Streik und Vulkanausbruch in Island

Kommt es jetzt zum Chaos am Himmel?

Seit Freitagmorgen, 6 Uhr streiken die Germanwings-Piloten. Zeitgleich ist in Island der Vulkan Bárdarbunga ausgebrochen. Wie sehr wird der Flugverkehr in den kommenden Tagen darunter leiden?

Tausende Passagiere der Lufthansa-Tochter Germanwings müssen zum Ende der Sommerferien wegen eines Pilotenstreiks ihre Reiseplanung ändern. Durch den Pilotenstreik wurden am Freitagmorgen an vielen deutschen Flughäfen zahlreiche Flüge gestrichen. Betroffen waren vor allem Inlandsverbindungen, aber auch einige Flüge ins Ausland wurden annulliert. Bis Freitagmittag dauerte der Streik an – und auch danach sind weitere Annullierungen nicht ausgeschlossen. Am Wochenende drohen weitere Flugausfälle.

Zahlreiche Flüge wurden am Freitagmorgen wegen des Germanwings-Pilotenstreiks gestrichen. 15.000 Passagiere sind betroffen

Foto: dpa Picture Alliance

Und als sei das nicht schon genug Chaos, droht Flugreisenden von Norden her weiteres Ungemach: Der Bárdarbunga, Islands größter Vulkan, ist in der Nacht zu Freitag ausgebrochen. Bisher gab es zwar nur kleinere Eruptionen, doch Experten stellen sich auf das Schlimmste ein. Was das für den Flugverkehr bedeuten kann, hat der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im April 2010 mehr als deutlich gezeigt: Wochenlang legte eine riesige Aschewolke den europäischen Flugverkehr lahm, mehr als 100.000 Flüge wurden gestrichen, und mehr als acht Millionen Reisende saßen zum Teil tagelang an Flughäfen fest.

Durch die riesige Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull war 2010 der Flugverkehr über Europa einen Monat lang lahmgelegt

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Wetterdienst in Alarmbereitschaft

Ob es tatsächlich zum ganz großen Ausbruch des Bárdarbunga kommt, ist noch völlig unklar. Größere Aschemengen sind bisher nicht ausgetreten. Das Meteorologische Institut auf Island hat aber trotzdem die Warnstufe Rot ausgerufen, das Gebiet um den Vulkan wurde gesperrt.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach steht nach eigenen Angaben in ständigem Kontakt mit den Kollegen in Island sowie mit Vulkanexperten in London. Man habe die Lage sehr genau im Blick, sagte DWD-Pressesprecher Uwe Kirsche am Freitagmorgen zu TRAVELBOOK. „Schon bei den ersten Eruptionen gingen bei uns die Alarmlichter an. Für den Fall der Fälle sind wir bestens vorbereitet.“ Sobald die Kollegen in Island einen Ascheauswurf des Bárdarbunga melden, wird beim DWD ein spezielles Überwachungssystem in Gang gesetzt, wie Kirsche erläutert.

Die isländischen Behörden haben das Gebiet um den brodelnden Vulkan weiträumig gesperrt. Auch überflogen werden darf der Bárdarbunga zurzeit nicht

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Mit speziellen Infrarot-Laser-Messgeräten am Boden sowie mit Satelliten soll dann der Aschegehalt in der Luft erfasst werden. Außerdem steht ein spezielles Messflugzeug bereit, das eingesetzt werden soll, falls die anderen Systeme aufgrund zu starker Bewölkung versagen. „Alle Informationen werden dann an die Flugsicherung weitergegeben“, erklärt Wetterexperte Kirsche.

Die Analysen des Deutschen Wetterdienstes sind Teil eines Fünf-Punkte-Aktionsplanes, den das Bundesverkehrsministerium in Vorbereitung auf einen möglichen Vulkanausbruch erarbeitet hat. „Deutschland ist auf eine mögliche Vulkanaschekontamination des Luftraums vorbereitet. Alle notwendigen Vorbereitungen für den Fall eines Vulkanausbruchs auf Island sind getroffen“, erklärte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in einer Pressemitteilung.

Wäre Deutschland von der Aschewolke betroffen?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Dafür muss man laut DWD-Sprecher Uwe Kirsche zunächst wissen, wie hoch der Vulkan die Asche im Fall eines Ausbruchs überhaupt schleudert. „Wird die Asche nur drei Kilometer hoch geschleudert, ist die Ausbreitung deutlich geringer. Dann würde ein Teil der Asche womöglich in der Nordsee landen. Steigt die Asche aber in zehn bis zwölf Kilometer Höhe, ist ein Verdriften bis über Deutschland dagegen durchaus möglich.“ Die Verdriftungswege werden laut Kirsche anhand spezieller Rechenmodelle bestimmt. „Dann wissen wir sofort, wo die Asche hinzieht.“

Kirsche betont: „Wir haben aus den letzten Ereignissen gelernt und technisch aufgerüstet. Deutschland ist bestens für den Fall der Fälle vorbereitet.“

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Keine Entschädigung bei Flugausfällen

Ein Vulkanausbruch gilt reiserechtlich als höhere Gewalt. Passagiere dürfen bei Flugausfällen daher keine Entschädigung erwarten. Die Airlines sind auch nicht schadenersatzpflichtig, erklärt  Reiserechtlerin Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

„Allerdings stehen ihnen in den meisten Fällen ein kostenloses Umbuchungs- oder Stornierungsrecht nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung zu“, betont Wagner. Das gelte immer dann, wenn ein Flug innerhalb der EU startet oder Passagiere mit einer EU-Airline unterwegs sind – bei einem Rückflug in die EU mit einer US-Airline also zum Beispiel nicht.


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