Über Amsterdam von Berlin nach Paris

Wie der Air-France-Streik Reisepläne durchkreuzt

Sie planten Paris und müssen nun nach Amsterdam. Zumindest vorerst. Der Streik von Air France bringt Kurztrips in Gefahr und verändert Reisepläne. Ein Fallbeispiel aus Berlin.

Zwei Verliebte wollten nach Paris. Und da Paris teuer ist, buchten sie die Flüge früh. Sehr früh. 7 Uhr sollte der Air-France-Flieger in Berlin abheben – und gegen 9 Uhr in Paris landen. Immerhin: beste Zeit für das erste Croissant auf Pariser Boden. 223,08 Euro bezahlten beide zusammen Anfang August für Hin und Zurück, Abreise: am 24. September. Bis dahin wurden Geheimtipps erfragt, die Vorfreude gepflegt, und Freunde schenkten einen Gutschein für eine Dampferfahrt auf der Seine.

Neun Tage vor Abflug: Am 15. September legten 60 Prozent der Piloten von Air France ihre Arbeit nieder. Damit demonstrierten sie gegen die Pläne des Unternehmens, Kurz- und Mittelstreckenflüge künftig verstärkt über die Billig-Fluglinie Transavia abzuwickeln. Man befürchtete eine Auslagerung von Jobs, schlechtere Arbeitsbedingungen und forderte einen einheitlichen Vertrag für die gesamte Berufsgruppe. Aufgrund des Arbeitskampfs fiel jeder zweite Air-France-Flug aus, eine Woche lang sollte der Streik dauern – aber beendet sein, bevor die beiden Berliner ihre Koffer für Paris packten.

Vier Tage vor Abflug: Indes, eine Einigung gab es nicht. Am Sonntag vor ihrer geplanten Abreise ging der Streik in die zweite Woche und bedrohte nicht nur die Existenz der Airline, sondern auch den Urlaub der beiden Berliner. Besorgter Anruf bei Air France. Doch erst am Abend, spätestens am nächsten Morgen würde auf der Internetseite der Airline der Flugplan aktualisiert. Da sollte man immer mal wieder draufgucken. Und so gab es für die beiden Reisenden am Sonntagabend keinen Tatort, stattdessen: Air France. Alle paar Minuten die Seite zu aktualisieren, war denn auch mindestens so spannend wie der Sonntagskrimi.

59 Stunden vor Abflug: Noch bevor die Kommissare in Münster ihren Dienst an diesem Abend antraten, stand fest: Der Flug am Mittwoch war annulliert. Drei von vier Air-France-Flügen wurden an diesem Tag gestrichen. Was nun? Die Hotline von Air France war erst am nächsten Morgen wieder erreichbar, eine andere ständig besetzt. Also: Hoffen, bangen, von Paris träumen. Sollte es ein Traum bleiben? Schließlich gilt ein Streik als „höhere Gewalt”, Schadenersatz fällt somit flach.

47 Stunden vor Abflug: Am nächsten Morgen dann Erleichterung: Die beiden Reisenden wurden auf eine Air-France-Maschine umgebucht, Abflug am Mittwoch um 10 Uhr, Ankunft in Paris um 12. Dann wäre es zwar für das Croissant zu spät, aber immerhin würde man ausgeschlafen genug sein für ein französisches Viel-Gänge-Menü am Abend. Der Streik, er hatte plötzlich auch seine guten Seiten. Man konnte sich für Mittwoch direkt etwas vornehmen. Das Haus von Gainsbourg vielleicht?

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25 Stunden vor Abflug: Auch der Flug um 10 Uhr wurde annulliert – eine Alternative nicht genannt. Aber das Geld für den Flug bekäme man auf jeden Fall zurück. Man könne auch auf einen späteren Termin umbuchen. Doch beides waren keine Alternativen – denn die Unterkunft in Paris ist schon bezahlt, der Urlaub genehmigt und mit einem eventuell rückerstatteten Betrag käme man niemals nach Paris. Zumindest nicht von heute auf morgen.

24 Stunden vor Abflug: Nach 45 Minuten in der Warteschleife hat die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung eine Alternative im Angebot. Der Lautsprecher am Telefon ist aktiviert und als die Frau konkret wird, schauen sich die beiden nur ungläubig an. Der einzige Weg nach Paris führt über Amsterdam! Und dauert sechs Stunden. Um 6 Uhr fliegt die KLM-Maschine in Berlin ab, Ankunft in Paris nach dem Zwischenstopp in Holland um 12 Uhr. Heißt: sehr früh aufstehen, sehr lange reisen – und weder das Croissant noch die vielen Gänge am Abend sind machbar. Aber, immerhin, es wird Paris! Vielleicht.

+++ Fortsetzung folgt +++
 
Der Pilotenstreik bei Air France ist bis zum 26. September verlängert worden. Ursprünglich sollte er nur bis zum 22. September dauern – begonnen hatte er am 15. September.

Air France rät betroffenen Passagieren, ihre Tickets umzubuchen. Sie können ihren Flug entweder kostenlos auf ein Datum zwischen dem 27. September und 8. Oktober verlegen oder stornieren.

Für einen gewünschten neuen Abflugtermin ab dem 8. Oktober bekommen Kunden einen Gutschein, der ein Jahr lang für Air France- oder KLM-Flüge gültig ist. Zum Ändern des Tickets gehen Passagiere auf die Webseite von Air France oder rufen die Service-Nummer 0033/1/57 02 10 58 an.

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