Reise-Trend Wwoofing: Arbeiten ist das neue Erholen

Reise-Trend WWOOFing

Arbeiten ist das neue Erholen

Ziegen melken an der Neiße, Mangos ernten in Thailand, Pferde pflegen in Südafrika: Wer von richtigem Landurlaub träumt, sollte "Wwoofing" ausprobieren – für Kost und Logis auf Farmen in aller Welt arbeiten.

Christine Kensche Von Christine Kensche

Endlich mal raus aus der Stadt. Mitten aufs Land, ohne Internet und Telefon, nicht erreichbar sein und den Kopf ausschalten. Sich mal handwerklich betätigen, richtig auspowern und dann viel und gut essen. Wer sich danach sehnt, sollte einen Reisetrend mit merkwürdigem Namen ausprobieren: Wwoofing. 

Die Abkürzung steht für „World Wide Opportunities on Organic Farms“ und dahinter steht ein einfaches Prinzip – egal ob in Bangladesch, Brandenburg oder Brasilien, die Bedingungen sind überall gleich: Freiwillige helfen auf ökologischen Bauernhöfen und bekommen dafür Kost und Logis gratis.

Die Idee stammt von einer englischen Sekretärin. Sue Coppard wollte 1971 ein Wochenende raus aufs Land fahren und auf einem Biobauernhof mitarbeiten. Sie organisierte mehrere Helferurlaube für sich und Freunde auf einem Hof in Sussex. Schon bald wollten immer mehr Großstädter ursprüngliches Landleben erfahren und das auch länger als nur für ein Wochenende. Die Wwoof-Bewegung war geboren.

Inzwischen nehmen 99 Länder daran teil, allein in Deutschland haben sich mittlerweile etwa 300 Höfe auf der Seite der Organisation angemeldet. Wwoof will die internationale Bio-Bewegung promoten und Techniken nachhaltiger Landwirtschaft lehren. Die Teilnehmer wiederum können sehr günstig Urlaub machen und lernen Land und Leute richtig kennen. Für durchschnittlich 20 Euro im Jahr (in Deutschland sind es 18) kann man Mitglied werden und ein Jahr lang die Adressen der teilnehmenden Höfe abrufen. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre; die meisten Betriebe verlangen eine Arbeitszeit von fünf bis sechs Stunden, fünf Tage die Woche.

Eine länderübergreifende Internetseite gibt es nicht. Unter http://wwoofinternational.org/ gelangt man zu den einzelnen nationalen Wwoof-Homepages.

TRAVELBOOK hat die zehn schönsten Wwoofing-Ziele herausgesucht:

1. Ziegen melken an der Neiße
Foto: PR

Rustikaler geht’s nicht: Auf dem Ziegenhof „Zur Wolfsschlucht“ werden Sie in einer Holzhütte untergebracht, wahlweise auch im Zelt. Mitten in den Neißeauen, an der Grenze zu Polen, können Sie beim Melken der 20 Ziegen und bei der Käseherstellung helfen. Der Ziegenkäse aus Rohmilch wird an einem Stand am Oder-Neiße-Radwanderweg verkauft. Der Hof hat eine kleine Gastronomie und wünscht sich einen Mindestaufenthalt von einer Woche bei sechs Arbeitsstunden, fünf Tage die Woche.
Mehr Infos auf:
www.ziegenhof-wolfsschlucht.de
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2. Oliven sammeln auf Mallorca

Auf 300 Metern Höhe mit atemberaubenden Blick auf das Tramuntana-Gebirge im Norden Mallorcas liegt die Finca Pedruxella Gran. Rund 250 Hektar Land gehören zu dem fast 800 Jahre altem Gehöft mit eigener Olivenpresse, in der Nähe der mittelalterlichen Stadt Pollensa. Je nach Saison brauchen die Landwirte Unterstützung beim Gemüseanbau, Reparieren der Zäune und Steinmauern, Schafehüten und bei der Johannisbrot- sowie der Olivenernte. Der Mindestaufenthalt beträgt zwei, die maximale Dauer 12 Tage, bei sechs Stunden täglicher Arbeit (fünf Tage die Woche). Helfer werden in einem separaten Apartment mit Küche untergebracht.
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3. Bienen züchten in Piemont

Wer die Geheimnisse der Bienenzucht erforschen will, ist in Fontaneto d'Agogna bei Novara genau richtig. Der Familienhof produziert biologischen Honig und bewirtschaftet einen kleinen Gemüsegarten. Die Landwirte benötigen Hilfe auf den Feldern, im Gemüse- und Obstgarten – und vor allem bei der Honig-Gewinnung.
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4. Gemüse anbauen in Schweden

