Traum gehabt – und erfüllt

Wie ich meine Weltreise geplant habe

Torsten Johannknecht hat das getan, wovon so viele träumen: Er hat sich auf den Weg rund um den Globus gemacht. Auf TRAVELBOOK.de erklärt er, wie er gemeinsam mit seiner Frau den Trip geplant hat.

Von Torsten Johannknecht

Ich so: „Watt willst du nach Neuseeland machen? Hong Kong?“ Sie: „Ja klar, Sprachkurs!“ „Chinesisch? Chinesisch! Aha – und dann?“ Unsere Weltreise! Gar nicht so leicht, den Trip rund um den Globus zu planen. Aber wir haben es getan. Gewagt. Und sind nun tatsächlich seit zwei Wochen unterwegs.

Weltreise – kann das eigentlich jeder? Theoretisch: Ja. Nicht jeder will das. Aber jeder könnte. Theoretisch. Klar, die Entscheidung ist ein wenig größer als die, ob ich Spaghetti Bolognese oder Carbonara beim Italiener möchte. Eine Weltreise über mehrere Monate ist ein Lebensabschnitt, an den man sich wohl immer erinnern wird. Und so gut können die Spaghetti gar nicht sein...

„So, und was machen wir mit unseren Jobs?“, fragt sie. „Kündigen“, sag ich. Oha! Was für ein Schritt. Job, Kinder, Partner, soziales Umfeld – all das spielt bei der Entscheidung für eine Weltreise eine große Rolle.„Ich könnte das nicht.“ Der Spruch von Freunden und Bekannten begegnet uns nicht selten. Ist eben auch eine Typfrage. Vielleicht nicht ganz so wie bei Typ Bolognese oder Typ Carbonara...

Wir aber wollen! Meine Frau und ich habe uns entschieden. Sieben Monate soll die Auszeit dauern. Reisen. Warum sieben Monate? Wir vermuten, dass dann unser Erspartes weg ist. Komplett. Bis auf einen kleinen Restbetrag, damit wir nach der Ankunft in Deutschland erst einmal irgendwie zurecht kommen.

Schritt 1: Den Job kündigen

Uns beiden war wichtig, dass wir sauber mit unseren Arbeitgebern kommunizieren. Wir haben beide mehr als frühzeitig besprochen, dass wir ab September 2014 nicht mehr arbeiten werden. Für sieben Monate. „Wollen wir das wirklich?“ Klar, bei einer so großen Entscheidung kommen immer mal wieder kleinere Zweifel auf. Ein einschneidender Schritt. Sieben Monate kein Einkommen. Unsicherheit, wie es danach weitergeht. Risiko! Aber: Wir haben es durchgezogen, wir wagen die Weltreise!

Sie: „Ich will aber auch nach Tokio.“ Ich: „Super. Ich auch. Aaaaaaaber: Wenn wir im Februar oder März da sind, ist da tiefster Winter. Da hab' ich keinen Bock drauf. Lass uns dann doch lieber Südost-Asien machen.“ Wir reisen von September bis März – verpassen absichtlich den Winter in Deutschland. Also verzichten wir auf ein verschneites Tokio am Ende des Trips, gönnen uns lieber noch ein paar Tage in irgendwelchen Holzhütten an den Stränden Thailands oder Vietnams. Aufgrund der Route ist Tokio vorher nicht möglich.

Schritt 2: Die genaue Route planen

Apropos: Die Route. Das hat gedauert. Bis die endlich mal feststand! Sie: „Ich will aber nicht nach Australien. Viel zu teuer! Und außerdem ist alles, was da kreucht und fleucht, giftig!“
Ich: „Watt??? Wir sollen von Neuseeland nach Hong Kong fliegen und NICHT in Australien aussteigen? Wenn wir schon mal in der Ecke sind, gucken wir uns auch Sydney an.“
Scheiß auf Kompromisse – da verlieren ja meist beide. Also: Wir machen ihren komischen Sprachkurs in Hong Kong und auch mein Australien.

Und so oder so ähnlich wurde jeder Punkt unserer Route diskutiert. Mal waren wir uns einig, mal nicht. Aber: Nach vielen Diskussionen stand irgendwann die Route fest: Südamerika, Neuseeland, Australien, Fidschi, Hong Kong, Südost-Asien.

Das allerdings war nicht unsere Ursprungs-Route. Denn wir sind mit unserer eigentlichen Lieblings-Route in ein auf Weltreisen spezialisiertes Reisebüro (z.B. STA Travel, Travel Overland) gegangen – und haben die Tour vorgestellt. Aber unsere Ausflüge auf die Galapagos-Inseln und in die Südsee nach Aitutaki haben wir dann doch gestrichen. Die Flüge wären viel zu teuer gewesen.

