Online-Portal will Singles für die Nacht zusammenbringen

Würden Sie Ihr Hotelzimmer mit einem Fremden teilen?

Wir leben in einer Welt des Sharings. Alles, was keine Zahnbürste ist, wird freigiebig geteilt: das Auto via Carsharing, die Urlaubsfotos via Social Media, das Sofa via Couchsurfing, die Wohnung via Airbnb & Co. Warum nicht auch das Hotelzimmer teilen? Das dachten sich die Erfinder des Online-Portals Easynest.com, bei dem Alleinreisende Zimmergenossen suchen können – und sorgten damit für Furore. Doch: Funktioniert das Konzept?

Wer alleine reist, kennt das Problem: Einzelzimmer sind teurer als ein halbes Doppelzimmer. Oft zahlt man allein sogar genauso viel wie zu zweit. Und Luxustempel kann man sich dann ohnehin nicht leisten. Warum also nicht das Hotelzimmer mit einem anderen teilen – einfach, um Geld zu sparen? Dabei könnte man gleich neue Freunde finden und den obligatorischen Single-Blues im Hotel quasi im Keim ersticken.

Eine geniale Idee, dachte der Franzose Nicolas Reille und gründete mit Partnern das Online-Portal Easynest.com (nicht zu verwechseln mit Easynest.de), auf dem sich solo reisende Leute finden sollen, um zusammen das Hotelzimmer zu teilen. Der Grundgedanke, mit einem Wildfremden in einem Raum zu schlafen, fand der Franzose überhaupt nicht problematisch. „Ich schlafe jeden Tag neben Fremden – im Flugzeug, im Bus, beim Carsharing im Auto“, erklärte er 2013 zum Launch der Seite den Journalisten. Bei Easynest könne man sich immerhin aussuchen, neben wen man sich bettet.

Es könnte so schön sein: mit Gleichgesinnten das Zimmer teilen und Spaß haben. Nur müssen die sich erstmal finden.

Foto: Getty Images

Doch nicht jeder sieht das so pragmatisch. Im Gegenteil, zieht der Gedanke, mit fremden Singles das Zimmer zu teilen, doch nicht selten weitere, nicht ganz jugendfreie nach sich. „Willst Du mit mir schlafen?”, titelte denn auch das Magazin „Neon“ über einen Beitrag zum Thema. „Die Mitschlafzentrale” ist Easynest für „Spiegel Online“. Und dass auf der Werbung des Portals eine junge Frau sexy an ihrem T-Shirt zieht und zudem sehr viel Dekolleté zeigt, trägt nicht unbedingt dazu bei, Zweifel auszuräumen.

Allerdings: Sex sells. Und in der Tat haben zahlreiche Medien über Easynest berichtet, kaum, dass die Seite online war. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass das Konzept einen Nerv der Zeit zu treffen schien: den der Sharing Economy. Heutzutage wird nun mal gern geteilt: das Auto, die Abendgarderobe, die Wohnung. „What's mine is yours”, so das Motto der Co-Konsumenten. „Teilen ist das neue Haben!”, so die Formel der Soziologen.

Sicherheit nicht garantiert

Und so las man also überall von dem neuen Sharing-Portal. Dass man sich dort einfach mit seinem Facebook-Profil anmeldet und Angebote durchsuchen oder neu einstellen kann. Dass für Easynest nur Hotelzimmer mit getrennten Betten in Frage kommen – und man tunlichst bei der Buchung darauf achten sollte. Und dass die Bezahlung für den Co-Schläfer bequem vor Ort funktioniert, während der andere die ganze Rechnung begleicht.

Wer etwas genauer hinsah, kritisierte, dass für die Sicherheit der Easynester allerdings nichts getan werde und der eine den anderen ganz locker hängen lassen oder betrügen könne. Dass man seinen Schlafgast oder -gastgeber nicht nach Geschlecht aussuchen könne. Dass man die Infos über den anderen nur aus seinem Facebook-Profil erfährt – und was verrät das schon jenseits aller Selfies? Zudem fehle ein Ratingsystem für die Nutzer, so wie es beispielsweise Airbnb oder Couchsurfing böten.

Und was so gut wie jedem auffiel, der auf der Internetseite war: Die Zahl der Nutzer war überschaubar, Angebote gab es so gut wie keine. Allerdings, so lenkte man wohlwollend ein, sei Easysnest ja gerade erst gestartet – und bräuchte noch Zeit, sich am Markt zu positionieren. Und auch die Macher gelobten, nachzubessern. Rating- und Bezahlsystem seien in Arbeit.

Wo steht Easynest heute?

Inzwischen ist ein gutes Jahr vergangen. Und wo steht Easynest, das auf Twitter noch nicht einmal 500 Follower hat, heute? TRAVELBOOK hat den Schnellcheck gemacht.

Wie wäre es etwa mit einem Trip nach Berlin übers Wochenende? Die Anfrage bei Easynest ergab: keine Ergebnisse. Dann vielleicht New York im Mai? Pustekuchen. Oder San Francisco im Juni? Nichts. Auch in Hongkong, Rio de Janeiro oder Istanbul bot niemand sein Zimmer zum Teilen an. Und zwar weder am Wochenende, noch im Mai, noch wann anders. Dafür könne man aber ein eigenes Hotelzimmer gern anbieten. Fragt sich nur, warum man das tun sollte, wenn die Wahrscheinlichkeit, hier jemanden zu finden, offenbar doch sehr gering und das Risiko, letztlich auf seine gesamten Hotelkosten sitzen zu bleiben, recht hoch ist?

Ein Hotelzimmer plus zwei Alleinreisende = ein Konzept, das aufgeht?

Foto: Getty Images

Bleibt die Frage, warum sich die Single-Reise-Community nicht für das Konzept erwärmen kann. An mangelnder Berichterstattung (siehe oben) dürfte es nicht gelegen haben. Eher wohl am Konzept. Vielleicht gibt es den idealtypischen Easynester, den die Macher vor Augen hatten, ja gar nicht: den Spaß liebenden Globetrotter nämlich, der am Ende des Tages gern etwas Luxus schätzt und kein Problem damit hat, sein Zimmer mit einem Fremden zu teilen.

Oder vielleicht will der dann auch einfach nur seine Ruhe – und keinen schnarchenden Zimmergenossen, der den mühsam erzielten Erholungseffekt binnen weniger Minuten völlig zunichte macht. Denn warum geht man denn in einen Luxustempel? Wegen der Entspannung, der puren Entspannung – ohne Ablenkung. Und Leute kennenlernen kann man doch woanders auch viel besser.

Sie suchen lieber gleich ein Einzelzimmer oder fahren ohnehin nicht alleine? Dann suchen Sie hier Ihr Hotel in Berlin, New York, Hong Kong, Rio und Istanbul.

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