Der Hof Storängen in Lappland ist von dichten Wäldern und stillen Seen umgeben. Füchse, Dachse, Rehe und Elche spazieren hier direkt am Haus vorbei. Zu der kleinen Farm gehören ein Gemüsegarten, ein Gewächshaus und ein Obstgarten. David und Tanja, die Besitzer, produzieren Marmelade und Wein und brauchen Hilfe beim Gemüseanbau, Holz schlagen, Reparaturarbeiten und beim Anlegen eines neuen Gartens. Helfer wohnen in einer typisch schwedischen Holzhütte. Die beste Zeit für einen Aufenthalt auf Storängen ist April bis September, wenigstens zwei Wochen sollte man dort verbringen. Die gewünschte Arbeitszeit liegt bei sechs Stunden pro Tag, das Wochenende ist frei und kann zum Wandern, Schwimmen oder Fischen genutzt werden.
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5. Obst pflücken in Thailand

Auf einer Obstplantage 100 Kilometer nördlich von Chiang Mai wachsen Mangos, Guaven, Papayas, Bananen, Passionsfrüchte und vieles mehr. Von Mai bis Oktober brauchen die Farmer Hilfe beim Säen, Einpflanzen, Früchte pflücken und einpacken. Die gewünschte Arbeitszeit beträgt acht Stunden pro Tag; Helfer bekommen einen eigenen Raum oder Schlafplatz und drei Mahlzeiten am Tag. Alkohol und Zigaretten sind auf der Plantage nicht erlaubt.
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6. Zitronen pflanzen in Mexiko

Nur 15 Minuten entfernt von Chichén Itzá, einer der bedeutendsten Maya-Ruinenstätten auf der Halbinsel Yucatán, liegt das „Lemurian Embassy Eco Retreat“. Die Farm baut Zitronen und Gemüse an, und neue ökologische Häuser auf. Hilfe dabei ist für fünf Stunden pro Tag erwünscht. Besucher schlafen in Palapas, traditionellen, offenen Hütten mit einem Dach aus getrockneten Palmenblättern – oder in Hängematten unter dem freiem Sternenhimmel. Auf dem Gelände liegen bereits kleinere Pyramiden verstreut; die Farmer führen ihre Besucher gerne durch die Maya-Ruinen.
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 7. Kaffee ernten in Costa Rica

Zwei Flüsse treffen sich am Eingang der 23 Hektar großen Farm bei Cataratas. Bananen, Zuckerrohr, Kakao und Kaffee werden hier angepflanzt in einer wunderschönen Gegend, die für ihre zahlreichen Wasserfälle bekannt ist. Helfer sollten unbedingt Mückenschutz einpacken. Sie werden in einem Haus für zehn Personen (alternativ in Zelten oder Tipis) untergebracht, mit Küche, Lehm- und Holzofen. Das Essen wird von allen gemeinsam zubereitet; meist gibt es vegetarische Gerichte, aber ab und zu kommt auch ein Hühnchen in den Topf.
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8. Pferde pflegen in Südafrika
Foto: PR

In der Nähe des Great Kei River 60 Kilometer von East London am Ostkap Südafrikas liegt die Mpetukop Farm. Wwoofer helfen bei der Pflege der Pferdezucht oder mit den Schweinen und Hühnern. Wer Angst vor Tieren hat, kann sich alternativ auch an der Obst-, Gemüse- und Kräuterernte, an der Käse- und Butterproduktion oder beim Zäune ziehen beteiligen.
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9. Wald bewirtschaften in Irland

Auf Trinity Island mitten in einer Seenlandschaft im Bezirk Cavan sucht eine Forstwirtschaft mit angeschlossenem Ökotourismus-Betrieb freiwillige Helfer. Zu den Aufgaben gehören das Fällen und Transportieren von Baumstämmen, Erhalt der Waldwege und Mitarbeit in den Kräuter- und Gemüsegärten der Unterkunft. Die Besitzer leihen ihren Wwoofern gerne ein Kanu oder Segelboot aus, mit dem sie die Wasserwege erkunden können.
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10. Schafe hüten in Serbien

Mehr als 250 Karakachan-Schafe umfasst die Zucht einer vierköpfigen Familie im Stara Planina Nature Park. In dem abgelegenen südserbischen Örtchen, das gerade einmal  Einwohner hat, verarbeiten die Frauen die dunkelbraune und schwarze Wolle zu Socken, Westen und Jacken. In dem alten Landhaus gibt es ein Gästezimmer mit vier Betten. Hilfe suchen die Dorfbewohner beim Hüten und Füttern der Schafe.
Mehr Informationen zur Wollproduktion auf der Facebook-Seite der Züchter
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