Rekordstreik

Was sind die Alternativen zur Bahn?

Bahnfahrern in Deutschland steht ein Rekordstreik bevor. Vier Tage lang, von Donnerstag bis Montag, wollen die Lokführer ihre Arbeit niederlegen. Seit Gründung der Deutschen Bahn AG 1994 gab es bisher keinen längeren Streik. Auf welche Alternativen Bahn-Reisende ausweichen können.

Wer jetzt schon weiß, dass er in den kommenden Tagen eine wichtige Reise machen muss, sollte sich rechtzeitig um Alternativen zur Bahn kümmern – zum Beispiel um einen Mietwagen oder ein Fernbusticket. Wichtige Fragen und Antworten zusammengefasst:

Sollte ich sicherheitshalber einen Mietwagen buchen?
Mietwagen lassen sich unkompliziert online reservieren, zum Beispiel auf billiger-mietwagen.de. Bei einer Buchung über Internetportale sei in der Regel eine Stornierung 24 Stunden vor Mietbeginn möglich – falls es am Reisetag doch nicht zu einem Streik kommt, erläutert Falk Murko von der Stiftung Warentest. „Sie gehen damit kein großes Risiko ein.“ Wird dagegen gestreikt, stehe der Mietwagen dem Kunden zu. „Wenn Sie die Bestätigung bekommen haben, müssen Sie das Auto auch bekommen.“ Beim letzten Bahnstreik waren viele Reisende auf Mietwagen ausgewichen. Daher kam es zum Teil zu Engpässen.

Kann ich auch ein Fernbus-Ticket wieder stornieren?
Bei Fernbus-Tickets müssen Reisende die unterschiedlichen Konditionen für Umbuchungen und Stornierungen im Blick haben. Beim Marktführer Meinfernbus ist beides bis 15 Minuten vor Abfahrt möglich. Wer gar nicht fahren möchte, erhält einen 12 Monate gültigen Gutschein oder den Fahrpreis zurück, allerdings mit einem Storno-Abschlag von 15 Euro. Tickets von Flixbus lassen sich nur bis zu 24 Stunden vor Abfahrt zurückgeben. Die Stornokosten liegen ebenfalls bei 15 Euro. Wer sich für einen Gutschein entscheidet, zahlt 3 Euro Gebühren.
Bei BerlinLinienBus sind Stornierungen nicht später als drei Werktage vor Reiseantritt möglich – allerdings sind sie kostenlos. Tickets würden aber auch kurzfristiger umgebucht oder storniert, sagte eine Sprecherin. Es gibt entweder den Fahrpreis zurück oder einen Gutschein. Für bestimmte Spezialangebote gebe es nur die Gutschein-Variante. Tickets zum Aktionspreis und für internationale Verbindungen lassen sich nicht stornieren.

Bei Deinbus.de sind Stornierungen bis zu 24 Stunden vor Abfahrt möglich, das kostet 3 Euro Gebühr. Wer kurzfristiger das Ticket zurückgibt, bekommt das Geld nur zurück, wenn die Fahrt bereits ausgebucht war. ADAC Postbus bietet Umbuchungen (5 Euro) und Stornierungen (10 Euro) bis zu 12 Stunden vor Fahrbeginn an.

Könnten Fernbus-Plätze knapp werden?
Die Fernbusanbieter rechnen mit einer stärkeren Nachfrage durch den Bahnstreik. Meinfernbus hat beim jüngsten Streik 100 zusätzliche Fahrten organisiert. Auch dieses Mal wolle man flexibel reagieren, erklärt das Unternehmen. Bei Flixbus steht man „in den Startlöchern“, um bei Bedarf mehr Fahrzeuge zu organisieren. Deinbus.de überlegt, auf stark frequentierten Strecken ebenfalls zusätzliche Busse einzusetzen – und spekuliert auf „goldene Streiktage“.

Hotlines der großen Fernbusanbieter

Meinfernbus: 0180 – 5 15 99 15 (0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz). Website: www.meinfernbus.de


Flixbus: 01807 – 123 99 123 (30 Sekunden kostenfrei, danach 0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz). Website: www.flixbus.de

Deinbus.de: 069 – 17 53 73 200. Website: www.deinbus.de

ADAC Postbus: 0228 – 97 27 27 97. Website: www.adac-postbus.de

Berlin Linien Bus: 030 – 338 448 0. Website: www.berlinlinienbus.de







Gibt es bei einem Streik das Geld fürs Bahnticket zurück?
Bahnreisende bekommen einen Teil ihres Ticketpreises erstattet, wenn sich ihr Zug wegen eines Streiks bei der Deutschen Bahn um mehr als 60 Minuten verspätet. Die Bahn kann in diesem Fall keine höhere Gewalt geltend machen. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) im September 2013 (Rechtssache C-509/11). Ab 60 Minuten Verspätung erhalten Bahnkunden 25 Prozent des Reisepreises zurück, ab 120 Minuten sind es sogar 50 Prozent.

Shitstorm nach Streikankündigung

Verständnis zeigen die Deutschen nicht für die Streiklust der Lokführergewerkschaft GDL. Von Donnerstag, 2.00 Uhr bis Montag, 4.00 Uhr wollen die Lokführer die Arbeit niederlegen. Im Güterverkehr beginnt der Ausstand sogar schon am Mittwoch, 15.00 Uhr. Wer kurz nach der erneuten Streikankündigung einen Blick auf Twitter warf, fand dort vor allem Schimpftiraden auf die GDL und Empörung.

Zwischenzeitlich war auch die Website der Gewerkschaft nicht mehr aufrufbar. Die Wut der Bevölkerung wächst, zumal für viele der Eindruck entsteht, als würde die GDL nur vordergründig um bessere Bedingungen für ihre Mitglieder kämpfen. Denn bei diesem Konflikt geht es nicht zuletzt auch um die Forderung der GDL, nicht nur für Lokführer, sondern auch für andere Berufsgruppen Tarifverträge aushandeln zu dürfen und damit ihren Einflussbereich zu erweitern. Doch auch die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) möchte die Zugbegleiter und Rangierführer vertreten.

In einem am Dienstagmorgen gesendeten Deutschlandfunk-Interview sprach Weselsky von einer „Hetzkampagne“, die gegen die Gewerkschaft und ihn stattfinde. „Das, was hier als Medienkampagne gemacht worden ist, ist schlimm genug, weil wir mit unseren rechtmäßigen Streikmaßnahmen in die Nähe von Terroristen gestellt worden sind. Und das haben weder Lokführer noch Zugbegleiter verdient.“

Die Bahn-Kunden haben kein Verständnis für die Streikwut von GDL-Boss Claus Weselsky

Foto: dpa picture alliance

Nach dem Scheitern der Tarifgespräche mit der Bahn hatte die GDL am Montag weitere Arbeitskämpfe angekündigt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die GDL scharf. „Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer“, sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Die Fahrgäste sind die Hauptleidtragenden der Streiks.“

Der Arbeitskampf werde die Bahn überdies auf lange Sicht schädigen: „Es besteht die Gefahr, dass die Bahn dauerhaft Kunden an den Fernbusverkehr verliert.“

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Haben Sie Verständnis für den geplanten Streik der Lokführer?

  • Nein! Es geht der GDL nur vordergründig um die Lokführer, sondern in Wahrheit um mehr Macht. 11
  • Bei dem Machtspiel trifft es Bahn-Kunden – und damit die Falschen. 3
  • Ja! Bessere Arbeitsbedingungen können nur durch solche Maßnahmen erreicht werden. 0