Fidschi ist eigentlich auch nicht in dem Around-the-World-Ticket mit drin, aber – HALLO?? Fidschi streichen? Da verzichte ich lieber ein Jahr auf Spaghetti Bolo UND Carbonara als auf eine Woche Fidschi. Dafür greifen wir auch gern etwas tiefer in die Tasche. Nach mehreren Besuchen im Reisebüro und anschließenden Diskussionen und Planungen zu Hause steht dann irgendwann die finale Route. Dann sogar mit den genauen Flug-Zeiten. Oder auch: Leider mit den genauen Flug-Zeiten.

Denn wir wissen jetzt schon, um wie viel Uhr wir Ende März 2015 in München landen werden. 80 Prozent unserer Flüge sind schon gebucht. Nur Mini-Strecken buchen wir erst vor Ort. Aber zum Beispiel der Rückflug Bangkok–München ist schon fix.

Flexibilität geht anders. Aber: Der große Vorteil dabei sind die Kosten. Würden wir die Flüge alle erst nacheinander und vor Ort festlegen, würden sich die Kosten verdoppeln! Flexibilität kostet Geld. Also haben wir uns festgelegt. Und gebucht. Gegen eine festgelegte Gebühr (150 Euro pro Person) können wir von unterwegs auch zur Not noch was umbuchen.

Schritt 3: Die Wohnung kündigen

Nächster Schritt: Was passiert mit der Wohnung? Kündigen und Möbel einlagern oder unterstellen? Leerstehen lassen? Untervermieten? Aufgrund unserer finanziellen Situation war recht schnell klar: Wir müssen untervermieten. Der Vermieter MUSS eigentlich einer Zwischen- oder Untervermietung auf Zeit zustimmen. Aber es gibt ja solche und solche Vermieter. Unserer sagte zum Glück: Kein Problem! Einfach eine Kopie des Ausweises vom Zwischenmieter einreichen, das war's. Alles andere müssen wir selber regeln. Gesagt, getan. Also haben wir Im Internet mehrere Annoncen geschaltet, unsere Wohnung angeboten (wg-gesucht.de, Immobilienscout24.de, Ebay-Kleinanzeigen, City-Wohnen.de, etc.).

Gedanken sollte man sich machen, wie viel Miete man verlangt. Wir haben also alle monatlichen Kosten addiert (Miete, Strom, Internet, Telefon, Kabelanschluss, Heizung) – und darauf dann noch was draufgeschlagen. Denn schließlich ist die Wohnung ja möbliert. Und siehe da: Es kamen viele Anfragen!

Auch bei dieser Entscheidung sollte man sich Zeit lassen. Da erzählen Leute ja von den irrwitzigsten Geschichten, die schon mit Zwischenmietern passiert sind. Von Studenten, die ihr Studenten-Leben mal so richtig ausgelebt haben bis hin zu Escort-Damen, die ja irgendwo untergebracht werden mussten. Hui. Hoffentlich können wir keine solcher Geschichten erzählen, wenn wir wieder da sind. Wir haben einen französischen Ingenieur mit seiner spanischen Assistenz-Ärztin gefunden. Damit – so hoffen wir – ist die Wahrscheinlichkeit von negativen Überraschungen runtergeschraubt. Toi toi toi...

Schritt 4: Wohin mit dem Auto?

Kurz überdenken sollte man auch, was mit dem Auto passiert. Ich hatte Glück: Meins ging kurz vor der Reise kaputt – da fällt mir die Entscheidung leicht, den Schrotthaufen einfach zu verkaufen. Immerhin: Ein Essen beim Italiener und zwei Reiseführer sprangen dabei raus. Aber was sonst mit dem Auto machen? Einem Freund oder Familienmitglied geben, der dann auch für den Unterhalt aufkommt, ist eine Möglichkeit. Oder für den Zeitraum abmelden. Aber dann darf es nicht auf der Straße oder einem öffentlichen Parkplatz stehen, sondern muss auf einem Privat-Grundstück zwischengeparkt werden. An was man nicht alles denken muss.

Schritt 5: Richtig versichern

Ganz wichtig: Die Auslandskrankenversicherung. Ohne geht nicht. Es gibt zwar welche, die kosten nur wenige Euro pro Jahr, aber da sind dann nur die 10 Tage in Dänemark oder 14 Nächte auf Malle versichert. Bei mehreren Monaten Auslandsaufenthalt muss eine separate Versicherung her. Kurios: Sobald bei der Reise auch nur ein einziger Tag USA oder Kanada geplant ist, verdoppeln sich die Kosten nahezu! Pro Tag kostet eine gute Auslandsversicherung etwa 1,10 bis 1,50 Euro – ohne USA/Kanada!

