei Touristen gilt, 1000 Leute.

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Der Eingang zur „Freistadt Christiania“

Foto: Getty Images

Ebenfalls Anfang der 1970er hat ein Landwirt namens Leonard George Casley sein Grundstück im Westen Australiens zum Fürstentum erklärt. Die heute dort lebenden 23 Einwohner müssen zwar keine Steuern an Australien zahlen, erhalten aber auch keine Sozialleistungen wie zum Beispiel Kindergeld. Sprich: Australien geht nicht gegen den selbsternannten Staat „Principality of Hutt River“ vor, erkennt ihn aber auch nicht an.

Das Postamt des Fürstentums „Hutt River“

Foto: wikipedia/bäras

Wäre ein Mikro-Staat auch etwas für Sie? TRAVELBOOK erklärt mit einem Augenzwinkern, wie man seinen eigenen Staat gründet – und was kompliziert werden könnte.

Schritt 1: Sie brauchen Land!

Gleich der erste Schritt könnte der schwierigste werden: Das Auffinden eines freien, ausreichend großen Fleckchens Erde für die Staatsgründung ist nahezu unmöglich. Ihre Mietwohnung können Sie nämlich nicht einfach so zum eigenen Staatsgebiet erklären. Und falls Sie planen, eine künstliche Insel irgendwo im Meer aufzuschütten: Auch für Küsten und Teile des Ozeans gibt es Verwalter. Genauso, wie viele kleine, unbewohnte Inseln meist zu einem Land gehören.

Sollten Sie auf eine internationale Anerkennung keinen Wert legen – die Sie erst zum offiziellen Staat macht – können Sie auch den Vorgarten zu Ihrem Land erklären. Hierbei riskieren Sie zwar, von Ihren Nachbarn ausgelacht zu werden – aber Land ist Land.

Fazit: Unmöglich ist es nicht, aber eben fast...

Schritt 2: Finden Sie eine Bevölkerung!

Ein Staatschef oder König braucht ein Volk bzw. Untertanen: Also finden Sie sie! Ein Ein-Mann-Staat ist überflüssig, schließlich kann man sich – auch ohne territoriales Gebiet zu besitzen – Grundsätze und Regeln auferlegen.

Aber vielleicht gibt es ja Gleichgesinnte in Ihrem Bekanntenkreis, die ähnliche Interessen verfolgen und bereit wären, in einer Mikronation zu leben.

Fazit: Sollte machbar sein.

Schritt 3: Bilden Sie eine Regierung!

Neben Staatsgebiet und Bevölkerung brauchen Sie noch eine Regierung. Sie können sich natürlich von Ihrem Volk zum König krönen lassen oder selbst ein Staatsoberhaupt ernennen. Aber unterschätzen Sie den Rest nicht! Gesetze, Wirtschaft, Familieninteressen, Gesundheitssysteme: Das alles will geregelt werden.

Fazit: Unmöglich! Denn die Chance ist hoch, dass Sie mit Ihren Regeln international nicht akzeptiert werden. Und ohne diese Anerkennung dürfte es bald Probleme mit dem echten Gesetzgeber Ihres Landes geben.

Fazit

Lassen Sie es bleiben! Der Traum vom eigenen Königreich mag zwar groß sein, doch realistisch umsetzbar ist er nicht. Wenn Sie trotzdem dran hängen: Gründen Sie Ihre eigene virtuelle Welt zum Beispiel in einem Computerspiel inklusive Hymne, Flagge und eigener Briefmarke.

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