Urlaub im Zelt

Wenn das Campen zum Horror wird

Zelten ist nichts für jedermann. Und schon gar nicht für unsere Autorin. Sie war beim Festival in Sachsen-Anhalt. Drei Tage Camping bedeutete für sie: drei Tage Stress. Kein Strom, gebückte Haltung, Hitze. Was für sie sonst noch zum Horror wurde.

Marlen Gruner Von Marlen Gruner

Als Kind war das ja lustig: Zelt im Garten aufbauen, alle Kuscheltiere unter der Polyester-Kuppel verstauen, draußen grillen, Sterne zählen, verzählen, von vorne beginnen und bei Regen wieder ins Haus flüchten.

Als Kind war die Welt noch in Ordnung. Doch mit zunehmendem Alter verlangt das Camperherz mehr Komfort

Foto: Getty Images

Herrlich, dachte ich im zarten Alter von fünf Jahren. Horror, denke ich heute – 25 Jahre später –, als ich auf einem Festivalgelände sitze. Die Gründe, warum ich mein Zelt gegen ein Hotelzimmer tauschen möchte, liegen auf der Hand:
 
1. Haltung
Mit 30 ist das Krabbeln auf allen Vieren nicht mehr so witzig und unbeschwert wie mit fünf. Da schmerzt das Kreuz und knackt das Knie. Ist der Eingang gefunden und per multipler Reißverschlüsse geöffnet, schleppt man seine morschen Knochen robbend bzw. kriechend durch integrierte Fliegengitter und eine Art Tunnelsystem in Richtung Schlafplatz.

Die gebückte Haltung, ein notwendiges Übel beim Zelten, geht auf die Dauer aber auf die Knochen

Foto: Getty Images

2. Komfort
Und da sind wir schon beim nächsten Problem. Das „Bett“ liegt am Boden, und der ist hart. Eine Luftmatratze kann das Übernachten im Zelt zwar gemütlicher machen, doch nervt es, wenn sie allabendlich wieder aufgepumpt werden muss. Mobiliar fehlt gänzlich – abgesehen von der Reisetasche, die traurig in einer Zeltecke steht.

Von Ordnung kann in einem Zelt keine Rede sein. Das Chaos entsteht, sobald mehr als eine geöffnete Tasche und ein Schlafsack im Zelt liegen

Foto: dpa / Picture Alliance

3. Licht
Was tagsüber oft nicht direkt erkennbar ist, zeigt sich dann nachts mit leuchtender Gewalt: die falsch gewählte Stelle auf dem Campingplatz direkt unter einem Flutlichtstrahler. Da helfen nur noch Schlafmaske oder eine dunkle Mütze. Komfortabel ist das nicht.

Bingo! Wer sein Zelt tagsüber unter einem Flutlichtmast aufbaut, braucht nachts keine Leselampe bzw. gar keinen Schlaf mehr

Foto: Marlen Gruner

4. Lärm
Im Hotelzimmer kann man Türen und Fenster schließen. Im Zelt nicht. Etwas 5. - oder Nylonstoff halten nämlich keineswegs hämmernde Beats und das Gegröle lautstark singender Campingnachbarn davon ab, in Zelt und Gehörgang einzudringen.

Wer Campingnachbarn hat, braucht keine Unterhaltung mehr. Die schallt von ganz allein durch den dünnen Zeltstoff

Foto: dpa / Picture Alliance

5. Wetter
Fenster? Gibt’s im Zelt nicht. Frischluft? Auch nicht. Nur die Sonne, die direkt und sengend auf das Zelt knallt. Oder eben auch der Regen, der unaufhörlich auf die niedrige Kuppel-Behausung trommelt. Von Romantik keine Spur. Die kann auch gar nicht aufkommen, wenn die Klamotten am Leibe kleben oder man sich Lagen regenfester Kleidung im Sitzen überstreifen muss.

Extreme Wetterverhältnisse machen aus dem Campingspaß schnell: Campingfrust

Foto: dpa / Picture Alliance

6. Ungeziefer
Meine lieben kleinen Ameisen, Spinnen und Marienkäfer: Bitte bleibt doch einfach draußen! Im Zelt ist einfach nicht genug Platz für uns alle. Wenn ich schon campe, dann bitte ohne tierische Mitbewohner.

Fazit: Zelten ist nichts für mich. Und diese sechs Punkte sind sechs Gründe dagegen. Ab sofort fahre ich vom Hotelzimmer statt vom Zeltplatz  zum Festivalgelände, auch wenn ich den romantischen Touch und das gemeinsame Relaxen mit Freunden bei einer ach so köstlichen Fertigdose Ravioli dadurch einbüße. Damit kann ich gut leben.

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