Achtung, Trick: Wenn man länger als sechs Monate nicht in Deutschland ist, kann man seine Krankenkasse hierzulande einfrieren! Dann entfällt also der normale, monatliche Krankenkassen-Beitrag. Kommt man aber – und sei es aufgrund von Krankheit – nach 5 Monaten, 3 Wochen und 6 Tagen wieder, muss man rückwirkend für diesen Zeitraum die Krankenversicherung in Deutschland nachzahlen. Wichtig also bei der Planung der Reise: Bleibe ich nicht doch besser gleich länger als ein halbes Jahr weg? Das kann unter Umständen viel Geld sparen!

Schritt 6: Was muss alles mit?

So, dann bleibt ja fast nur noch das Problem mit dem Gepäck. Ich packe meinen Koffer und nehme mit...? Gute Frage. Wie packe ich? Was und wie viel? Da gibt es ganze Wissenschaften zu. Klar ist: Wer nur an den Strand fährt, muss keine Winterjacke mitnehmen. Wer nur Gletscherwanderungen plant, braucht keine elf Badehosen. Wir aber stehen vor dem Problem, dass sowohl aktive Stranderholung geplant ist (hab' ich Fidschi schon erwähnt??), als auch ggf. eine Gletscherbesichtigung (Ushuaia und in den Anden). Was also einpacken?

Wir planen, das Problem mit Funktionswäsche und dem sogenannten Zwiebel-Look zu lösen. Kurze Klamotten kommen sowieso in den Trekking-Rucksack, dazu Thermo-Unterwäsche, die nicht so viel Platz wegnimmt. Und für die richtig knackig-kalten Orte werden wir uns wohl vor Ort mit Jacken und dicken Pullis eindecken. Idealerweise kaufen und wieder verkaufen. Aber eigentlich ist Winter auf der Reise ja auch gar nicht geplant. Aber weil wir unbedingt in die südlichste Stadt der Welt wollen (Ushuaia/Argentinien) und der nicht weit von der Antarktis entfernt ist, sinkt dort die Wahrscheinlich eines Hitzeschlags deutlich.

Was ist mit Reiseführern? Für jedes Land einen eigenen? Das ist schwer und nimmt im Gepäck Platz weg. Eine Möglichkeit ist, sich die Bücher auf den Laptop oder das Tablet runterzuladen. Aber das ist nicht jedermanns Sache. Zwar kann man darin auch rummalen und Markierungen setzen, aber es ist einfach nicht das gleiche, als wenn man ein Buch in der Hand hat. Und was, wenn der Akku mal leer ist?

Es soll wohl auch möglich sein, Reiseführer vor Ort zu tauschen. Wenn ich den von Kolumbien in der Hand habe, reise aber nach Argentinien, gibt es in vielen Hostels die Chance, die Bücher zu tauschen. Natürlich gibt es keine Gewissheit, dass ausgerechnet der immer zur Hand ist, den man gerade braucht.

Schritt 7: Was brauche ich sonst noch?

Visa und Impfungen: Nicht jedes Land kann einfach so bereist werden. Beispielsweise für Australien, Vietnam oder China braucht man ein spezielles Visum. Informationen über das jeweilige Land und die Einreise-Bedingungen stehen auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes. Dort steht auch, welche Impfungen empfohlen sind und welche unter Umständen sogar Einreise-Bedingung sind.

Ganz wichtig: Unterlagen unbedingt einscannen und online hinterlegen. Reise-Versicherungen, Pässe, Flugticket, Bankdaten – was auch immer. Alles sollte im Internet hinterlegt sein. Für den Fall der Fälle, falls etwas verloren geht oder gestohlen wird, kann man von jedem Internet-Rechner auf die wichtigen Unterlagen zugreifen. Außerdem sollte eine Vertrauensperson in Deutschland Vollmachten bekommen, z.B. über das eigene Konto. Und bei der Post sollte man einen Nachsende-Auftrag abschließen. Briefe, die in der Zeit der Abwesenheit ankommen, kann man beispielsweise zu den Eltern oder Freunden umleiten lassen.

Zum Schluss das Wichtigste: Die Vorfreude! Je näher der Trip rückt, desto mehr steigt das Adrenalin. Zwar auch die Anspannung, ob alles klappt, aber auch die unbändige Vorfreude. Jetzt sind wir tatsächlich unterwegs. Und ich kann euch eins sagen: Es macht Spaß!

Unser Autor Torsten Johannknecht ist am 2. September zusammen mit seiner Frau auf große Weltreise gestartet. Über seine Erlebnisse unterwegs schreibt er regelmäßig für TRAVELBOOK.de. Mehr über seine Weltreise und die einzelnen Stationen erfahren Sie auf seinem Reiseblog „Große Reisen“.

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