Neue Regeln in Sicht

So viel Elektronik ist zukünftig im Flieger erlaubt

Fünf Stunden lang unerreichbar sein. Das gibt es heute fast nicht mehr – außer im Flugzeug. Elektronische Geräte wie Handys müssen Passagiere ausschalten. Nun soll das Verbot gelockert werden. Aber was ist zukünftig erlaubt?

Sobald die Triebwerke des Flugzeugs loslegen, heißt es: „Bitte schalten Sie alle elektronischen Geräte aus.“ Darunter fallen neben Handys und Laptops sogar Digitalkameras, MP3-Player usw.

Bis die Anschnallzeichen erloschen sind, müssen diese Geräte bei Start und Landung ausgeschaltet bleiben. Auch eine Nutzung im Flugmodus ist während dieser Phasen nicht erlaubt. Bei Inlandsflügen ist diese Regelung besonders für Geschäftsreisende lästig. Grund: Geht man von einem etwa einstündigen Flug aus, machen Start- und Landephase manchmal 20 Minuten aus. Kostbare Zeit, in denen Mails beantwortet, Präsentationen gesichtet, Termine vorbereitet werden können.

Ende November will die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) neue Sicherheitsempfehlungen für Fluggesellschaften und nationale Aufsichtsbehörden veröffentlichen und das Handyverbot an Bord lockern. Europäische Flugreisende sollen bei Start und Landung demnächst Computer und Handy zumindest eingeschränkt nutzen dürfen. Das kündigte die EU-Agentur mit Sitz in Köln am Mittwoch an.

Zukünftig soll die Nutzung des Smartphones und anderer elektronischer Geräte während aller Flugphasen erlaubt sein, sofern sie sich im Flugmodus befinden und damit keine Verbindung zu Mobilfunknetzen haben. Was bedeutet das?

  • Mails können auf dem Tablet, Smartphone, Laptop gelesen und beantwortet werden. Ein Versenden ist möglich, sobald sich der Flieger nach der Landung in der Parkposition befindet und das Mobilfunknetz genutzt werden kann.
  • Gaming: Reisende können zukünftig ihre Playstation Portable oder das Gameboy auspacken und spielen. Auch auf Tablets und Smartphones ist Gaming erlaubt.
  • Filme können auf abspielfähigen Geräten (etwa tragbare DVD-Player, Notebook, Tablet, Handy etc.) geschaut werden.
  • MP3-Player können durchweg genutzt werden. 
  • Ebooks / E-Papers können im Flugmodus während des ganzen Flugs auf dem Ebook-Reader und anderen Geräten gelesen werden.
  • WLAN kann fortan durchgängig genutzt werden, sofern die Airline im Flugzeug einen entsprechenden Hotspot anbietet.
  • Fotos schießen: Bislang machten Passagiere meist heimlich Aufnahmen bei Start und Landung. Das soll bald offiziell erlaubt sein.
  • Austausch von Dateien via Bluetooth in allen Phasen des Flugs.
  • Bluetooth-fähige Tastaturen oder sonstige Geräte, z. B. Kopfhörer, können jederzeit genutzt werden.
Bislang war immer argumentiert worden, dass die von den Geräten abgesonderten Strahlen u. U. die Bordelektronik stören könnten. Die EASA geht allerdings davon aus, dass heutige Maschinen davon nicht beeinträchtigt werden.

Die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA kündigte kürzlich ebenfalls die Lockerung der Vorschriften an.

na/dpa

Die aktuellen Regeln

Derzeit sind die Regeln streng: Entscheidend sind die Sendefähigkeit des Gerätes und die Phase des Fluges. Sind die Triebwerke aus und steht der Flieger in der Parkposition, dürfen Passagiere vom Handy bis zum Laptop alles benutzen. Für Start, Flug und Landung verbietet das Luftverkehrsgesetz in bestimmten Fällen, elektronische Geräte an Bord einzuschalten. Denn nach Angaben des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA) stören sie unter Umständen die Bordelektronik.

Sendefähige Geräte sind demnach den gesamten Flug über tabu. Dazu gehören zum Beispiel Handys. Sie müssen daher die ganze Zeit über komplett ausgeschaltet bleiben oder dürfen ab Erreichen der Reiseflughöhe nur im Flugmodus eingeschaltet sein. Ausnahmen gelten in Flugzeugen mit einer speziellen Technik, die es Passagieren ermöglicht, während des Flugs zu telefonieren: Einige Fluggesellschaften statten ihre Maschinen bereits damit aus, etwa Emirates.
Nicht sendefähig sind etwa Laptops oder Digitalkameras. Sie müssen nur ausgeschaltet sein, während die Maschine rollt, startet, in den Landeanflug geht und landet.

Während des Reiseflugs darf der Besitzer sie bereits jetzt einschalten. Auch Laptops mit WLAN darf er nutzen. Denn sie haben laut dem LBA eine sehr geringe Sendeleistung, die die Bordelektronik nicht stört. Um mit ihnen surfen zu können, muss jedoch an Bord ein WLAN-Hotspot existieren.